Zu hohe Feinstaub-Belastung:
Was bedeutet dies für die Kleinsten und Schwangere?

In der Schweiz sterben jährlich 3700 Personen frühzeitig an den Folgen der Luftverschmutzung. Feinstaub ist die Hauptursache. Solche Medienmitteilungen waren in den letzten Wochen und Tagen immer wieder zu lesen. Im Moment ist kein Regen angesagt, d.h. die Feinstaubbelastung wird auch nicht merklich abnehmen. Der Kanton Zug führte als erster Tempo-Limiten (Tempo 80) auf allen Autobahnen ein. Kurz darauf meldeten die Zentralschweizer Kantone, die Kantone des Mittellandes so wie Zürich, Baselland und Solothurn ebenfalls eine Temporeduktion für die Dauer von einer Woche. Bundesrat Leuenberger empfiehlt Temporeduktionen in allen schwer belasteten Agglomerationen. Am Sonntag, den 5. Februar 2006, sollte möglichst auf das Auto verzichtet werden. Längerfristige Massnahmen und eine Lösung auf Bundesebene werden aber nicht zu umgehen sein.

Solche Medien-Mitteilungen verunsichern Schwangere und Eltern. Was ist daran wahr? Was ist zu tun?

Sicher ist: Gut 40 Prozent der Bevölkerung im Inland sind einer zu hohen Feinstaubbelastung ausgesetzt. Dies vor allem die Stadtbevölkerung. Jeder Atemzug versorgt unseren Körper mit Sauerstoff. Stark verschmutzte Atemluft beeinträchtigt verschiedene Körperfunktionen, begünstigt eine Vielzahl von Krankheiten und führt im schlimmsten Fall zum frühzeitigen Tod. Der Bundesrat hat zum Schmutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt in der Luftreinhalte-Verordnung LRV für verschiedene Substanzen Grenzwerte festgelegt, die nicht überschritten werden sollen. Grundlagen dazu sind wissenschaftliche Ergebnisse einer Vielzahl von Studien. Trotz beträchtlicher Fortschritte in den letzten zwei Jahrzehnten werden die Immissionsgrenzwerte beim Feinstaub, Stickstoffdioxid (NO2) und Ozon heute aber immer noch überschritten. Am meisten Sorge bereiten die Feinstaubpartikel mit einem Durchmesser von weniger als 10 Mikrometer, die auch als PM10 bekannt sind. Gröbere Stäube können bereits in der Nase aus dem Luftstrom ausgefiltert werden oder sich im Rachen ablagern. Die kleineren Partikel gelangen aber in die Luftröhre, Bronchien und Bronchiolen. Dort verursachen sie entzündliche Prozesse, was vor allem die Immunabwehr von Risikogruppen, wie Kranken, Kindern und älteren Menschen einem Dauerstress aussetzt. Dieser permanente Reiz durch Husten und Auswurf verengt die Atemwege und kann zu Asthma, Bronchitis und Atemnot führen. Je höher die Schadstoffbelastung der Luft, desto kürzer sind die beschwerdefreien Phasen. Kinder an Wohnorten mit zunehmenden Feinstaub- und Stickoxidgehalten leiden häufiger an Infektionskrankheiten der Atemwege wie akute Bronchitis, Grippesymptomen und chronischem Husten.

Neuere Erkenntnisse zeigen, dass Feinstpartikel auch ins Gewebe eintreten können, sowie in Zellen und sogar in den Zellkern, welcher die Erbsubstanz enthält. Von dort gelangen die Feinstpartikel auch in die Blutbahn, wo sich das Fliessverhalten des Blutes verändern kann, und werden so im ganzen Organismus verteilt. Die Liste der gesundheitlichen Auswirkungen umfasst nicht nur Erkrankungen der Atemwege, sondern auch Herz-Kreislaufbeschwerden. Leider hat dies auch negative Auswirkungen auf die Säuglingssterblichkeit. Dieselruss ist eine besonders giftige Komponente der Feinstaubmischung. Diese kleinen Russpartikel sind Krebs erregend. Sie dürfen für den grössten Teil der durch die Luftverschmutzung verursachten Lungenkrebsfälle verantwortlich sein. Eine wirksame Gegenmassnahme dazu bieten die Partikelfilter, über die gegenwärtig politisch breit diskutiert wird. Auch das Verbrennen von Forst- und Gartenabfällen schädigt die Gesundheit. Kompostieren dagegen verursacht keinen Feinstaub. Holzfeuerungen, d.h. Holzheizungen, Kleinöfen und Cheminées blasen sehr viel Feinstaub in die Atmosphäre.

Leider ist es nicht gut möglich, dem Feinstaub wirklich zu entrinnen. Schwangere und Kleinkinder sollen Spaziergänge entlang stark befahrenen Strassen vermeiden. Joggen sollte man momentan lieber sein lassen und den Hometrainer bevorzugen. Ein Aufenthalt in den Bergen oder in nebelfreien Gebieten ist eine gute Alternative. Und doch liegt es an jedem Einzelnen etwas gegen Feinstaub im Alltag zu tun. Hier die Tipps vom Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL):

     

    • Wählen Sie beim Kauf eines Diesel-PW unbedingt ein Modell mit Partikelfilter.
    • Sie verursachen keinen oder wenig Feinstaub, wenn Sie zu Fuss gehen, mit dem Velo unterwegs sind oder den öffentlichen Verkehr benutzen.
    • Vermeiden Sie beim Lenken eines Motorfahrzeuges abrupte Brems- und Beschleunigungsmanöver im Strassenverkehr, weil diese den Abrieb von Reifen, Bremsen und Strassenbelägen verstärken. Auch ein möglichst geringes Fahrzeuggewicht und der richtige Reifendruck vermindern die PM10-Emissionen.
    • Verbrennen Sie keine Abfälle oder feuchtes Holz, weder im Cheminée noch im Freien
  • Offene Cheminées können in Wohnungen zu hohen Russbelastungen führen. Geschlossene Holzöfen – auch solche mit einer Glasfront – verursachen weniger Russ.

Hier finden Sie die aktuellen Feinstaubwerte.

Quelle: "Feinstaub macht krank" vom Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft BUWAL

Stand: 02/06, AS