Mehr misshandelte Kinder im letzten Jahr

Die Kinderschutzgruppe des Kinderspitals Zürich hat im vergangenen Jahr eine deutliche Zunahme schwer misshandelter Säuglinge und Kleinkinder registriert. Gegenüber 5 im Vorjahr mussten 2005 13 wegen schweren Verletzungen behandelt werden. Dabei wurden zum Teil lebensbedrohliche Verletzungen festgestellt. Zwei der 13 Kinder seien aufgrund Misshandlung sogar gestorben.

Das Durchschnittsalter der misshandelten Kleinkinder und Säuglinge betrug 9 Monate, der jüngste behandelte Säugling war erst drei Wochen, das älteste Kleinkind 4 Jahre alt. Betroffen waren zehn Knaben und drei Mädchen. Die Schutzgruppe, die im Grossraum Zürich bei Misshandlungen aktiv wird, musste dabei schwerste Verletzungen feststellen: Diese reichten von Hirnschädigungen durch Schütteltrauma (5 Kinder) über Verbrühungen (3 Kinder), Schädelbrüche (2 Kinder), Knochenbrüche, Hirnblutungen bis zu inneren Verletzungen im Bauchraum eines Kleinkindes, das aus dem Fenster geworfen wurde. Bei den meisten der betroffenen Kleinstkindern müsse mit bleibenden Schäden gerechnet werden. Alle hätten sich in der Obhut ihrer Eltern befunden, als sie die schweren Verletzungen erlitten. Als Grund der Misshandlungen orten die Fachleute schwere Überforderung der Eltern, die mit ihren Kindern in einen Teufelskreis gerieten.

Insgesamt musste sich die Kinderschutzgruppe im letzten Jahr mit 396 Fällen tatsächlicher oder nur vermuteter Misshandlung von Kindern und Jugendlichen im Grossraum Zürich beschäftigen (Vorjahr 458). In 39 Fällen bestand 2005 eine Risikosituation, wo durch geeignete Massnahmen eine Misshandlung erfolgreich verhindert werden konnte.

Ulrich Lips von der Kinderschutzgruppe entnimmt der Schweizerischen Statistik der Schütteltraumata, dass es auch in anderen Landesregionen zu mehr schweren Misshandlungen von Kleinkindern durch überforderte Eltern kommt. Dies sei nicht nur ein Zürcher Phänomen. Seit der gesamtschweizerischen Erhebung ab Mitte 2002 habe es in den letzten Jahren jährlich 5-10 Fälle von schwerem Schütteltrauma gegeben.

Quelle: Medienmitteilung Kinderspital Zürich Kinderschutzgruppe und Opferberatungsstelle, 12. Januar 2006.

Stand: 01/06, BH