Toxoplasmose - neue Strategie des BAG

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat mit einer Expertengruppe seine Strategie zur Eindämmung der angeborenen Toxoplasmose in der Schweiz überarbeitet. Es empfiehlt, auf das routinemässige Toxoplasmose-Screening zu verzichten und die Vorsorgemassnahmen zu verstärken. So sollen schwangere Frauen insbesondere auf den Genuss von rohem oder ungenügend gekochtem/gebratenem (blutigem) Fleisch verzichten, um die Ansteckungswahrscheinlichkeit mit dem Parasiten zu reduzieren.

Die Toxoplasmose ist eine Infektionskrankheit, die von einem mikroskopisch kleinen Parasiten verursacht wird. Endwirt dieses Parasiten sind Katzen, in deren Darm er sich vermehrt. Die Vorstadien des Parasiten werden mit dem Kot ausgeschieden und gelangen über Lebensmittel in andere Tiere, wo sie sich weiter vermehren und Zysten bilden. Für Erwachsene ist diese Infektionskrankheit meist harmlos. Wenn aber eine schwangere Frau angesteckt wird, kann die Infektion auch auf das ungeborene Kind übertragen werden. In seltenen Fällen kann dies beim Kind zu Augenentzündungen und Hirnschäden mit geistiger Behinderung führen.

Anders als in Frankreich und Italien ist der Toxoplasmose-Test in der Schweiz zwar nicht obligatorisch, wird aber von der Mehrzahl der Frauenärzte empfohlen. Über 90 Prozent der Schwangeren, so die Schätzung, werden getestet, die meisten mehrmals. Besteht der Verdacht, dass sich eine Schwangere frisch infiziert hat, wird sie deshalb unverzüglich mit einem Antibiotikum behandelt. Unter Fachleuten setzt sich aber immer mehr die Ansicht durch, dass das Toxoplasmose-Screening mehr Schaden als Nutzen bringt. Da Medikamente weder eine Übertragung auf das Kind noch Symptome beim Kind zu verhindern vermögen, sei laut BAG eine Diagnostik oder Therapie der Infektion während der Schwangerschaft nicht hilfreich.

Wichtiger sei, eine Infektion in der Schwangerschaft zu verhindern. Mit einfachen Verhaltensregeln kann sich nämlich jeder vor einer Infektion schützen. Zur Sicherheit sollten schwangere Frauen konsequent auf den Genuss von rohem (z.B. Tartarbrötchen) oder ungenügend gekochtem/gebratenem (blutigem) Fleisch (insbesondere Rind, Lamm, Geflügel oder Wild) verzichten, nach Küchen- und Gartenarbeiten die Hände gut waschen, Früchte und Gemüse vor dem Verzehr waschen und den Kontakt mit Katzenkot meiden.

Noch in den 1990er Jahren erachtete man die Toxoplasmose mit schätzungsweise 60 betroffenen Neugeborenen pro Jahr als ein relativ grosses Problem. Neuere Erhebungen zeigen aber, dass die Häufigkeit – auch dank bewusster Vorsorgemassnahmen der Schwangeren - weit geringer sein dürfte. Zwei jüngere Studien kamen zum Schluss, dass in der Schweiz mit etwa vier betroffenen Kindern pro Jahr zu rechnen ist.

Bei den Beweggründen für diesen Strategiewechsel stehen aber angeblich nicht ökonomische Überlegungen im Vordergrund. Wichtiger für den Entscheid, das Screening abzuschaffen, sei der fehlende Beweis, dass die Behandlung der Schwangeren wirklich nützt. Trotz über 2000 wissenschaftlichen Studien gebe es bis heute keine Belege dafür, dass Antibiotika die Infektion des Ungeborenen tatsächlich verhindern. Auch auf die Häufigkeit der anschliessenden Behinderungen scheinen Medikamente kaum Einfluss zu haben. Die Risiken des Screenings hingegen seien deutlich. „Man erzeugt viel Angst, wo es oft gar keine Gefahr gibt“, sagt Professor Patrick Hohlfeld, Chefarzt am Centre Hospitalier Universitaire Vaudois in Lausanne. Um zu beurteilen, ob das Ungeborene infiziert wurde, wird sogar oft eine Fruchtwasseruntersuchung vorgenommen. Diese geht mit einem kleinen, aber realen Fehlgeburtsrisiko einher.

Quelle: www.admin.ch

Stand: 12/08, BH