Alle Jahre wieder: Krankenkasse wechseln oder nicht?

Neue Spitalfinanzierung per 01.01.2012: Was geschieht mit den Zusatzversicherungen? Ist die Krankenversicherung ein Übel oder eher ein Mehrwert?

Wer die Krankenkasse wechseln möchte, sollte dies bis spätestens 30. November 2011 tun. Das Kündigungsschreiben muss bis spätestens 30.11.2011 per Einschreiben bei Ihrer bisherigen  Kasse eintreffen. Angesichts des jährlichen Anstiegs der Prämien ist es kein Wunder, dass Eltern nach Sparmöglichkeiten suchen. Eine vierköpfige Familie muss für die obligatorische Krankenversicherung rund 1000 Franken monatlich vom Haushaltsbudget abzweigen. Extra Ausgaben wie Zahnspangen oder Brillengläser sind nicht inbegriffen. Solche Leistungen deckt nur die Zusatzversicherung ab. Neue Spitalfinanzierung, Zusatzversicherungen (insbesondere für Leistungen, welche nicht im Wohnkanton beansprucht werden), die neuen Fallpauschalen (SwissDRG): Was gilt es neu zu beachten?

swissmom hat für Sie wichtige Punkte zusammengestellt:

Was ist die neue Spitalfinanzierung?

Neu werden Spitalleistungen in der ganzen Schweiz über einheitliche Fallpauschalen abgegolten. Versicherte haben schweizweit freie Spitalwahl, sofern das Spital auf einer kantonalen Spitalliste figuriert.

Neuer Kostenschlüssel:

Die Kostenaufteilung zwischen dem Kanton und den Versicherungen wird neu und in der ganzen Schweiz einheitlich definiert. Die Kantone bezahlen 55 Prozent der Kosten an stationäre Aufenthalte, die Versicherungen 45 Prozent. Der Versicherungsschlüssel gilt auch für Privatkliniken, die auf einer kantonalen Liste stehen.

Die Kantone haben also fünf Jahre Zeit, bis 2017, um die neue Spitalfinanzierung umzusetzen. Von der Übergangsfrist Gebrauch machen die Kantone AG, AI, AR, FR, GL, NW, OW, SG, SH, SZ, TG, UR, VS, ZG und ZH. Daraus ergibt sich eine höhere Rechnung für Versicherer. Eine finanzielle Entlastung der Prämien für die privaten Zusatzversicherungen, allgemeine Abteilung in der ganzen Schweiz, die Zusätze halbprivat oder privat ist möglich, da ein Teil von den Kantonen und der OKP (obligatorische Krankenpflegeversicherung) übernommen wird.

Freie Spitalwahl für die ganze Schweiz:

Künftig haben grundversicherte Patienten in allen Schweizer Spitaleinrichtungen freie Spitalwahl und die OKP übernimmt prinzipiell die Leistungen aller Schweizer Spitäler, die auf einer kantonalen Liste stehen, zum Tarif des Wohnorts.

Brauche ich noch eine Spitalzusatzversicherung „allgemeine Abteilung ganze Schweiz“?

Es ist grundsätzlich richtig, dass Kunden mit der Grundversicherung OKP freie Wahl unter Spitälern in der ganzen Schweiz haben. Die volle Kostenübernahme gilt allerdings nur bei denjenigen Spitälern, die auf der Spitalliste des Wohnkantons aufgeführt sind.

Ist der Tarif der vom Patienten gewählten ausserkantonalen Einrichtung höher als am Wohnort, wird die Kostendifferenz vom Patienten oder einer Zusatzversicherung (allgemeine Abteilung ganze Schweiz) bezahlt.

Die Zusatzversicherung „Allgemeine Abteilung ganze Schweiz“ bringt grössere Wahlmöglichkeiten ohne das Risiko von Eigenkosten bei einem ausserkantonalen Spital- oder Reha-Aufenthalt.

Auch bei einem allfälligen späteren Umzug in einen anderen Kanton bleibt man flexibel: Denn wer aus einem „teuren" Kanton in einen Kanton mit tieferem Spitaltarif zügelt, möchte sich vielleicht weiterhin im Spital des früheren Wohnkantons behandeln lassen.

Wichtig: Die Zusatzversicherung „Allgemeine Abteilung ganze Schweiz“ ist nicht nur auf die Zusatzkosten in der stationären Behandlung ausgerichtet. Viele Krankenkassen bieten Kombiprodukte an, bei denen zusätzlich zur stationären Behandlung ganze Schweiz z.B.  auch die Rettungs-, Such- und Transportkosten versichert sind. Viele Kombiprodukte beinhalten auch eine Notfalldeckung im Ausland. Es gibt wiederum ebenfalls Flexprodukte, bei denen der Kunde die Möglichkeit hat, von der allgemeinen Abteilung in die halbprivate oder private Abteilung mit einem entsprechenden Selbstbehalt zu wechseln.

Zusatzversicherungen spielen weiterhin eine wichtige Rolle . Informieren Sie sich bei Ihrem Krankenversicherer, welche Leistungen Sie in Ihren Zusatzversicherungen mitversichert haben.

Fallpauschalen:

Stationäre Spitalleistungen in der allgemeinen Abteilung eines Listenspitals werden neu gesamtschweizerisch mit diagnosebezogenen Fallpauschalen abgegolten (Diagnosis Related Groups, kurz DRG). Konkret bedeutet das, dass ein Spital beispielsweise für eine Blindarmoperation einen fixen Betrag erhält – unabhängig von der Aufenthaltsdauer des Patienten. Somit werden Patientinnen und Patienten wissen, welches Spital welche Operationen zu welchem Preis und in welcher Anzahl anbietet. Mit den Fallpauschalen erhalten Versicherte, Kantone und Versicherer transparente Vergleiche über die Menge und Preise der Leistungen unterschiedlicher Spitäler. Das SwissDRG wird ab dem 01. Januar 2012 eingeführt.

Neu gerät damit auch die Geburt unter Kostendruck, haben doch die eidgenössischen Räte die Einführung der Fallpauschalen beschlossen, um Kosten zu senken. Tarife für vaginale Geburt mit und ohne komplizierende Diagnosen, Kaiserschnitt mit und ohne mehrere komplizierende Diagnosen werden unterschieden. Auch nach 2012 wird der Preis einer Geburt von Spital zu Spital unterschiedlich sein. SwissDRG legt einzig ein Kostengewicht für einzelne "Diagnosen" fest. Ob das Geld reicht oder nicht, wird sich weisen. Bleibt die Grundangst, dass Gebärende zu schnell entlassen, dass Pflegende und Ärzte auf Grund des Preisdruckes nicht mehr die gewünschten Leistungen erbringen können. Schliesslich steht auch im Gesundheitswesen nun hinter allem ein Finanzkontroller. Hoffen wir, das Menschliche geht nicht verloren, denn eine Geburt ist doch auch für die Gesellschaft ein wertvolles Gut.

Besonders Geburtshäuser, kleine Landspitäler, aber auch mittelgrosse Geburtskliniken  geraten unter ökonomischen Druck. Wer die gesamte Leistungspalette anbieten will, kann dies nur mit grossem administrativen Aufwand erreichen, um auf die Spitalliste zu kommen. Und dies wiederum ist eine Voraussetzung, um über die Grundversicherung abrechnen zu können. Welche Geburtshäuser und Spitäler auf die Liste kommen, wird in diesen Tagen entschieden. swissmom wird im Januar 2012 ein Interview über ein Geburtshaus bringen, welches es auf die Zürcher Spitalliste geschafft hat.

Vergleiche der verschiedenen Versicherungserbringer findet man heute auf www.priminfo.ch,  dem Vergleichsportal des Bundes. Alle Krankenversicherer sind dort in alphabetischer Reihenfolge aufgelistet. Nicht nur eine Alternative zu den vielen Vergleichsportalen, sondern ein wirklich transparenter Mehrwert ohne Haken und Ösen!

Quellen: SwissDRG, www.priminfo.ch

Stand: 11/11, Antonio Mangino