Verbot von Lauflernhilfen gefordert

Im Säuglings- und Kleinkindalter stehen Unfälle überwiegend in Zusammenhang mit Wickeltisch, Lauflernhilfen, Kinderhochstuhl und Kinderautositz. Verletzungen mit sogenannten Lauflernhilfen wie Gehfrei, Lauflernhilfe, Lauflernschule oder Babywalker nehmen mit 82 Prozent einen extrem hohen Anteil ein. Besonders betroffen sind Kinder zwischen sechs und zwölf Monaten, der Altersgipfel liegt bei etwa neun Monaten.

Gehfrei, Babywalker, bunte Gestelle auf Rädern mit und ohne angebauter Spielkonsole, Lauflernwagen oder Lauflernhilfen mit Schaukel gefährden Kleinkinder mehr, als dass sie ihnen nützen. Halb sitzend, halb strampelnd können sich Säuglinge bereits ab dem sechsten Lebensmonat mit solchen Geräten fortbewegen und kurzfristig Geschwindigkeiten von bis zu zehn Stundenkilometern erreichen, ohne dabei eine eigene Kontrolle über das Gerät zu haben.

„Lauflernhilfen sind eine der schädlichsten Erfindungen für Kinder“, sagt der Präsident des deutschen Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Dr. Wolfram Hartmann, und kritisiert damit die europäische Sicherheitsnorm (DIN EN 1273) vom August 2005 für Lauflernhilfen, die der Sicherheit der Geräte dient. Danach gibt es zum Beispiel Bremsen gegen Treppenstürze, Feststellvorrichtungen des Untergestells nach allen Seiten und Warnhinweise. Die Geräte, die dem Kind das Laufenlernen erleichtern sollen, verursachen trotzdem jedes Jahr zahlreiche schwere Unfälle, manche davon enden sogar tödlich. „Die EU sollte diese Geräte endlich konsequent verbieten anstatt nur neue Sicherheitsnormen für sie festzulegen“, so Hartmann. In Kanada ist der Verkauf von Lauflernhilfen seit 2004 verboten.

Jährlich stürzen tausende Kleinkinder mit solchen Geräten Treppen hinunter, kippen um, wenn sie versuchen, sich über Türschwellen oder Teppichkanten zu bewegen. Kopfverletzungen – von Schürfwunden bis zu Schädelbrüchen – sind dabei die häufigste Verletzungsart. In anderen Fällen erleiden Kinder Verbrühungen oder Verbrennungen, da sie durch die grössere Reichweite im Gehfrei Tassen oder Schüsseln mit heißer Flüssigkeit vom Tisch herunterreißen. Erwachsene Aufsichtspersonen unterschätzen oft mögliche Gefahrenquellen, die durch den erweiterten Spielraum der Kleinkinder entstehen.

„Auch wenn durch die neuen Vorschriften das Umkippen der Geräte erschwert wird – ausschliessen können sie es nicht. Und die grössten Gefahren, nämlich Verbrühungen, Verbrennungen und Treppenstürze werden auch durch grössere Stabilität nicht abgewendet. Im Übrigen weisen wir nachdrücklich darauf hin, dass Lauflernhilfen Kindern keineswegs helfen, früher laufen zu lernen. Kinder lernen laufen, wenn dies ihrer individuellen Entwicklung entspricht. Lauflernhilfen sind also völlig überflüssig“, so Hartmann.

Quellen: BAG Bundesarbeitsgemeinschaft "Mehr Sicherheit für Kinder" e.V.; Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJD), www.kinderaerzte-im-netz.de

Stand: 04/09, BH