Giftige Frühjahrsboten: Maiglöckchen und Herbstzeitlose

In der Schweiz ereignen sich bei Kindern bis 10 Jahren rund 10'000 Vergiftungen pro Jahr. Ursachen dieser meist vermeidbaren Vergiftungen sind einerseits arglos gelagerte oder verlegte Medikamente, Putzmittel, Zigarettenstummel und Alkohol, andererseits aber auch die Unkenntnis über die Giftigkeit von Blumen und Pflanzen. Ein Anruf beim Tox-Zentrum (Notfallnummer 145) ist im Verdachtsfall ratsam, obwohl die Vergiftungen bei Kindern meist glimpflich ausgehen.

Im Frühling liegt besonders beim giftigen Maiglöckchen und der Herbstzeitlosen ein grosses Gefahrenpotenzial, da sie immer wieder mit dem essbaren Bärlauch, im Bild unten, verwechselt werden.

Das jetzt blühende Maiglöckchen (Convallaria majalis), im Bild in der Mitte, wird in vielen Lehrbüchern als hochgiftig bezeichnet. Alle Pflanzenteile enthalten grössere oder kleinere Mengen von Herzglykosiden. Die wichtigsten Zeichen einer Vergiftung nach Einnahme mehrerer Blätter sind Erbrechen und Durchfälle, sowie ein verlangsamter oder unregelmässiger Puls. Dazu kommt es vor allem, wenn die Blätter mit Bärlauch verwechselt und als Salat gegessen werden.

Im Sommer werden die roten Früchte oft von Kleinkindern verschluckt. Sie haben sich jedoch als wenig toxisch erwiesen. In der Schweiz wurde innert 30 Jahren kein schwerer Fall bekannt. Das Tox-Zentrum hat aber bis heute über 1000 Anfragen zum Maiglöckchen erhalten. In den USA sind unter 2639 Zwischenfällen mit irgendeinem Teil der Pflanze keine Todesfälle aufgetreten, und nur drei Patienten hatten ernstere Störungen.

Die Herbstzeitlosen (Colchicum sp.), Bild oben, enthalten ein hochwirksames Zellgift, das Colchicin, von dem schon weniger als 1 mg pro kg Körpergewicht lebensgefährlich sind. Dem Schweizerischen Toxikologischen Informationszentrum sind von 1966 bis Ende 2004 über 200 Unfälle mit Herbstzeitlosen gemeldet worden. Fünf Vergiftungen endeten tödlich, weitere neun verliefen schwer.

Sollten Uebelkeit, Erbrechen und heftige Durchfälle einige Stunden nach Genuss einer Bärlauchmahlzeit auftreten, rufen Sie am besten sofort das Tox-Zentrum an, denn bei einer allfälligen Colchicinvergiftung darf keine Zeit verloren werden.

Vergiftungsunfälle bei Kindern können in der Regel mit einfachen Vorsichtsmassnahmen verhindert werden; deshalb hat der Schweizerische Apothekerverband SAV die Präventionskampagne "Umgang mit Gift: (k)ein Kinderspiel!" lanciert.

Quelle: www.sprechzimmer.ch

Stand: 5/05, BH