Bald hormonelle Verhütung für den Mann?

Bis jetzt liegt die Verantwortung der Empfängnisverhütung noch überwiegend bei Frauen. Die gängigen Verhütungsmittel für den Mann sind entweder nicht zuverlässig genug, wie Kondome, oder nicht umkehrbar, wie die Vasektomie (Unterbindung der Samenstränge). Die Pille für den Mann, welche die Spermienproduktion durch die männlichen Hormone Androgen und Progestogen unterdrücken soll, ist deshalb seit Jahrzehnten ein Dauerthema. Jetzt hat es offenbar geklappt.

Der Pharmakonzern Schering hat gerade einen umfassenden klinischen Test mit einer neuen Verhütungsmethode an 350 Männern abgeschlossen. So funktioniert sie: Ein Implantat bringt ein ganzes Jahr lang die körpereigene Produktion von Testosteron zum Erliegen. Alle drei Monate kriegen die Männer zudem eine genau berechnete Dosis künstliches Testosteron gespritzt. Die lästige tägliche und pünktliche Einnahme von Pillen ist damit nicht nötig.

Auch zwei Studien des Los Angeles Biomedical Research Institute und der Universität Sydney kamen zu demselben Ergebnis: Sie verglichen verschiedene Arten von hormonellen Verhütungsmitteln für den Mann, sowohl die Testosteron-Pille als auch Hormon-Pflaster und -Spritzen.

Erste Daten zeigen: Bei 90 Prozent der Männer ist die Verhütungsmethode erfolgreich. Sie senkt die Spermienzahl schon nach 6 Wochen so drastisch, dass die Männer zwar noch Sex haben, aber keine Kinder mehr zeugen können. Ein weiterer Vorteil: Die Verhütungsmethode macht den Mann nicht für immer zeugungsunfähig. Ein paar Monate nach Behandlungsende sind die Spermien in der Regel wieder in der normalen Anzahl und befruchtungsfähig. Nebenwirkungen gibt es praktisch nicht.

Es geht nun vor allem darum, die richtige Dosis zu finden, um Wirksamkeit und Verträglichkeit zu gewährleisten. Danach haben die Zulassungsbehörden das Wort. Mit einer Einführung der Methode ist daher nicht vor 2010 zu rechnen.

Quellen: www.schering.de
P. Liu et al.: Lancet 2006; 367 ; S. 1412-1420

Stand. 05/06, B.H.