Vogelgrippe: Was müssen Sie wissen?

Das Vogelgrippe-Virus hat nun auch Südost-Europa erreicht. Besonders betroffen sind Hühner, Puten, Gänse, Enten und wildlebende Wasservögel. Natürlich machen sich alle werdenden und jungen Eltern nun Sorgen, inwiefern sie sich selbst und ihre Familie vor einer Infektion schützen können. Hier die Antworten auf die häufigsten Fragen:

Können Menschen an Vogelgrippe erkranken? Obwohl die Vogelgrippe eigentlich eine Tierseuche ist, gibt es selten eine Übertragung der Vogelgrippeviren vom Tier auf den Menschen. Das Virus findet sich in den Atemwegssekreten der Vögel. Die Übertragung auf den Menschen geschieht vermutlich durch das Einatmen virushaltiger Staubteilchen, das heisst nur durch engen Tierkontakt, mangelnde Hygiene und bei hohen Temperaturen und starker Luftfeuchtigkeit. Bei einigen wenigen Fällen soll die Übertragung durch den Verzehr von rohen Geflügelgerichten erfolgt sein. Weltweit sind bisher knapp über 100 Fälle von Vogelgrippe beim Menschen bekannt geworden – ausschliesslich im asiatischen Raum. Sollte die Vogelgrippe bei Tieren in der Schweiz nachgewiesen werden, wären demnach vor allem Geflügelzüchter gefährdet.

Da sich Grippeviren konstant verändern, um überleben zu können, befürchten Gesundheitsexperten allerdings eine Mutation im Erbgut des Vogelgrippe-Erregers. Damit wäre die Übertragung des Virus von Mensch zu Mensch möglich und die Erkrankung könnte sich rasant verbreiten. Wie bei der „normalen“ Grippe (Influenza) wären dann immungeschwächte Personen, also Alte und chronisch Kranke, aber in geringerem Masse auch Schwangere und junge Säuglinge gefährdet.

Wie würde sich die Vogelgrippe beim Menschen bemerkbar machen?

Die Beschwerden bei der Vogelgrippe sind denen bei einer „normalen“ Grippe recht ähnlich. Die Erkrankung beginnt etwa zwei bis fünf Tage nach der Ansteckung und verläuft unter Ausbildung der typischen Symptome wie Fieber, Kopf- und Halsschmerzen, Husten und Gliederschmerzen. Auch zu einer Lungenentzündung kann es kommen. Darüber hinaus werden Durchfall, Übelkeit und Bauchschmerzen beobachtet. In schweren Fällen führt die Erkrankung zum Lungenversagen. Etwa die Hälfte der mit dem Virus infizierten Personen stirbt an den Folgen.

Wie kann man sich vor der Vogelgrippe schützen?

Ein Impfstoff gegen die Vogelgrippe steht bislang nicht zur Verfügung. An verschiedenen Instituten wird aber bereits nach einem solchen Serum geforscht. Die Schutzimpfung gegen Grippe (Influenza) schützt nicht vor der Vogelgrippe.

Der derzeit vermutlich beste verfügbare Schutz bezüglich der Vogelgrippe ist das Influenza-Präparat Tamiflu® (Wirkstoff Oseltamivir). Voraussetzung für den Erfolg der Behandlung einer grippalen Erkrankung ist die frühstmögliche Einnahme des Medikamentes. Die Reserven von Tamiflu® sind in den Spitälern der Schweiz gross genug, um Personen mit Vogelgrippe-Verdacht zu behandeln. Es besteht kein Grund für eine individuelle Bevorratung!

Und Achtung: Da die von einer Grippe verursachten Krankheitssymptome auch von ganz anderen (und damit anders zu behandelnden) Erregern ausgelöst werden können, muss eine sichere Grippediagnose vom Arzt gestellt werden. Eine unsachgemässe Verwendung könnte schwerwiegende Folgen haben, denn  die Einnahme von Tamiflu® kann mit schweren Medikamentennebenwirkungen einhergehen.

Sollten sich Schwangere jetzt gegen Grippe (Influenza) impfen lassen?

Die Grippe-Schutzimpfung ist auch in der Schwangerschaft erlaubt. Sie ist jedoch keine Krankenkassenleistung, weil Schwangere nicht zur Hochrisikogruppe gehören. Diese besteht aus Personen, die älter als 65 Jahre sind, und Erwachsenen und Kindern mit einer schweren Grunderkrankung bzw. in regelmässiger medizinischer Betreuung. Neu sind in diesem Jahr Personen mit beruflichem Geflügelkontakt hinzugekommen. Der Grund: Eine gefährliche Mutation des Vogelgrippe-Virus wäre vor allem in einer Person denkbar, die gleichzeitig vom Vogelgrippevirus und vom „normalen“ Grippevirus angefallen wird. Um eine gleichzeitige Erkrankung zu verhindern, die theoretisch den Beginn einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung bedeuten könnte, ist die Grippeschutzimpfung wichtig.

Sollte man auf Pouletfleisch oder Eier derzeit besser verzichten?

Nein, sicher nicht. Helles Fleisch vom Poulet enthält hochwertiges, mageres Eiweiss und Eier viele Vitamine und Mineralstoffe. Beides sollte jedoch grundsätzlich immer gut durchgegart auf den Tisch kommen, denn beim Erhitzen auf mindestens 70°C werden die Viren zerstört.

Stand: 31.10.2005, BH