Mundspülung senkt Frühgeburtrisiko

Eine schlechte Mundhygiene und Zahnfleischentzündungen gelten als Risikofaktoren für Frühgeburten. Bei Schwangeren, die eine zahnärztliche Behandlung ablehnen, kann die tägliche Mundspülung mit einer antibakteriellen Lösung eine vorsorgende Wirkung erzielen.

Die Parodontose oder Parodontitis (eine Entzündung des Zahnhalteapparats, in deren Folge das Zahnfleisch zurückgeht, mit Taschenbildung und Zahnlockerung) gehört zu den möglicherweise immer noch unterschätzten Risikofaktoren für eine Frühgeburt. Kürzlich konnte die Gruppe um Marjorie Jeffcoat von der Universität von Pennsylvania in Philadelphia zeigen, dass eine zahnärztliche Parodontosebehandlung das Frühgeburtrisiko deutlich senkt – allerdings nur, wenn sie erfolgreich zu Ende gebracht wird. Dann waren in einer Gruppe von Frauen mit einem hohen Frühgeburtsrisiko die Chancen, dass die Kinder nach der 37. Woche geboren wurden, sechs Mal grösser, als bei Schwangeren, die bei einer Nachuntersuchung erneut eine Parodontose aufwiesen (BJOG).

Jetzt stellt die Forscherin eine weitere Studie an 204 Schwangeren mit einem erhöhten Frühgeburtrisiko vor, die eine zahnärztliche Sanierung abgelehnt hatten. In einem einfach blinden Design wurden 49 Schwangere gebeten, täglich eine Mundspülung mit einem Antiseptikum (Cetylpyridinium) durchzuführen. Die anderen 155 Schwangeren bildeten die unbehandelte Kontrollgruppe. Die erfolgreiche Anwendung der Mundspülung wurde durch eine zahnärztliche Untersuchung vor der Entbindung kontrolliert. Wiederum scheint die Massnahme erfolgreich zu sein. Wie die Dentalmedizinerin berichtet, kam es nur bei 6,1 Prozent der Schwangeren mit erfolgreicher Dental-Hygiene zur Frühgeburt gegenüber 21,9 Prozent in der Kontrollgruppe (Abstract 51, Jahrestagung der Society for Maternal-Fetal Medicine im Februar 2011 in San Francisco).

Wie immer sind Ergebnisse einer einzelnen Arbeitsgruppe mit Vorsicht zu beurteilen. Für die These, dass bakterielle Infektionen Frühgeburten begünstigen, gibt es allerdings plausible Hinweise. Eine frühere Studie hatte (PLoS) beispielsweise gezeigt, dass in der Fruchtblase von Schwangeren mit vorzeitigen Wehen, aber intakter Fruchtblase, nicht selten genetisches Material von Krankheitserregern vorhanden ist.

Quellen:
Jeffcoat M. et al.: BJOG. 2011,  118(2):250-6. doi: 10.1111/j.1471-0528.2010.02713.x.
DiGiulio, D.B. et a.: PLoS ONE 3(8): e3056. doi:10.1371/journal.pone.0003056 (2008)

Stand: 2/11, BH