Die Schweiz hat jährlich 2 % IVF-Babys

Der europäische Verband der Reproduktionsmediziner schätzt, dass seit Juli 1978, als das erste „Retortenbaby“ Louise Brown zur Welt kam, weltweit 5 Millionen Kinder mit Hilfe assistierter Reproduktionstechniken (ART) geboren wurden. Unter ART versteht man die In-vitro-Fertilisation (IVF), bei der sich Ei- und Samenzellen im Reagenzglas mehr oder weniger spontan befruchten, und die intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI), bei der die Reproduktionsmediziner mit einer Injektionsnadel nachhelfen.

Allein in der Schweiz bezogen 2009 rund 6300 Paare Leistungen der Fortpflanzungsmedizin, rund 10’400 Behandlungszyklen wurden begonnen. Bei gut einem Drittel der Behandlungen entstand eine Schwangerschaft. Die 1628 Geburten endeten mit 1891 lebendgeborenen Kindern, wovon fast ein Drittel Zwillinge waren. Dies zeigen die neuen veröffentlichten Ergebnisse der Statistik der medizinisch unterstützten Fortpflanzung 2009 des Bundesamts für Statistik (BFS). Vergleichsweise kamen im Jahr 2009 in der Schweiz 78’000 Kinder lebend zur Welt.

Das Durchschnittsalter einer Frau, die 2009 eine Erstbehandlung begann, lag bei 36,0 Jahren und hat somit gegenüber dem Vorjahr nochmals geringfügig zugenommen. Der Partner war durchschnittlich 39,2 Jahre alt. 21 % der Frauen, die eine Behandlung in Anspruch nahmen, haben ihren Wohnsitz im Ausland.
Die Unfruchtbarkeit des Mannes ist mit 47 % der häufigste Grund für eine Behandlung. Bei 24 % der Paare wird als Grund die Unfruchtbarkeit beider Partner angegeben, bei 18 % jene der Frau. In 10 % der Fälle konnte der Grund für die Unfruchtbarkeit nicht festgestellt werden. Wenn der Mann vollständig unfruchtbar ist, besteht die Möglichkeit, gespendete Samenzellen zu verwenden: 5 % der behandelten Paare machten 2009 von einer solchen heterologen Insemination Gebrauch.

Die künstliche Befruchtung ausserhalb des Körpers führt heute beinahe so häufig zu einer ausgetragenen Schwangerschaft wie die natürliche Empfängnis. Zumindest gelte das für junge Frauen bis 30 Jahren, behauptet die Reproduktionsmedizinerin Barbara Luke. Denn auch bei Männern und Frauen ohne Fertilitätsstörung „klappt“ es nicht immer sofort. Die Rate einer spontanen Empfängnis liegt bei 45 % nach drei Monaten. Sie steigt nach 6 Monaten auf 65 % und nach 12 Monaten auf 85 %.

Quelle: Bundesamt für Statistik (BFS)
B. Luke et al.: New England Journal of Medicine, 366, S. 2483-2490, 28. Juni 2012

Stand: 7/12, BH