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Listeriose

Eine Listerioseinfektion verläuft normalerweise kaum schlimmer als eine leichte Grippe, eventuell mit Magen-Darm-Problemen. Aber bei Schwangeren ist die natürliche Abwehr gegen Infektionen herabgesetzt, sie erkranken zwölfmal so leicht und meist schwerer an einer Listeriose. Deshalb sollten Sie nun etwas vorsichtiger mit bestimmten Nahrungsmitteln sein, denn eine Listerien-Infektion kann unter Umständen zu einer Fehlgeburt, Totgeburt (bei Übertragung über die Plazenta) oder zu schweren Erkrankungen des Neugeborenen (bei Übertragung während der Geburt) führen. Die betroffenen Babys sind in einem schlechten Allgemeinzustand, schlapp und trinkfaul. Weitere Symptome sind ein Ausschlag, der über den ganzen Körper verteilt sein kann, Krampfanfälle, Milz- und Leberschwellung durch eine Blutvergiftung und im schwersten Fall eine eitrige Hirnhautentzündung.

Andererseits besteht kein Grund zur Panik: Die Listeriose ist auch unter Schwangeren immer noch sehr selten, man geht von etwa zwei Fällen pro 1000 Schwangerschaften aus.

Bei Verdacht auf eine Listerioseinfektion wird schon vor dem endgültigen Erreger-Nachweis vorsorglich mit einem Penizillinpräparat oder Erythromycin behandelt. Diese Behandlung ist auch in der Schwangerschaft unbedenklich.

Listerien sind Bakterien, die praktisch überall zu finden sind und sich sogar noch bei Kühlschranktemperaturen vermehren können. Listeria monocytogenes, die Listeriose-Erreger, finden sich vor allem in unpasteurisierten (aus Rohmilch hergestellten) Milchprodukten, egal ob von der Kuh, vom Schaf oder von der Geiss, in rohem Fleisch und Fisch und in frischen Salaten mit Keimen und Sprossen. Wir haben für Sie eine Liste bedenklicher Lebensmittel zusammengestellt.

Listerien sind empfindlich gegen Hitze. Bei herkömmlichen, pasteurisierten Milchprodukten wird die Milch stark erhitzt (auf mind. 63°C). Dadurch werden 99% aller Bakterien abgetötet. Der Begriff "thermisiert" kann praktisch gleichgesetzt werden, denn dafür ist eine Temperatur von 57-68°C vorgeschrieben. Past-, UHT- und sogenannte ESL-Milch (länger haltbare Milch mit minimierter Restkeimzahl) ist unbedenklich. Auch bei Butter, Rahm, Hartkäse, Milchmischgetränken, Milchpulver, Kondensmilch, Fonduemischungen und Schmelzkäse ist das Risiko vernachlässigbar klein.

Rohmilcherzeugnisse werden dagegen aus Milch hergestellt, die höchstens auf 40°C erhitzt wurde. Die Keime bleiben weitgehend erhalten, wodurch der Käse ein besonderes Aroma erhält. Frischkäse und Weichkäse aus Rohmilch enthalten deutlich eher Listeriose-Erreger als lange gelagerte und gereifte Rohmilchkäsesorten. Hartkäse, z.B. Parmesan, Edamer, Sbrinz, Gruyère und Emmentaler enthalten in der Regel keine Listerien. Die Erreger reichern sich dort höchstens in der Rinde an. Entfernen Sie deshalb die Rinde, wenn Sie auf entsprechende Käsesorten nicht verzichten wollen.

Am besten aber ist es, wenn Sie in der Schwangerschaft nur noch pasteurisierte Milchprodukte kaufen. Lassen Sie sich beim Einkauf vom Fachpersonal beraten, welche Milchprodukte aus Rohmilch hergestellt sind. Schweizer Käse ist in der Regel pasteurisiert. Ausnahme: Spezielle Käsesorten mit geschützter Herkunftsbezeichnung (AOC), bspw. Gryuère, Emmentaler, Sbrinz. Diese Ausnahme gilt auch für handelsrechtlich geschützte Käsesorten aus dem Ausland, z.B. Camembert, Roquefort, Gorgonzola, Parmesan. Die entsprechenden "imitierten" Schweizer Produkte sind dagegen aus pasteurisierter Milch hergestellt und für Schwangere unproblematisch.

Wenn Sie gerne auf dem Bio-Bauernhof Käse und Milchprodukte kaufen, sollten Sie sich im Hofladen genau erkundigen. Dort wird sehr häufig Rohmilch verwendet, und dies muss gesetzlich nicht ausdrücklich angeschrieben sein, wie es bei Supermärkten der Fall ist.

Bedenklich sind ausserdem Produkte, die rohes Fleisch (auch Geflügel) enthalten, z.B. rohes Hackfleisch, Trockenfleisch (z.B. Bündnerfleisch), Tartar, geräucherte Wurstwaren, Fleisch-Pasteten (Leberpastete sollte während der Schwangerschaft sowieso vermieden werden, da sie reich an Vitamin A ist), fertig gekaufter Kartoffelsalat und nicht durchgegartes Fleisch (auch Geflügel!). Problematisch sind auch rohe und geräucherte Fische, z.B. Lachs und bestimmte Sushi-Sorten und Schalentiere. Listerien sind auch in folienverpackten, fertig geschnittenen Salaten, v.a. solchen mit Keimlingen oder Sprossen, nachgewiesen worden. Gründliches Waschen ist unbedingt zu empfehlen! Diese Produkte sollten Sie eventuell deshalb besser meiden und alle gekühlten Nahrungsmittel vor ihrem jeweiligen Verfallsdatum verbrauchen.

Gekühlte und auch tiefgekühlte Fertiggerichte müssen immer vollständig erhitzt werden. Erhitzen in der Mikrowelle reicht meist nicht aus, weil sich die Wärme zu ungleichmässig verteilt. Als Faustregel gilt: Alle unmittelbar vor dem Verzehr erhitzten Lebensmittel, also z. B. frisch gekochte Speisen, aber auch frisch geöffnete Konserven, frisch geöffnete pasteurisierte Milch, Sauermilchprodukte aus pasteurisierter Milch und unter Erhitzung hergestellte Fleischwaren sind praktisch frei von Listerien. 

Durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren (z.B. Schafe, Ziegen, Schweine, Vögel, Kaninchen) oder mit kontaminiertem Erdboden kann die Listeriose ebenfalls übertragen werden. Auch eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung durch Geschlechtsverkehr ist möglich.

Stand: 10/10, BH



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