Schweinegrippe – das müssen Schwangere und Eltern von Kleinkindern wissen

Die sogenannte Schweinegrippe, auch "neue Grippe" genannt, wird durch ein relativ neuartiges Virus verursacht. Relativ deshalb, weil es mit dem Stamm der bis in die 50er Jahre aktiven Grippeviren verwandt zu sein scheint, was erklärt, warum an der Schweinegrippe mehr junge als alte Menschen erkranken. Das Immunsystem der Menschen unter 50 wurde noch nie mit dem A(H1N1)-Virus konfrontiert und bietet keinen Schutz gegen die Erkrankung.

Kommt eine Pandemie auf uns zu?

Eine Pandemiewelle wird von vielen Experten in der Herbst-Winter-Saison 2009/2010 erwartet und könnte bis zu fünfmal mehr Kranke bewirken als eine saisonale Grippe (Influenza). Fachpersonen raten, sich "wachsam, aber nicht panisch" zu verhalten.

Nach einem Rückgang der Neuerkrankungen im August und September kam es im Oktober und November erwartungsgemäss zu einem herbstlichen Anstieg. In der Kalenderwoche 46 (8.-15.11.09) wurden 1911 Neuerkrankungen registriert, das ist mehr als eine Verdoppelung der Neuerkrankungen in der KW 45. Die Zahl der in der Schweiz registrierten bestätigten Fälle lag am 15.11.2009 bei 4497 (insgesamt seit April 2009). Als bestätigter Fall gilt eine Person, deren Laboranalysen ein positives Resultat bezüglich der pandemischen Grippe (H1N1) ergaben. Die Anzahl der Fälle entspricht also nicht der effektiven Anzahl Personen, die in der Schweiz an der neuen Grippe erkrankten, weil der Test nur noch bei Personen durchgeführt wird, die schwere Symptome aufweisen, bei denen ein Komplikationsrisiko (z.B. Schwangere und chronisch Kranke) besteht oder die Kontakt mit erkrankten Personen mit einem erhöhten Komplikationsrisiko hatten. Die Anzahl der Arztkonsultationen wegen "grippeähnlicher Erkrankungen" wird auf 274 pro 100.000 Einwohner geschätzt.

Zur Zeit lässt sich über die Gefährlichkeit der Krankheit noch wenig aussagen. Beruhigend ist, dass sich das Virus in den letzten Wochen nicht verändert hat. Weltweit ist das Risiko relativ gering bei Personen über 30 Jahren, und vernachlässigbar bei den über 60Jährigen. Jugendliche und junge Erwachsene (vor allem in der Altersgruppe der 10 - 25Jährigen) scheinen sich am leichtesten anzustecken, haben aber auch die geringsten Komplikationen. Die verfügbaren Daten weisen darauf hin, dass die Schweinegrippe bei den meisten Erkrankten milde bis mittelschwere Symptome verursacht – vergleichbar mit jenen einer saisonalen Grippe – und häufig werden die Patienten ohne Behandlung rasch wieder gesund.

Der erste Todesfall in der Schweiz in Zusammenhang mit der Schweinegrippe betraf am 17. November einen viereinhalb Monate alten Säugling. Er starb an einer Lungenentzündung. Die Ärzte am Basler Universitäts-Kinderspital vermuten, dass das Kind wegen seiner Grunderkrankung (Lippen-Kiefer-Gaumenspalte und Herzfehler) auch eine "normale" saisonale Grippe möglicherweise nicht überlebt hätte. Am 19. November starben in Winterthur zwei Frauen (46 und 54 Jahre), die ebenfalls vorbelastet waren (Diabetes und Herzschwäche).

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt scheint es nicht gerechtfertigt, Frauen mit Kinderwunsch von einer Schwangerschaft abzuraten. Auch eine entsprechende Infertilitäts-Therapie kann ohne weiteres fortgesetzt werden.

Wer gehört zu einer Risikogruppe?

Schwangere, Wöchnerinnen und stillende Mütter gehören grundsätzlich mit Kindern, Jugendlichen und chronisch kranken Menschen zur Risikogruppe. Weil in der Schwangerschaft, im Wochenbett und in der Stillzeit die Immunabwehr  herabgesetzt ist, kann man sich leichter anstecken und es können schwerwiegendere Komplikationen (z.B. eine Lungenentzündung oder Frühgeburt) auftreten.

Säuglinge zwischen drei und sechs Monaten gehören zur höchsten Risikogruppe. Neugeborene haben noch einen sogenannten Nestschutz von der Mutter mitbekommen, der die ersten drei Lebensmonate abdeckt. Aber erst nach dem ersten Lebenshalbjahr baut das Kind dann seine eigene Immunabwehr rasch auf. Insofern gilt es, Babys in den wenigen Monaten dazwischen konsequent zu schützen. Weil Säuglinge unter sechs Monaten nicht geimpft werden können, sollten sich die Personen in der unmittelbaren Umgebung impfen lassen.

Frühgeborene sind deshalb gefährdet, weil sie vorzeitig geboren wurden und die Abwehrstoffe von der Mutter, die v.a. in den letzten Wochen vor der Geburt intensiv auf das Kind übertragen werden, nicht mitbekommen haben.

Bei Kleinkindern hat eine Studie aus den USA jetzt gezeigt, dass hauptsächlich Kinder mit Asthma die schwersten Komplikationen haben, wenn sie an Schweinegrippe erkranken.

Bei diesen Hoch-Risikogruppen ist es relativ unerheblich, um welche Art der Grippe es sich handelt, ob um die bisher bekannte, meist saisonale Influenza (was wir üblicherweise unter „Grippe“ verstehen) oder um die Schweinegrippe. Die Einhaltung bestimmter Massnahmen zur Infektionsvermeidung sind also ganz besonders wichtig. Und dazu gehört nicht nur Händewaschen, sondern auch die Impfung aller nahestehender Personen.

Hier finden Sie mehr Informationen:

Das Bundesamt für Gesundheit BAG hat eine Hotline eingerichtet. Während Bürozeiten erhalten Sie unter der Nummer ++41 (0)31 322 21 00 Antworten auf Ihre Fragen. Für aktuelle Informationen zur Grippe A(H1N1) stehen zudem folgende Webseiten zur Verfügung:

  • BAG-Influenzawebseiten: www.bag.admin.ch/influenza/
  • BAG-Pandemiewebseiten: www.pandemia.ch mit Informationen für die Bevölkerung

Stand: 21.11.09, BH