Dicke Luft macht Mittelohrentzündungen

Einen Zusammenhang zwischen Mittelohrentzündung bei Kindern und Luftschadstoffen aus dem Verkehr haben deutsche und niederländische Epidemiologen herausgefunden.
In zwei prospektiven Studien erhoben die Forscher in den Jahren 1997 bis 1999 Daten von 4.150 niederländischen Kindern und 670 Kindern aus Deutschland, und zwar auch schon vorgeburtlich während der Schwangerschaft.

Für jedes Kind wurden auf der Basis von Luftschadstoffmessungen individuelle Expositionen für ihr jeweiliges Wohnumfeld abgeschätzt, darunter Stickstoffdioxid, Russ-Kohlenstoff und Feinstäube. Beurteilt wurde z.B. die Anzahl der Strassen in der direkten Umgebung des Kindes und die Anzahl der Fahrzeuge, die die Strassen passieren. Im Zuge einer Befragung der Eltern erhielten die Wissenschaftler detaillierte Angaben zum Auftreten von Mittelohrentzündungen der beteiligten Kinder von Geburt bis zur Vollendung ihres zweiten Lebensjahres. Mögliche andere Risikofaktoren wie soziale Einflüsse, Allergien bei den Eltern oder Passivrauchbelastung wurden ebenfalls abgefragt.

Die Befragung der Eltern ergab, dass etwa jedes dritte Kind in den ersten zwei Lebensjahren mindestens einmal an einer Mittelohrentzündungen gelitten hatte. Sowohl bei der niederländischen als auch bei der deutschen Studienpopulation fanden die Wissenschaftler eindeutige Zusammenhänge zwischen dem Auftreten einer Mittelohrentzündung (Otitis media) und der Belastung der Kinder mit verkehrsabhängigen Luftschadstoffen. So hatten Kinder, die an besonders befahrenen Strassen wohnten, ein um 25% höheres Risiko für Ohrentzündungen.

Vermutet wird derselbe Zusammenhang zwischen Luftschadstoffen und Otitis wie zwischen Passivrauchen und Otitis: Eine erhöhte Luftschadstoffbelastung verursacht in den Atemwegen Entzündungen und schränkt die Funktionsfähigkeit der Flimmerhärchen in den oberen Atemwegen ein. Die Selbstreinigung der Atemwege ist gestört und damit die Anfälligkeit für Infektionen erhöht.

Luftschadstoffe aus dem Verkehr sind für viele Kinder eine allgegenwärtige und dauerhafte Belastungsquelle und Mittelohrentzündungen gehören zu den häufigsten akuten Infektionen bei Kleinkindern mit vielfältigen gesundheitlichen Spätfolgen.  Insofern haben diese Erkenntnisse weitreichende Bedeutung für die Risikobewertung der Feinstaubbelastung.

Quelle: M. Brauer et al.: Environmental Health Perspectives, 2006; 114, 9, S. 1414-1418.

Stand: 02/07, BH