Europarat will Kinder besser gegen Strahlung schützen

Der Europarat hat einen besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen vor elektromagnetischer Strahlung durch Mobiltelefone gefordert. In den Schulen müsse der Gebrauch von Handys strikt eingeschränkt werden, forderte die Parlamentarierversammlung der Länderorganisation bei einem Treffen in Kiew. Ausserdem sollten WLAN-Netzwerke ganz aus den Schulen verbannt und durch Internet-Kabel ersetzt werden.

Die Parlamentarier forderten darüber hinaus die 47 Europarats-Länder auf, mit Informationskampagnen auf potenzielle Gefahren elektromagnetischer Strahlung vor allem für „Kinder, Jugendliche und Menschen in zeugungsfähigem Alter“ aufmerksam zu machen. Solche Strahlen könnten zu Hause etwa von drahtlosen Telefonen oder Interphon-Geräten zur Überwachung von Babys (Babyphon) erzeugt werden.

Die Regierungen sollten ausserdem die „wissenschaftliche Grundlage“ der aktuellen Strahlennormen durch unabhängige Experten, die von der Internationen Strahlenschutzkommission festgelegt wurden,  überprüfen lassen. Die Bewertung der Risiken für die Umwelt und die Gesundheit der Menschen müsse „transparent und objektiv“ sein. Solange es die wissenschaftliche Forschung nicht erlaube, das Risiko mit genügender Sicherheit zu bestimmen, müsse das Vorsorgeprinzip gelten.

Die Beschlussvorlage wird nun der parlamentarischen Versammlung des Europarats vorgelegt - nicht zu verwechseln mit dem Europäischen Parlament. Der Europarat hat 47 Mitgliedsstaaten (seit 1963 auch die Schweiz) und residiert in Strassburg. Er hat keinen direkten Einfluss auf die Regierungen Europas, bemüht sich aber dennoch, auf Entscheidungen und politische Entwicklungen einzuwirken.

Nach Angaben des Deutschen Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) hat eine kürzlich vorgenommene Studie keinen messbaren Einfluss von Mobilfunkstrahlung auf das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen nachgewiesen. Zwischen der bei gut 3.000 Probanden je 24 Stunden lang gemessenen individuellen Strahlenbelastung und abgefragten Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- oder Einschlafproblemen habe sich kein Zusammenhang feststellen lassen, teilte die Behörde im Januar 2011 mit. Die Langzeitwirkung der elektromagnetischen Felder auf Kinder und Jugendliche sei aber weiter unbekannt. „Aus Vorsorgegründen“ bleibe daher Vorsicht im Umgang mit drahtlosen Kommunikationstechniken geboten.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat allerdings im Mai 2011 hochfrequente elektromagnetische Felder, v.a. durch Mobil- und Schnurlostelefone, als möglich krebserregend klassifiziert. In epidemiologischen Studien an Erwachsenen habe es bei häufigem Gebrauch von Mobiltelefonen Anzeichen gegeben für ein erhöhtes Risiko, an einem Gliom (bösartiger Hirntumor) zu erkranken. Man müsse diesen Zusammenhang deshalb weiterhin beobachten.

Über ein mögliches Hirntumorrisiko bei der stark wachsenden Mobiltelefon-Nutzergruppe der Kinder und Jugendlichen bestehen jedoch noch keine Erkenntnisse. Das Schweizerische Bundesamt für Gesundheit (BAG) unterstützt deshalb eine Internationale Fall-Kontroll-Studie zu Hirntumoren bei Kindern und Jugendlichen. Weitere Unsicherheiten bestehen hinsichtlich der Grösse der Strahlungsabsorption im Kinderkopf sowie der Beeinflussung der Entwicklung von Nervengewebe und Gehirn. Diese Unsicherheiten und die immer früher im Leben einsetzende Mobiltelefonnutzung rechtfertigt laut BAG insbesondere bei Kindern und Jugendlichen eine strahlungsarme Verwendung von Mobiltelefonen.

Der Zusammenhang zwischen Aufmerksamkeitsstörungen (ADHS) bei Kindern und Mobilfunk wurde in wenigen Studien untersucht. Zwar wurden Anzeichen für einen Einfluss von Belastung durch hochfrequente Strahlung und Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen gefunden, es braucht aber noch weitere Studien, um diesen Zusammenhang zu bestätigen und auszuschliessen, dass nicht andere Faktoren für diese Verhaltensauffälligkeiten verantwortlich sind.

Quelle:
Europarat: www.assembly.coe.int/Documents/WorkingDocs/Doc11/EDOC12608.pdf
WHO
: www.who.int/mediacentre/factsheets/fs193/en/
BAG: www.bag.admin.ch/themen/strahlung/00053/00673/04265/index.html?lang=de

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