Tonia Maria Zindel: „Mutter zu sein, hat mein Leben vervollständigt.“

swissmom: „Traumfrau Mutter“ - eigentlich passt das geradezu perfekt zu Ihnen: Spielen Sie hier sozusagen ein Stück Ihres eigenen Lebens?

Tonia Maria Zindel: Naja, nicht ganz. Was wir auf der Bühne zeigen, ist natürlich überspitzt dargestellt, aber dennoch nicht einfach aus der Luft gegriffen. Teilweise ist es wirklich absurd, was man schon als Schwangere und später als junge Mutter erlebt: Jeder weiss alles besser, jeder gibt dir pausenlos Ratschläge. Auf hunderttausend Sachen solltest du achten, medizinische Abklärungen machen lassen, den Mann in die Geburtsvorbereitung schicken und das Kind schon für einen Geschwisterkurs anmelden, noch bevor es auf der Welt ist. Kaum ist das Baby dann da, geht die Hysterie erst richtig los. In dieser Zeit dachte ich ein paar Mal: Dieses Thema müsste man eigentlich mal auf die Bühne bringen! Als ich hochschwanger war und in Berlin lebte, sah ich überall die Plakate von „Traumfrau Mutter“. Ich fand toll, dass also auch andere diesen Gedanken hatten. Nun bin ich selber dabei und freue mich riesig auf die Auftritte und die Zusammenarbeit mit diesem hochprofessionellen Team!

Zur Person

„Traumfrau Mutter“ überraschte bereits beim dritten Besuch in Zürich mit einem besonderen Gast: Zum ersten Mal war die beliebte Schweizer Schauspielerin Tonia Maria Zindel mit von der Partie. Für die neue Schweizer Mundartfassung des Stücks schlüpft sie erneut in die Rolle einer Traumfrau. Die 34-jährige Bündnerin kennt die Sorgen und Freuden des Mutteralltags aus eigener Erfahrung: Tonia Maria Zindel lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern abwechselnd in Zürich, Berlin und im Bündnerland.


swissmom: Was gefällt Ihnen denn besonders an dem Stück?

Tonia Maria Zindel: Was wir zeigen ist sehr lebensnah. Denn gerade bei einem derart klischeebehafteten Thema, ist die Gefahr von platten Pointen ziemlich gross. Oder dass man gewisse Dinge schlicht nicht mehr hören kann, weil sie schon tausendmal durchgekaut wurden. Bei „Traumfrau Mutter“ ist die Mischung meiner Meinung nach sehr sympathisch. Es artet nicht in ein Gejammer aus, sondern zeigt den typisch mütterlichen Zwiespalt mit Respekt und grosser Zuneigung: Dass du nämlich einerseits vor Liebe zerfliesst, dir deine Kinder andererseits aber auch manchmal auf den Mond wünschst. Genau das macht das Ganze ja auch in Wirklichkeit derart komplex: all die Gegensätze, die du in irgendeiner Form vereinen musst. Das zu schaffen ist die Herausforderung. Sonst bedeuten Kinder wohl wirklich nur Stress.

swissmom: Und schaffen Sie es?

Tonia Maria Zindel: Aber ja selbstverständlich - hervorragend! (lacht herzhaft.)

swissmom: Wollten Sie schon immer eine eigene Familie?

Tonia Maria Zindel: Nein, überhaupt nicht! Ich sah mich früher gerne als eine, nur mit sich selber beschäftigte Diva mit zickigen Allüren, die in völlig anderen Sphären schwebt. Doch heute weiss ich: Das wahre Leben eben ist anders: Nun bin ich Mami – und bereue es keine Sekunde. Ich bin sogar eine richtig verliebte und verschmuste Mutter.

swissmom: Was macht denn dieses „Verliebt sein“ aus? Was geben Ihnen Ihre Kinder?

Tonia Maria Zindel: Das ist schwer zu beschreiben… Dank meinen Kindern lache ich zum Beispiel unheimlich viel. Sobald sie am Morgen die Augen öffnen geht es los mit ihrem Schabernack! Wie unbeschwert sie die Welt sehen, ist ansteckend. Ich gebe zu: Früher nervte es mich, wenn Eltern ständig nur von ihren Kindern sprachen. Das tut es immer noch. Auf dem Spielplatz beispielsweise versuche ich bewusst, mich diesen Klischees zu verweigern. Aber ich kann es heute immerhin besser nachvollziehen. Denn es ist schon grandios, wie viel Energie einem Kinder geben können. Natürlich fühle ich mich dank ihnen auch stark und mutig: Zu Hause bin ich so richtig die Chefin (lacht.)

swissmom: In „Traumfrau Mutter“ kommt aber auch der Verzicht immer wieder zu Sprache, die fehlende Zeit für die eigenen Interessen beispielsweise.

Tonia Maria Zindel: Ich habe nach wie vor meinen Beruf. Insofern kann ich mich wirklich nicht beklagen. Ich habe mir immer gewünscht, dass sich Kinder und Job vereinbaren lassen und es funktioniert.

swissmom: Dann sehen Sie in Ihrer Arbeit gewissermassen auch Erholung?

Tonia Maria Zindel: Erholung ist das falsche Wort. Sagen wir mal, es ist eine erholsame Form der Konzentration. Sich zwischendurch mit anderen Inhalten zu befassen, tut gut und gibt mir Raum. Ich zeige hier eine andere Art von Einsatz als sonst. Das ist wichtig für mich. Im Übrigen gehöre ich nicht zu jener Sorte von Müttern, die ihre Kinder keine Sekunde aus der Hand geben können. Es macht mir absolut nichts aus, auch mal zwei Wochen weg zu sein, wenn ich ein Engagement habe. Dann bin ich voll und ganz bei meiner Arbeit. Danach bin ich genauso voll und ganz wieder für meine Kinder da.

swissmom: Abschliessend: Mutter sein bedeutet für mich…

Tonia Maria Zindel: …eine Art der Vervollständigung. Ich fühle mich vollständiger, mein Leben ist es ebenso. Du musst viel stärker fokussieren auf das Wesentliche. Kannst nicht mehr einfach davon rennen. Doch das willst du auch gar nicht, denn du empfindest es nicht als Verlust, Verantwortung zu übernehmen. Im Gegenteil.

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Letzte Aktualisierung : 03-08-16,