Präventionskonzept:  Keine Gewalt gegen Kinder

Auch in der Schweiz werden Kinder geschlagen, vernachlässigt und missbraucht. Oft sind sie das Opfer von Eltern, Verwandten und Bekannten, seltener von Fremden, von Pädophilen oder kriminellen Netzen. Körperstrafen an Kindern und erniedrigendes oder entwürdigendes Verhalten gegenüber Kindern sollen nun endlich auch in der Schweiz gesetzlich verboten werden. Die Forderung nach einem "Mentalitätswandel in Bezug auf Gewalt" erhebt eine 151 Seiten starke Studie, welche die Zentralstelle des Bundes für Familienfragen (Bundesamt für Sozialversicherung BSV) ausgearbeitet hat.

Das jetzt veröffentlichte Präventionskonzept reicht von gesetzgeberischen Schritten über eine bessere Ausbildung der mit Kindern arbeitenden Fachleute bis hin zu Massnahmen zur Unterstützung von Eltern, Kindern und Familien. Unter anderem regt die Studie eine "Kinderverträglichkeitsprüfung" für öffentliche Vorhaben an. Instanzen und Verbände, die sich gegen die Gewalt an Kindern einsetzen, soll der Bund finanziell unterstützen. Auch soll eine frühzeitige Vorbereitung auf die Elternschaft gefördert werden. Von den Gemeinden wird unter anderem erwartet, dass sie das Gemeinschaftsleben in den Quartieren fördern. Auch die Arbeitswelt schliesslich soll kinderfreundlicher werden: Das Konzept verlangt familiengerechte Arbeitszeiten, eine gerechte Verteilung der Erwerbsarbeit und ein Einkommen, das nicht unter der Armutsgrenze liegt.

Ausserdem soll auf Bundesebene eine "Schweizerischen Fachstelle für die Prävention von Kindesmisshandlung" geschaffen werden. Diese Stelle soll für Aus- und Weiterbildung, für Forschung und für Öffentlichkeitsarbeit zuständig sein. Landesweit soll der Bund Informations- und Aufklärungskampagnen durchführen und im Kampf gegen Sextourismus, Pädophilie und Pornographie arbeiten. Die Gewaltprävention werde nicht gratis sein, hält die Studie fest. Mit ihr könne aber auch viel Geld eingespart werden, weil die Folgekosten der Gewalt an Kindern für Therapie, Polizei, Gerichte, Strafvollzug, Sozialhilfe, Beratung, Opferhilfe immens seien.

Quelle: www.bsv.admin.ch

Stand: 11/05, BH