Spermien haben eine empfindliche Nase

Nicht nur mit der Nase reagiert eine Maus äusserst empfindlich auf chemische Signale. Amerikanische Forscher haben mit Hilfe einer Teststrecke für Samenzellen bestätigen können, dass Mäusespermien auch dann noch auf Extrakte aus Eierstöcken ansprechen, wenn diese hunderttausendfach verdünnt worden sind.

Zwar wisse man seit langem, dass sich Spermien auf dem Weg zur Eizelle von ihrer "Nase" leiten liessen, erläutert der Studienleiter Stephen Jacobson von der Indiana University in Bloomington, USA. Über die entsprechenden Signalstoffe sei jedoch nur wenig bekannt. Die neue Technik könne bei der systematischen Erforschung dieses Bouquets und vielleicht auch bei der Diagnose von Fruchtbarkeitsproblemen helfen, so der Chemiker.

Die von Jacobson und seinem Team ersonnene Teststrecke besteht aus einem Plastikchip, auf dem drei feine Flüssigkeitsströme in einem dünnen Kanal nebeneinander fließen, ohne sich zu mischen. Auf diese Weise erzeugten die Forscher einen Strom einer Spermienlösung, der von unterschiedlich stark verdünnten Eierstockextrakten auf der einen und einer Kontrolllösung auf der anderen Seite flankiert wurde. Per Mikroskop beobachteten sie, dass die Samenzellen quer zum Strom dem Eierstockextrakt entgegen schwammen.

Laut Jacobson weist der Mikrofluidikchip mehrere Vorteile gegenüber herkömmlichen Testverfahren auf. Einerseits gestatte er klare Aussagen darüber, ob eine Substanz tatsächlich als Lockstoff für Spermien fungiere oder nur deren Beweglichkeit beeinflusse. Zudem könnten damit auch beliebige andere Zelltypen studiert werden, die sich chemotaktisch, entlang von chemischen Konzentrationsgradienten orientierten.

Quelle: S. Koyama et al.: Analytical Chemistry, Vol. 78 (10), S. 3354-9, DOI 10.1021/ac052087i

Stand: 06/06, BH