Cerclage – kaum nützlich bei drohender Frühgeburt

Bei einer Cerclage wird der Gebärmutterhals mit einem Operationsfaden umschlungen und wie ein Tabaksbeutel zugenäht. Mit dieser Methode glaubte man lange Zeit, Babys mit Frühgeburtsrisiko länger im Mutterleib zu halten.

Eine internationale Arbeitsgruppe um Professor Kypros Nicolaides aus London fand aber nun in einer Studie keine wissenschaftlichen Beweise für den Wert der jahrzehntelang gebräuchlichen Cerclage. Darin wurden mehr als 250 schwangere Frauen mit Muttermundsschwäche bzw. stark verkürztem Gebärmutterhals, einer häufigen Ursache für eine Frühgeburt, untersucht und behandelt. Bei der einen Hälfte der werdenden Mütter wurde eine Cerclage vorgenommen, bei der anderen Hälfte wartete man nur ab. Von den operierten Frauen bekamen 22 % ihr Kind vor der 33. Schwangerschaftswoche, bei den nicht operierten waren es 26 %. Dieser geringe Unterschied könne rein zufällig sein, meint Nicolaides. Zumindest aber sei der Eingriff, der mitunter sogar eine Spinalanästhesie (Rückenmarkspritze) zur Betäubung erfordert, nicht sehr wirkungsvoll.

Diese Meinung hat sich – schon vor dieser Studie - in der modernen Schwangerschaftsmedizin durchgesetzt. Eine Cerclage wird nur noch selten durchgeführt. Viel wichtiger zur Vermeidung von Frühgeburtlichkeit sei die konsequente Behandlung von Harnwegs- und Scheideninfektionen.

Quelle: To, M.S. et al.: Lancet 363, S. 1849, 2004.

Stand: 9/04, B.H.