Zimtsterne: Aber sicher!

Tägliche Meldungen zum Gesundheitsrisiko durch belasteten Zimt verunsichern zurzeit die Verbraucher und trüben die vorweihnachtliche Stimmung. Das Bundesamts für Gesundheit (BAG) in Bern hat Zurückhaltung im Verzehr von zimthaltigen Weihnachtsguetzli empfohlen. Als Vorsichtsmassnahme empfiehlt das BAG, sich ausgewogen zu ernähren und industriell hergestelltes Weihnachtsgebäck und andere zimthaltige Lebensmittel massvoll zu geniessen. Kinder sollten pro Tag nur eine Portion zimthaltige Lebensmittel essen. Als 1 Portion gelten zum Beispiel 4 Zimtsterne, 1 kleiner Lebkuchen (30 g), 2 zimthaltige Müesliriegel oder 1 Teller zimthaltiges Müesli (75g).

Warum? Der darin enthaltene Aromastoff Cumarin kann bei sensiblen Menschen die Leber schädigen, wenn cumarinhaltige Produkte über einige Wochen konsumiert werden. Leberentzündungen, eventuell sogar eine leichte Gelbsucht, die jedoch heilbar ist, können die Folge sein. 

Der Schweizerische Bäcker-Konditorenmeister-Verband (SBKV) empfindet die negative Informationsflut des BAG zum Thema Zimt aber als Panikmache: Den Behauptungen des BAG zur Schädlichkeit von Zimtguetzli liegen keine seriösen Untersuchungen zugrunde. Denn offiziell gibt es keine wissenschaftlich fundierte Untersuchung über eine mögliche Schädlichkeit des Zimts für den Menschen. Rund 99 Prozent der Bevölkerung können sogar das Hundertfache des vom BAG angegebenen Grenzwerts völlig problemlos verkraften. Nur etwa 1 Prozent der Bevölkerung reagiert auf Zimt mit Gesundheitsproblemen. Diese Zahlen gelten zudem nur für industriell hergestellte Produkte. Wer zimthaltige Guetzli in der Bäckerei kauft oder selber bäckt, braucht sich über die verzehrten Mengen nicht den Kopf zu zerbrechen. Denn der vorwiegend in Bäckereien und im Haushalt verwendete Zimt enthält nur geringste Mengen Cumarin.

Zur Erklärung: Zimt wird aus der Innenrinde des Zimt-Baumes gewonnen. Je nach Herkunft und Art unterscheidet sich das Gewürz aber zum Teil erheblich in seiner Zusammensetzung. Der so genannte echte oder Ceylon-Zimt enthält lediglich unbedenkliche Spuren an Cumarin. Dagegen weist der billigere Cassia-Zimt (beispielsweise China- oder Padang-Zimt) teilweise hohe Cumaringehalte auf.

Wie aber kann man Ceylon- von Cassia-Zimt unterscheiden? Bei Zimtpulver ist dies für den Verbraucher nicht möglich. Auch auf die Hersteller-Angaben kann man sich – falls vorhanden – nicht unbedingt verlassen. Anders bei Zimtstangen: Eine Ceylon-Zimt-Stange ähnelt im Querschnitt einer angeschnittenen Zigarre – mit mehreren feinen Rindenlagen. Hingegen wird bei Cassia-Zimt nur eine relativ dicke Rindenschicht zu einem Röllchen eingerollt. Eine gute Bezugsquelle für Zimtstangen ist die Apotheke. Empfehlenswert ist es auch, Zimt-Stücke oder -stangen am besten erst kurz vor dem Gebrauch in einem Mörser zu pulverisieren:

Der SBKV weist darauf hin, dass jeder Wirkstoff bei einer zu hohen Konzentration gesundheitliche Nebenwirkungen auslösen kann – man denke dabei an Salz, Zucker oder Koffein. Zimt aber vermag sogar zu heilen: Unter Diabetikern gilt Zimt als Medikament, das zur Normalisierung des Blutzuckerspiegels helfen kann. Gerne beantwortet der Schweizerische Bäcker-Konditorenmeister-Verband Fragen zum Thema Zimt, die per E-Mail an info@remove-this.swissbaker.ch gerichtet werden.

Das Bundesamt für Gesundheit hat die Situation in der Schweiz daraufhin abgeklärt und die Vollzugsorgane angewiesen, industriell hergestellte Lebensmittel mit zu hohem Cumarin-Gehalt vom Markt zu nehmen.

Stand: 12/06, BH