EHEC-Darminfektion: Was ist zu beachten?

Den Erreger der EHEC-Darminfektion (Enterohämorrhagische Escherichia coli) gibt es wahrscheinlich weltweit. Im Jahresdurchschnitt infizieren sich in der Schweiz laut BAG-Statistik etwa 50–70 Personen. Die Ansteckung kann zu schwerem, auch blutigem Durchfall führen sowie Blutarmut bis hin zum akuten Nierenversagen, sie ist aber nur in einem kleinen Teil der Fälle lebensgefährlich.

Allerdings ist die derzeitige Infektionsrate mit dem neuen und besonders aggressiven Stamm des EHEC-Erregers (Variante HUS = hämolytisch-urämisches Syndrom) in Norddeutschland ungewöhnlich hoch. Die Erkrankung hat dort bereits 32 Todesopfer gefordert (Stand: 11.6.11) und nun mit fünf bestätigten Fällen auch die Schweiz erreicht. Der Krankheitsverlauf sei aber stabil und weise keine Komplikationen auf (BAG). Bestätigte Erkrankungsfälle gibt es auch in den USA, Skandinavien, Grossbritannien, Österreich und den Niederlanden, ausserdem einen Todesfall in Schweden. Alle Erkrankten seien kürzlich in Deutschland gewesen.

Die Ursache für die jüngste Welle von Erkrankungen ist noch unklar. Experten und Behörden vermuteten zunächst ungewaschene saisonale Gemüse, Früchte oder Salat wie Spargeln und Erdbeeren. Inzwischen wurde jedoch der Verdacht erhärtet, dass Gemüsesprossen aus einem norddeutschen Betrieb die schweren EHEC-Erkrankungen verursacht haben. Bis auf weiteres wird in Deutschland empfohlen, auf Gemüsesprossen jeglicher Art zu verzichten oder sie gekocht zu verzehren.

Die Situation in der Schweiz: Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hält das auf dem inländischen Markt verkaufte Gemüse für EHEC-frei und sicher. In der Schweiz werde derzeit vorwiegend inländisches Gemüse vermarktet. Dieses sei nicht von den Vorfällen in Norddeutschland betoffen, schreibt das BAG in einer Mitteilung.

Noch ist unklar, wie und wo der Erreger auf das Gemüse gekommen sei. In Frage komme als Übertragungsweg verunreinigtes Saatgut, kontaminiertes Wasser und mangelnde Hygiene bei den Mitarbeitern. Über eine Schmierinfektion ist eine Ansteckung von Mensch zu Mensch möglich – Vorsicht daher natürlich auch, wenn ein Familienmitglied Durchfall hat.

Die Inkubationszeit beträgt zwischen zwei und zehn Tagen, durchschnittlich drei bis vier Tage. Das erste Verdachtszeichen ist wässriger Durchfall, dazu Übelkeit und Erbrechen. Um den Salz- und Flüssigkeitsverlust auszugleichen, sollten die Betroffenen viel trinken. Antibiotika sind gefährlich, weil der Erreger resistent ist und es zu einer Verschlechterung durch Freisetzung bakterieller Toxine kommen kann. Auch vor Medikamenten gegen Durchfall wird gewarnt, weil sie die Darmbeweglichkeit herabsetzen und dadurch die Keimausscheidung verzögern. In schweren Fällen entwickeln sich krampfartige Bauchschmerzen, Blut im Stuhl und teilweise auch Fieber. In diesem Fall sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

Besonders gefährdet sind Kinder unter drei Jahren, ältere und geschwächte Menschen. Am häufigsten haben sich aber bisher erwachsene Frauen angesteckt – weil sie sich sowieso gesünder mit viel Obst und Gemüse ernähren, meist die Nahrung zubereiten und der Infektionsquelle deshalb am nächsten sind.

Auch Schwangere sind besonders gefährdet. Eine fieberhafte Erkrankung erhöht das Risiko für vorzeitige Wehen und damit für eine Fehlgeburt oder Frühgeburt. Bei Durchfallerkrankungen müssen zudem die Verluste von Flüssigkeit und Elektrolyten schnell ausgeglichen werden. Ausserdem sollten Schwangere auf eine sorgfältige Hygiene im Intimbereich achten, damit die Krankheitskeime nicht in die Vagina und durch den Muttermund hindurch bis zur Fruchtblase gelangen und einen vorzeitigen Blasensprung verursachen.

So können Sie sich und Ihre Familie schützen:

  • Sorgfältiges Händewaschen, vor allem nach dem Gang zur Toilette, ist die wichtigste Massnahme. Gerade bei Durchfallerkrankungen im persönlichen Umfeld sollte darauf geachtet werden. Auf öffentlichen Toiletten sind Seife aus Seifenspendern und Papierhandtücher am hygienischsten.
  • Vor der Zubereitung frischer Produkte (Gemüse, rohes Fleisch) die Hände mindesten 30 Sekunden mit warmem Wasser und Seife waschen. Im Handteller und unter Handschmuck finden ganze Kolonien von Bakterien Platz. Händewaschen heisst nicht, die Haut nur zu benetzen: Jeden Finger, die Oberseite, den Handteller und zum Schluss den Daumen und die Fingerkuppen waschen! Anschliessend sollten die Hände unter fliessendem Wasser abgespült und mit einem sauberen, trockenen Handtuch abgetrocknet werden. Benutzen Sie am besten Einmal-Handtücher oder waschen Sie Lappen und Handtücher nach dem Zubereiten oder Kontakt von rohem Fleisch bei mindestens 60°C.
  • Auf rohes Fleisch (auch Rohwurst) oder Rohmilchprodukte sollte vorerst besser verzichtet werden. Rohes Obst und Gemüse müssen gründlich unter fliessendem Wasser gewaschen (evtl. Gemüsebürste benutzen), noch besser geschält oder gekocht werden. Kein Handtuch zum Abtrocknen benutzen. Das Küchentuch aus Papier lässt sich danach leicht entsorgen. Keime lieben Feuchtigkeit, das Trocknen ist nach dem Waschen ein wichtiger Hygieneprozess.
  • Experten empfehlen, grundsätzlich Lebensmittel gut durchzugaren bzw. zu erhitzen (Kerntemperatur mindestens 70 Grad für zehn Minuten), dies gilt insbesondere für Hackfleischspeisen wie Hamburger.
  • Fleisch ist von anderen Lebensmitteln getrennt aufzubewahren und zuzubereiten, auch beim Grillieren.
  • Benutzte Messer, Arbeitsflächen, Lappen und Handtücher in der Küche sollten nach dem Kontakt mit rohem Gemüse und Fleisch, Verpackungen oder Tauwasser sofort gründlich gewaschen und abgetrocknet oder regelmässig getauscht werden. Schneidebretter aus Holz sind wahrscheinlich weniger geeignet als solche aus Kunststoff. Kleine Bretter können nach dem Reinigen in der Mikrowelle getrocknet werden. Hier haben weder Feuchtigkeit noch Bakterien eine Chance.
  • Rohmilch vor dem Verzehr abkochen; pasteurisierte und ultrahocherhitzte Milch sind als sicher anzusehen.
  • An Durchfall erkrankte Personen dürfen keine Lebensmittel zubereiten.

Gut zu wissen:

  • Auch Essiggurken und Gemüse aus der Gefriertruhe sind nicht risikofrei. Dem EHEC macht weder extreme Kälte noch Säure etwas aus. Selbst austrocknen oder Salz helfen nicht.
  • Die jetzt nachgewiesenen EHEC wurden bisher nur auf der Oberfläche von Rohkost gefunden. Insofern ist das Schälen sehr wahrscheinlich ausreichend, es bleibt aber ein Restrisiko.

(Quelle:  BAG)

Stand: 11.6.2011, BH/JL