Hebamme erhält alternativen Nobelpreis 2011

Die Right Livelihood Award Stiftung gab heute in Stockholm die vier Gewinner des „Alternativen Nobelpreises“ 2011 bekannt. Unter ihnen ist die aus den USA stammende Hebamme Ina May Gaskin, die „berühmteste Hebamme der Welt”.

Die 71-jährige Pädagogin und Hebamme Ina May Gaskin erhält die Auszeichnung, weil sie „Geburtsmethoden lehrt und verbreitet, die Frauen in den Mittelpunkt stellen und die körperliche wie geistige Gesundheit von Mutter und Kind fördern“. Als Vertreterin eines uralten, in ihrem Land vom Aussterben bedrohten Berufes vereine sie wissenschaftliche Analyse mit weitreichender Erfahrung in der Praktizierung natürlicher Medizin.

„Ina May Gaskin ist ein Vorbild für Hebammen, die es wagten, andere Wege zu gehen im Versuch, Geburtshilfe menschlicher zu gestalten, und die den Frauen die Möglichkeit geben, selbst zu entscheiden, welche Art der Entbindung für sie persönlich die richtige ist“, heisst es von der Stiftung.

Seit 40 Jahren ist Ina May Gaskin für schwangere Frauen im Einsatz. In ihrer Heimat USA war das Gebären Anfang der siebziger Jahre - wie in vielen westlichen Ländern - nur noch in Krankenhäusern üblich. Hebammen gab es in Amerika so gut wie nicht mehr, den Job hatten Ärzte übernommen. In einem jahrzehntelangen Prozess war viel an altem Wissen rund um die Geburt verloren gegangen. Gaskin setzte sich zum Ziel, wieder die Frau in den Mittelpunkt des Geschehens zu setzen. In einem Land, in dem es gar keine Ausbildungsmöglichkeit für Hebammen mehr gab, gründete sie auf dem Gelände einer Kommune in Tennessee ein Geburtshilfezentrum.

Laut Stiftung half Ina May Gaskin bei etwa 1.200 natürlichen Geburten, gemeinsam mit ihren Partnerinnen sogar bei mehr als 3000. „Dank ihrer Arbeit und Fachkompetenz wurde sie zur Pionierin der Hebammenausbildung und bewahrte dabei ein einzigartiges Wissen, das in einer Welt technisch dominierter Geburten grösstenteils vergessen war“, so das Komitee. Das „Gaskin Manöver” wird heute international gelehrt. Dabei handelt es sich um eine Methode, die Gaskin von traditionellen Hebammen aus Guatemala lernte. Damit sollen langwierige Wehen und routinemässige Dammschnitte vermieden sowie Steissgeburten und Zwillingsgeburten erfolgreich entbunden werden.

In den vergangenen Jahrzehnten veröffentlichte sie Bücher, die in der ganzen Welt als Bestseller verkauft wurden. Vielen Hebammen wurde sie zum Vorbild. Sie setzt sich für hohe Standards bei der Geburtshilfe ein und für eine gute Qualität der Ausbildung von Hebammen. Heute hält sie rund um den Globus regelmässig Vorträge.

Eine Besonderheit am Rande des Alternativen Nobelpreises: Zum ersten Mal verleiht das Komitee des Right Livelihood Award einen Preis an jemanden, dessen Ehepartner die Ehre bereits erhalten hat. Ina May Gaskins Mann Stephen Gaskin war 1980 der erste, der überhaupt jemals den Alternativen Nobelpreis erhielt. Er wurde mit seiner Menschenrechtsorganisation Plenty International ausgezeichnet.

Stand: 9/11, BH