Fördern Antibiotika die Asthma-Entstehung?

Es gibt immer mehr Beweise für einen Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Antibiotika in der frühen Kindheit und einer späteren Asthmaerkrankung. Eine Untersuchung an über 12'000 Kindern konnte zeigen, dass Säuglinge, die mit Antibiotika behandelt wurden, später doppelt so häufig an Asthma erkranken. Bei Kindern, die im ersten Lebensjahr einmal mit Antibiotika behandelt wurden, ist die Wahrscheinlichkeit für eine Asthmaerkrankung um das Doppelte erhöht. Erfolgten weitere Antibiotikagaben innerhalb des ersten Lebensjahres, war das Risiko noch höher.

Frühere Studien gingen davon aus, dass Antibiotika die Funktion des Immunsystems beeinflussen. Experten nehmen an, dass auch nutzbringende Bakterien im Darm abgetötet werden. Dies könnte sich auf die Fähigkeiten der Immunabwehr auswirken.

Die Forscher überprüften die Ergebnisse von acht Studien. Alle diese Studien verglichen Kinder mit mindestens einer Antibiotikum-Behandlung im ersten Lebensjahr mit solchen, die kein Antibiotikum innerhalb des ersten Lebensjahres bekamen. Von den 12'082 teilnehmenden Kindern erkrankten 1'817 an Asthma. Bei den Kleinkindern, die zumindest ein Antibiotikum erhielten, stieg die die Wahrscheinlichkeit für eine Asthmaerkrankung um das Doppelte.

In einem zweiten Teil der Studie wurde untersucht, ob weitere Antibiotikabehandlungen im ersten Lebensjahr das Risiko für eine Erkrankung noch weiter erhöhen. Dafür wurden die Daten von fünf Studien mit insgesamt 27’167 Kindern analysiert. Resultat: Jede zusätzliche Behandlung mit Antibiotika während des ersten Lebensjahres erhöhte die Wahrscheinlichkeit einer Asthma-Erkrankung noch zusätzlich.

Fawziah Marra, eine der Studienleiter, betonte, dass nicht jede Infektion im Kindesalter mit einem Antibiotikum behandelt werden müsse. Die derzeitigen Richtlinien gehen davon aus, dass Kinder unter zwei Jahren bei einer Infektion der Ohren ein Antibiotikum erhalten sollen. Der Grossteil der Infektionen der oberen Atemwege und Bronchien würden durch Viren ausgelöst. Antibiotika seien in diesen Fällen nicht wirksam.

Quelle: Marra, F. et al.: Chest 2006;129; S. 610-618