Psychologische Begleitung bei unerfülltem Kinderwunsch

Der unerfüllte Kinderwunsch wird bei beiden Partnern von einer Flut unterschiedlicher Gefühle begleitet. Betroffene sind oft von Hoffnung, Versagensangst, Wut, Enttäuschung, Trauer, depressiven Verstimmungen und anderen Gefühlen erfüllt. Zweifel am Partner und an sich selbst führen nicht selten zu Stress und Konflikten. Spannungen in der Paarbeziehung und auch im Sexualleben treten auf. Eine Verminderung der Lebensqualität ist oft die Folge.

Eine psychologische Begleitung während einer Kinderwunschtherapie ist doppelt sinnvoll: Sie kann helfen, die Belastungen zu vermindern, die sich aus dem jahrelangen Warten, Hoffen und Bangen ergeben – gleichzeitig können körperliche und seelische Spannungen gemindert und damit die Chancen zur Erreichung des Wunschzieles Kind vergrössert werden.

Einige wissenschaftliche Studien zeigen, dass durch gezielte psychologische Interventionen Depression, Angst und Wut reduziert werden können und die Schwangerschaftsrate dadurch ansteigt. Bei der Interpretation dieser Ergebnisse ist jedoch problematisch, dass nur wenige dieser Studien ein prospektives und kontrolliertes Design mit einer randomisierten Kontrollgruppe verwendeten. Es ist somit noch offen, in welchem Ausmass welche Art von psychologischer Intervention die Lebensqualität und allenfalls die Schwangerschaftsrate von infertilen Paaren steigern kann.

Die Universitäts-Frauenklinik Inselspital Bern hat zusammen mit dem Psychologischen Institut der Universität Bern Forschungsgelder vom Schweizerischen Nationalfond unterstützte erhalten, um mehr Klarheit auf diese Fragen zu bekommen. Ziel dieser randomisierten Studie ist die Evaluation der Wirkung einer psychologischen Unterstützung auf die Kinderwunschbehandlung, insbesondere IVF/ICSI. Es handelt sich hierbei weder um Psychotherapie noch um Psychoanalyse oder „Seelenstripping“. Die psychologische Unterstützung besteht vielmehr in einer Art Coaching, welches auf die Stärkung von psychischen und sozialen Ressourcen abzielt, zum Beispiel Umgang mit Stress-Situationen usw. Paare haben damit die einmalige Chance, ohne zusätzliche Kosten eine professionelle psychologische Begleitung erfahren zu können, die durch wertvolle Erfahrungen (Konfliktverarbeitung, Umgang mit Stress etc.) die Lebensqualität steigern und den Ausgang der Behandlung möglicherweise positiv beeinflussen kann.

Es werden seit Juni 2007 Paare mit unerfülltem Kinderwunsch rekrutiert und zufällig zur Interventions- oder Kontrollgruppe zugeteilt. Die Interventionsgruppe erhält 10 wöchentliche Gruppen-Coachings, während die Kontrollgruppe keine psychologische Unterstützung bekommt. An vier Zeitpunkten wird eine Fragebogenmessung durchgeführt. Die Studiendauer liegt bei voraussichtlich zwei Jahren. Die Studie wurde nun multizentrisch erweitert, Coachings werden aktuell in Bern und in Basel (in Zusammenarbeit mit der Universitäts-Frauenklinik Basel) durchgeführt.

Weil nicht nur Paare mit einer geplanten IVF/ICSI-Therapie, sondern auch Paare mit einer so genannten konservativen Kinderwunschbehandlung psychologisch unter der ungewollten Kinderlosigkeit leiden, wurde dieses Angebot schon jetzt erweitert. Es ist nun auch Paaren offen, die keine IVF/ICSI-Therapie durchführen, sondern eine „konservative“ Kinderwunschbehandlung.

Kontaktperson ist Frau Katja Hämmerli am Psychologischen Institut der Universität Bern, Tel. 031-631 45 83.

Stand: 5/08, BH