Umgang mit Gift: (k)ein Kinderspiel! 

Der Schweizerische Apothekerverband SAV lancierte am UNO-Weltkindertag vom 20. November 2004 die Sensibilisierungs- und Präventionskampagne «Umgang mit Gift: (k)ein Kinderspiel!». Die bis Ende 2005 laufende Kampagne will die breite Öffentlichkeit auf einfache Präventionsmassnahmen zur Vermeidung von Vergiftungen bei Kindern aufmerksam machen. Die Kampagne wird unterstützt vom Bundesamt für Gesundheit (BAG), vom Toxikologischen Informationszentrum (Tox, STIZ) sowie von AstraZeneca, Johnson&Johnson, Visana und der Voigt AG. 

In der Schweiz ereignen sich bei Kindern zwischen 0 und 10 Jahren pro Jahr rund 10'000 Vergiftungen. Ursachen dieser grundsätzlich vermeidbaren Vergiftungen sind einerseits arglos gelagerte oder verlegte Medikamente, Putzmittel, Zigarettenstummel, Alkohol, aber auch giftige (Zimmer-)Pflanzen. Ziel der Kampagne ist es, zur besseren Information und zur Vermeidung von Vergiftungen bei Kindern im Haushalt beizutragen, die Bevölkerung für potenziell giftige Substanzen im Haushalt zu sensibilisieren und zum richtigen Umgang zu motivieren sowie die Notfallnummer 145 des Tox  www.toxi.ch bekannt zu machen.

Prävention spielt zentrale Rolle

Im Jahr 2003 erhielt das Schweizerische Toxikologische Informationszentrum (Tox) über 24'000 Anfragen zu Vergiftungsunfällen, die Hälfte davon betrafen Kinder. An erster Stelle der Ursachen dieser Unfälle standen mit 30 % Haushaltsprodukte, gefolgt von Medikamenten (28 %), Pflanzen (17 %) sowie Kosmetika und Körperpflegeprodukte (8 %). Der Rest umfasste technische und landwirtschaftliche Produkte, Nahrungs- und Genussmittel, Drogen und anderes.

Zum Glück laufen Vergiftungen im Kindesalter in den meisten Fällen glimpflich ab. Im Jahr 2003 traten in über 90 % der Fälle keine oder nur geringe Vergiftungserscheinungen auf. Mittelschwere bis schwere Symptome zeigten die Kinder allerdings in 9 % der Fälle. Ein Kind verstarb an den Vergiftungsfolgen. 

Bei Vergiftungen bei Kindern spielt die Prävention eine bedeutende Rolle, denn die meisten dieser Unfälle könnten mit einfachen Vorsichtsmassnahmen verhindert werden. 

Kinderbuch «Nora und das giftige Zeug»

In Zusammenarbeit mit Kindergärtnerinnen und Apothekerinnen haben die Kinderbuch-Autorin Liz Sutter und die Illustratorin Corinne Schroff eigens für diese Kampagne das Kinderbuch "Nora und das giftige Zeug" kreiert. Es erzählt auf unterhaltsame und spannende Art die Geschichte von der kleinen Nora, die Mamas Schmerztabletten findet und lutscht. Ihr Bruder Jan und seine Schulfreundin finden die Kleine und bringen sie in die Apotheke, wo eine erfahrene Apothekerin sofort das richtige Gegenmittel zur Hand hat. Die Geschichte spricht ohne Panikmache davon, wie Vergiftungen bei Kindern im Alltag vermieden werden können.  

Das Bilderbuch enthält zusätzlich ein ausführliches Begleitheft, das Erwachsenen helfen soll, mögliche Gefahren zu erkennen und richtig einzuschätzen, Vorsorgemassnahmen zu treffen, im Verdachtsfall sachgerecht zu reagieren und wichtige Sofortmassnahmen zu ergreifen. Das Heft bietet ausserdem eine Checkliste zum Schutz vor Gefahren in Haus und Garten, ein kleines Pflanzenlexikon mit den acht wichtigsten giftigen Zimmer- und Gartenpflanzen, ein Literaturverzeichnis sowie wichtige Adressen und Websites. Mit einem Memory, einem Zuordnungs- und Rollenspiel und Rezeptideen kann das Thema mit Kindern spielerisch vertieft werden.

Ratgeber für richtigen Umgang mit giftigen Substanzen

In enger Zusammenarbeit mit dem Tox wurde ein Info-Faltblatt „Erste Hilfe und Prävention bei Vergiftungen bei Kindern“ realisiert. Es umfasst die wichtigsten Informationen zum Thema und ist in Apotheken und beim SAV in Deutsch, Französisch und Italienisch erhältlich. 

Stand: 11/04, Mirjam Müller (Schweizerischer Apothekerverband)