Ultraschall – Risiko für Ihr Baby?

Amerikanische Neurobiologen von der Yale University haben aus Untersuchungen an Mäusen geschlossen, dass die vorgeburtliche Ultraschalldiagnostik möglicherweise die Hirnentwicklung von ungeborenen Kindern beeinträchtigt.

Um die Wirkung der Ultraschalldiagnostik zu testen, haben die Neurobiologen die Gehirne 16 Tage alter Mäuseembryonen zwischen 5 und 420 Minuten lang den Schallwellen eines gängigen Sonographiegeräts ausgesetzt. Der Zeitpunkt der Beschallung wurde bewusst gewählt, weil in diesem Entwicklungsabschnitt die neu gebildeten Nervenzellen zur Hirnrinde wandern und hier ihren vorbestimmten Platz einnehmen. Beim Menschen geschieht das etwa im 3. bis 5. Schwangerschaftsmonat. Diese Phase gilt als besonders heikel, da schädliche Umwelteinflüsse die korrekte Anordnung der Nervenzellen behindern und folglich bleibende Defekte hervorrufen können.

Das Ergebnis im Mäuse-Experiment: Bis zu einer Anwendung von 30 Minuten liessen sich keine gesundheitlichen Konsequenzen erkennen. Bei längerer Beschallung kam es jedoch vermehrt zu Störungen. So blieben die neuen Nervenzellen teilweise auf halber Strecke «hängen» oder liessen sich an der falschen Stelle in der Hirnrinde nieder.

Ob sich die tierexperimentellen Ergebnisse tatsächlich auf den Menschen übertragen lassen, ist jedoch mehr als fraglich. Denn aus einer Reihe von Gründen besitzen sie nur begrenzte praktische Bedeutung. So waren die nach der Beschallung auftretenden Hirnreifungsstörungen nur schwach ausgeprägt. Die Auffälligkeiten traten zudem auch bei vielen der nicht beschallten Mäuse auf, wenn auch seltener. Darüber hinaus bestand keine eindeutige Abhängigkeit zwischen Dosis und Wirkung - hohe Schallmengen brachten die Organisation der Nervenzellen teilweise weniger aus dem Lot als geringere. Ohne eine klare Dosis-Wirkung-Beziehung lässt sich ein Zufallsbefund in wissenschaftlichen Studien aber nie mit Sicherheit ausschliessen.

Vor zwei Jahren zeigte eine im Fachmagazin The Lancet publizierte grosse klinische Studie, dass Ultraschallwellen keinen ungünstigen Einfluss auf die körperliche und die geistige Entwicklung von Kindern haben. Über einen Zeitraum von acht Jahren wurden rund 5000 Knaben und Mädchen untersucht, die im Mutterleib unterschiedlich intensiv beschallt worden waren.

Was bedeutet diese neue Untersuchung nun für werdende Eltern? Relativ wenig, meinen die Fachleute. Die Gehirne der Mäuseembryonen waren bis zu sieben Stunden lang ununterbrochen den Schallwellen ausgesetzt - demgegenüber werden bei einer vorgeburtlichen Untersuchung die verschiedenen Körperregionen des ungeborenen Kindes immer nur kurzfristig angepeilt. Nach bisherigem Kenntnisstand bedeutet die vorgeburtliche Sonographie kein Risiko für das ungeborene Leben. Dennoch sollten Frauenärzte immer vorsichtig sein und die Untersuchung jeweils nur auf die zur Diagnostik nötige Zeit beschränken.

Quelle: Proceedings of the National Academy of Sciences, Online- Publikationen (doi: 10.1073/pnas.0605294103)

Stand: 08/06, BH