Auf Abbruch folgt Frühgeburt?

Ein Schwangerschaftsabbruch kann nicht zu unterschätzende psychische Langzeitfolgen haben. Eine Sorge aber können Frauen in Zukunft vergessen: Eine Abtreibung erhöht nicht das Risiko, in einer späteren Schwangerschaft das Baby zu früh zur Welt zu bringen. Dies gilt offenbar zumindest, wenn die Behandlung nach modernen medizinischen Methoden erfolgt ist, wie eine Untersuchung zeigt, die jetzt im Fachjournal "PLOS Medicine" veröffentlicht wurde.

Die grosse Langzeitstudie analysierte über 700.000 Daten von Erstgeborenen ab der 24. Schwangerschaftswoche, die zwischen 1980 und 2008 in Schottland zur Welt kamen. Bei denjenigen Frauen, die einmal abgetrieben haben, lag das zukünftige Risiko für eine Frühgeburt um 17 Prozent höher, bei Frauen mit zwei Schwangerschaftsabbrüchen um 51 und bei Frauen mit drei oder mehr Schwangerschaftsabbrüchen um 64 Prozent höher als bei werdenden Müttern ohne vorherigem Schwangerschaftsabbruch. Ursache ist wahrscheinlich, dass durch die mechanische Erweiterung des Gebärmutterhalses und die Ausschabung oder Absaugung von Fruchtblase und Embryo die Gebärmutterschleimhaut beschädigt werde und zu Infektionen neige.

Interessant ist aber vor allem an der Studie, dass das Frühgeburtsrisiko im Laufe der 28 beobachteten Jahre deutlich nachgelassen hat. Das höchste Risiko wurde zwischen 1980 und 1983 mit 32 Prozent errechnet. Zwischen 1984 und 1999 sank es auf 20 bis 10 Prozent. Und seit dem Geburtsjahrgang 2000 konnten die Forscher gar kein erhöhtes Frühgeburtsrisiko nach vorhergehender Abtreibung mehr feststellen.

Das Forscherteam um Professor Gordon C. Smith von der Abteilung für Geburtshilfe und Gynäkologie der Universität Cambridge vermutet, dass der Frühgeburtenrückgang auf die veränderten Methoden zum Schwangerschaftsabbruch, vor allem die immer üblichere Anwendung von Medikamenten – überwiegend mit selektiven Progesteron-Rezeptor-Antagonisten, wie beispielsweise Mifepriston (RU 486) und Prostaglandinen – zurückzuführen ist. So wurden 1992  noch 31% aller Abtreibungen operativ vorgenommen, 2008 aber nur noch 0,4 Prozent. Entsprechend erhöhte sich der Anteil der medikamentös durchgeführten Schwangerschaftsabbrüche von 18 auf 68 Prozent.

Quelle: Oliver-Williams, C. et al.: PLoS Med 2013, 10(7): e1001481.

Stand: 8/13, BH