Röteln-Zunahme gefährdet Schwangere

In den letzten Jahren schienen die Röteln in der Schweiz praktisch ausgemerzt: Zwischen 2003 und 2005 wurde nur ein einziger Fall in einem Labor bestätigt. Im ersten Halbjahr 2006 nahm die Zahl der laborbestätigten Fälle stark zu. Hochgerechnet geht das BAG (Bundesamt für Gesundheit) von bisher rund 150 Erkrankungen in diesem Jahr für die gesamte Schweiz aus.

Im Juni 2006 wurde zudem ein Rötelnfall bei einer 20-jährigen schwangeren Frau, die nicht geimpft war, bestätigt. Sie verlor dabei ihr Kind durch eine spontane Fehlgeburt. Es ist erst der dritte derartige Fall in der Schweiz seit 1999, als für Röteln während der Schwangerschaft eine Meldepflicht eingeführt wurde. Das Bundesamt für Gesundheit spricht von einem Warnsignal und empfiehlt jungen Frauen, sich vor einer Schwangerschaft impfen zu lassen.

Das BAG erachtet die aktuelle Durchimpfungsrate von rund 85 Prozent in der Schweiz als ungenügend. Die Viruszirkulation könne zwar niemals vollständig unterbrochen werden. Auslöser seien jeweils vom Ausland eingeschleppte Rötelnviren. Damit aber auch nicht immune junge Frauen vor Röteln geschützt wären, müssten laut BAG mindestens 87 Prozent der 2-jährigen Kinder geimpft sein. Das BAG rät deshalb, Kinder zwischen zwei Monaten und zwei Jahren nach Impfplan gegen Diphterie, Starrkrampf, Haemophilus influenza (Hirnhaut- und Kehlkopfentzündung), Keuchhusten, Kinderlähmung, Masern, Mumps und Röteln impfen zu lassen.

In Spanien oder den USA etwa liegt die Durchimpfungsrate bei über 95 Prozent. Die tiefere Schweizer Rate begründet das BAG mit der kritischen Haltung verschiedener Eltern dem Impfen gegenüber. Für die Vermutung, Kinderkrankheiten härteten ab, gebe es keine wissenschaftlichen Belege. Mit solch einem Irrglauben würden Impfgegner nicht nur ihr eigenes Kind gefährden, sondern auch Schwangere.

An Röteln erkranken in erster Linie Kinder zwischen dem dritten und dem zehnten Lebensjahr. Die Krankheit, die sich durch schmetterlingsförmige Rötungen am ganzen Körper und durch leichtes Fieber bemerkbar macht, verläuft bei ihnen meist ohne Komplikationen. Gefährlich sind die Röteln bei Schwangeren: Sind die Frauen durch Impfung oder eine frühere Erkrankung nicht immun, können Röteln beim Ungeborenen zu unterschiedlich schweren Fehlbildungen, zu einem Abort oder einer Frühgeburt führen. Aus diesem Grund gab das BAG 2005 an die Frauenärzte die Empfehlung ab, junge Frauen unbedingt vor der Schwangerschaft gegen Röteln zu impfen. Nebenwirkungen treten dabei sehr selten auf. Nicht immune Frauen, die bereits schwanger sind, sollten sich beim Gynäkologen über Krankheitsfälle in der Region zu informieren und Kontakte mit Kranken zu meiden.

BAG-Infoline: 0844 448 448
www.sichimpfen.ch

Stand: 08/06, BH