Vergiftungen bei Kinder im Jahr 2004 in der Schweiz - Zahlen des Schweizerischen Toxikologischen Informationszentrums (TOX)

Vergiftungen bei Kindern sind häufig. Meistens wird ein Gift (Toxin) über den Mund aufgenommen. Betroffen sind am häufigsten Kinder im Vorschulalter. Denn am gefährlichsten ist die Zeitspanne, in der Kinder motorisch schon so weit fortgeschritten sind, dass sie aus Neugier gerne ihre Umgebung entdecken möchten, aber noch nicht verstehen, welchen Gefahren sie sich dabei aussetzen. Schränke, Schubladen werden geöffnet, Fensterbänke erkundet und dabei geraten den Kleinsten oftmals für sie sehr gefährliche Gegenstände und Flüssigkeiten in die Finger.

Bei mehr als der Hälfte der Vergiftungsfälle in der Schweiz waren Kinder betroffen, nämlich 12'356. Dabei sind die Kinder unter fünf Jahren mit fast 9'500 Fällen am meisten betroffen gewesen. Zwischen 6 und 13 Jahren sind die Kinder am wenigsten gefährdet. Dann steigt das Risiko einer Vergiftung wieder deutlich an, das Maximum der Kleinkinder wird aber nicht erreicht.

Im Jahr 2004 waren 51.3% der Kinder mit Giftkontakt betroffen, davon waren 40% der Fälle ohne und 60% der Fälle von einer potentiellen Gefährdung betroffen. Von den Rückmeldungen über den Verlauf (24% der Fälle) blieben 47% der Kinder ohne Symptome, 41.4% hatten leichte Symptome, die in der Regel keine Behandlung benötigten. Bei immerhin 8.4% der Fälle traten mittelschwere Symptome auf, und 2.3% erlitten einen schweren Verlauf, der ausnahmslos eine ärztliche Behandlung notwendig werden liess. Glücklicherweise war im Jahr 2004 keine tödliche Kindervergiftung zu verzeichnen.

Medikamente verursachen eine nicht zu verachtende Gefährdung für Kleinkinder: Psychopharmaka, Chininderivate, Opiate, orale Antidiabetika, Theophyllin u.a. rezeptpflichtige Wirkstoffe sind da zu erwähnen. Aber auch Paracetamol (gegen Schmerzen und Fieber), was in fast jeder Haushaltung anzutreffen ist, Eisenpräparate, Hustensäfte (hier z.B. Dextrometorphan) oder Kampfer (Erkältungsprodukte) sind als gefährlich einzustufen.

Pflanzen bilden immer wieder ein Gefahrenpotential: Im Sommer und Herbst häufen sich beim TOX-Zentrum Anrufe wegen den farbigen und saftigen Früchten und Beeren, die verlockend für die Kleinsten sind. Meist essen die Kinder die farbigen Pflanzenteile, wie Beeren, die zum Glück weniger giftig sind als andere Pflanzenteile. Schoten des Blauregens (Wisteria sinensis) oder rohe Bohnen führten dabei z.B. zu mittelschweren Vergiftungen. Goldregen (Laburnum anagyroides) führte bei einem Kind zu einem schweren Verlauf der Vergiftung. Auch die Einnahme oder Berührung von Zimmerpflanzen kann unter Umständen zu starken Reaktionen führen. Unter www.toxi.ch stellt das TOX- Zentrum verschiedene Listen von giftigen und harmlosen Pflanzen zur Verfügung.

Auch Pilze wirken oft anziehend für Kinder. Hier gilt, wie bei den meisten Pflanzen: Die überwiegende Mehrheit ist harmlos oder mässig giftig. Die meisten ungeniessbaren Pilze führen zu starkem, andauernden Erbrechen oder heftigem Durchfall. Hier war im 2004 nur eine sehr schwer verlaufenden Pilzvergiftung bei einem Kind zu verzeichnen. Neben dem bekannten grünen Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) enthalten aber auch einige Schirmlinge und Gift-Häublinge Amatoxine, die solche Vergiftungen verursachen. Diese Pilze findet man für Kinder leicht zugänglich an Wegrändern oder vereinzelt im Rasen. Hier kann die sofortige Einnahme eines Aktivkohlensirups (erhältlich in jeder Apotheke) unter Umständen lebensrettend sein.

Haushaltsprodukte stellen bei Kindern neben Medikamenten die zweitgrösste Gefahrenquelle für Vergiftungen dar. In der Regel verläuft eine Vergiftung hier jedoch harmlos. Giftigere Substanzen sind heute meist mit einem kindersicheren Verschluss versehen. Im Jahr 2004 kam es zu einer auffälligen Häufung von Essigsäure-Vergiftungen in Familien aus dem Balkan, die konzentrierte Essigsäure (Eisessig) importieren und erst vor dem Gebrauch verdünnen, um sie als Speiseessig zu verwenden. Die Einnahme von Eisessig führt zu schwersten inneren Verätzungen.

Zur Verhütungen von Vergiftungsunfällen werden beachtliche Anstrengungen unternommen. Beispiele sind die Kampagne des Schweizerischen Apothekerverbandes „Gift (k)ein Kinderspiel“ sowie das vom TOX entwickelte online-Internetspiels „Toxli“. Das Kinderbuch kann im Buchhandel bestellt werden, das Internet-Spiel finden Sie unter www.toxi.ch mittels Mausklick auf das „Toxli“-Logo.

Stand: 12/05, BH