Chromosomenschäden durch Rauchen in der Schwangerschaft

Tabakrauch enthält krebserregende Wirkstoffe, die über die Plazenta auch den Kreislauf des Feten erreichen. Eine prospektive Fall-Kontroll-Studie an der Universität von Barcelona liefert erstmals Hinweise, dass es tatsächlich beim “passivrauchenden” Feten zu Chromosomenschäden kommt, auch in einer kritischen Region, in der Fehler zur Entwicklung von Leukämie (Blutkrebs) führen könnten.

Die Wissenschaftler untersuchten fetale Zellen aus dem Fruchtwasser von 25 Raucherinnen (mehr als zehn Zigaretten pro Tag seit zehn Jahren), die aus anderen Gründen eine Amniozentese durchführen liessen. Es wurden deutlich häufiger chromosomale Instabilitäten gefunden als in der Vergleichsgruppe von 25 Nichtraucherinnen. Strukturelle Abnormalitäten waren mehr als dreimal häufiger, während chromosomale Instabilitäten in der Metaphase oder chromosomale Läsionen nur in einem geringeren Ausmass auftraten.

Besonders beunruhigend ist der Nachweis von Bruchstellen im Chromosom 11q23. In dieser Region befinden sich wichtige Gene der Blutbildung, und Defekte könnten Ausgangspunkt von Leukämien sein. In epidemiologischen Studien müsste nun noch der Zusammenhang zwischen Passivrauchen des Feten und späteren Leukämien hergestellt werden.

Kritiker der Untersuchung geben zu bedenken, dass eine kleine Fall-Kontroll-Studie letztlich nicht beweisend ist. Trotz der Einwände gebe es jedoch viele gute Gründe für Frauen, das Rauchen während der Schwangerschaft und auch danach aufzugeben.

Quelle: De la Chica, R.A. et al.: JAMA 293; S. 1212-1222 (2005)

Stand: 4/05, B.H.