Frühgeburt wirkt sich auf das ganze Leben aus

Die gesundheitlichen Auswirkungen einer Frühgeburt sind vielfältiger und reichen weiter ins Erwachsenenalter als bisher angenommen. Frühgeburten sind die häufigste Ursache für Säuglingssterblichkeit. Es gab bereits zahlreiche Studien, die von kurz- und langfristigen Komplikationen berichten, mit denen Überlebende rechnen müssen.

Dr. Geeta Swamy und Kollegen von der Duke University in Durham im US-Staat North Carolina werteten gemeinsam mit Wissenschaftlern vom Norwegian Institute of Public Health (NIPH) das norwegische Bevölkerungsregister von 1967 bis 1988 aus. In dem Zeitraum wurden dort 1.167.506 Kinder geboren. 60.354 von ihnen waren Frühgeburten, das heisst sie kamen vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt. Generell war die Frühgeborenen-Rate bei Jungen mit 5,2 Prozent höher als bei Mädchen (4,7 Prozent), es wurden allerdings auch insgesamt mehr Jungen geboren.

„Wenn ein Kind frühzeitig zur Welt kommt, neigen wir dazu, auf die kurzfristigen Komplikationsrisiken zu fokussieren“, berichtet Geeta Swamy, Erstautorin der Studie. Tatsächlich sei jedoch das Risiko für Komplikationen mittelfristig am grössten. Diese Gefahr halte bis ins Erwachsenenalter an. Je früher die Geburt erfolge, umso grösser sei das Risiko. Die Kinder, die extrem früh geboren würden, hätten eine hohe Wahrscheinlichkeit, lebenslange Komplikationen zu erleiden.

Bei Jungen, die zwischen der 22. und 27. SSW auf die Welt kamen, zeigte sich während der ersten sechs Lebensjahre ein 5,3-mal höheres Sterberisiko (1,33 Prozent) als bei Normalgeborenen. In der späteren Kindheit (sechs bis 13 Jahre) lag das Sterberisiko noch bei 1,01 Prozent und damit rund sieben Mal höher als bei Normalgeborenen.

Mädchen, die zwischen der 22. und 27. SSW geboren wurden, waren vor allem in der frühen Kindheit betroffen: Mit 1,71 Prozent lag ihr Sterberisiko bis zum siebten Lebensjahr 9,7-mal so hoch wie bei Normalgeborenen. In der späteren Kindheit zeigten sich hingegen keine Auswirkungen.

Bei Jungen, die zwischen der 28. und 32. SSW geboren wurden, lag die Sterberate in der frühen Kindheit noch bei 0,73 Prozent und in der späten Kindheit bei 0,37 Prozent - und damit um den Faktor 2,5 beziehungsweise 2,3 höher als bei Normalgeborenen. Bei Mädchen, die zwischen der 28. und 32. SSW auf die Welt kamen, war das Risiko jedoch nicht signifikant erhöht.

Auch auf die Fruchtbarkeit im Erwachsenenalter zeigte das Geburtsalter noch Auswirkungen: Bei Frauen, die zwischen der 22. und 27. SSW geboren wurden, lag die absolute Fortpflanzungsrate bei 25 Prozent, bei Männern 13,9 Prozent - und damit 67 Prozent beziehungsweise 76 Prozent niedriger als bei Normalgeborenen. Für diejenigen, die zwischen der 28. und 32. SSW auf die Welt kamen, zeigte sich bei Frauen eine Fortpflanzungsrate von 59,2 Prozent (19 Prozent geringer) und bei Männern 38,6 Prozent (30 Prozent geringer). Frauen, die selber vorzeitig auf die Welt kamen, hatten daneben ein höheres Risiko, selber zu früh zu gebären. Ausserdem war bei diesen Frauen die Wahrscheinlichkeit für eine Totgeburt höher.

Quelle: G. K. Swamy, et al.: JAMA 299 (12), S.1429-1436, 2008.

Stand: 04/08, BH