Pilates (benannt nach dem Erfinder Joseph Hubertus Pilates) ist eine Form des Muskeltrainings, bei der die Flexibilität und Ausdauer der Muskeln sowie die Körperbeherrschung trainiert werden. Die Übungen basieren auf einen bestimmten Grundstock an Bewegungsabläufen, bei denen immer mehrere Muskelgruppen, wie zum Beispiel Bauch- und Beckenbodenmuskeln, gleichzeitig angesprochen werden, um die innere Mitte zu finden.
Pilatesübungen sind ideal, um sich während der Schwangerschaft und in der Zeit danach fit zu halten und dabei wohl zu fühlen. Denn Schwangerschaft und Geburt beanspruchen stark den Beckenboden, die Bauchmuskulatur und die Bänder. Die Beckenbodenmuskulatur ist permanent einer enormen Belastung ausgesetzt und neigt sich immer mehr ins untere Becken. Dadurch kann es sein, dass Sie tröpfchenweise Urin beim Husten oder Niesen verlieren.
Durch Pilates wird exakt die Bauch- und Beckenbodenmuskulatur sanft gekräftigt und gut durchblutet; die Körperhaltung wird nachhaltig korrigiert und in Balance gebracht, das vermindert Rückenschmerzen und verhilft zu einem entspannten Schultergürtel. Viele Übungen bei Pilates werden im Vierfüsslerstand ausgeführt. Speziell in der Schwangerschaft ist das eine optimale Position, die hilft, Stress aus dem Rücken- und Beckenbereich abzuleiten. Zum Ende einer Schwangerschaft können diese Übungen sogar unterstützend im Bezug auf die richtige Geburtslage des Babys wirken. Die besondere Pilates-Atemtechnik führt zu einem Gefühl von Wohlbefinden und Ruhe, was sich auch auf das Baby überträgt.
In der Zeit nach der Geburt kann man durch Pilates schnell zu einer deutlich besseren, aufrechten Haltung zurückzufinden. Schon 6-8 Wochen nach der Geburt kann mit der Rückbildungsgymnastik begonnen werden.
Bevor Sie allerdings mit Pilates beginnen, sollten sicher zu sein, dass Sie Ihre Beckenbodenmuskeln durch Kontraktion stark anspannen und diese Anspannung für wenigstens zehn Sekunden halten können. Schaffen Sie es nicht, Ihre Körpermitte durch Anspannen der unteren Beckenmuskulatur zu stabilisieren und aufrecht zu halten, riskieren Sie eine Überanstrengung Ihrer Gelenke und Bänder während der Übungen. Versuchen Sie die folgenden Übungen, um zu sehen, wie stabil Ihre Körpermitte ist:
Wenn Sie diese Übung ohne grosse Anstrengung ausführen und Sie zehnmal wiederholen können, dann haben Sie die Gewissheit, dass Ihre Beckenbodenmuskeln in guter Verfassung sind. Diese Übung können Sie in jedem Stadium der Schwangerschaft durchführen, ohne dass Sie sich oder Ihr Baby gefährden.
Einige Positionen, speziell die Bauch- oder Rückenlage, sind ab Mitte der Schwangerschaft nicht mehr empfehlenswert. Wenn Sie trotzdem Pilates während der Schwangerschaft weitermachen möchten, sollten Sie nach einem Kurs speziell für Schwangere Ausschau halten. Schauen Sie doch einmal in die swissmom-Linksammlung, Kategorie „Schwangerschaftsgymnastik und Yoga“. Viele Fitness-Studios bieten inzwischen Pilates-Kurse an und vielleicht hat auch Ihre Hebamme einen Tipp.
Bitte beachten Sie auch unser Experteninterview mit Judith Krucker: "Beckenbodentraining" und Astrid Kropf: Rückbildung mit Pilates.
Unsere Buchtipps zum Thema Gymnastik finden Sie hier.
Stand: 8/11, BH
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