ANZEIGEN

PARTNER

Fetale Zellen im mütterlichen Blut

Um die Erbinformation, die Chromosomen, des ungeborenen Kindes beurteilen zu können, muss man seine Zellen untersuchen. Für die Gewinnung fetaler Zellen ist zur Zeit immer noch ein „invasiver“ Eingriff notwendig. „Invasiv“ heisst „eindringend“. Beispiele für invasive Eingriffe sind  die Amniozentese oder die Chorionzottenbiopsie.  Diese Eingriffe sind leider nicht völlig gefahrlos für das Ungeborene. Sie können schlimmstenfalls zu einer Fehlgeburt führen.

Entsprechend gross ist das Interesse an neuen Methoden, die es erlauben sollen, Befunde über das Kind zu gewinnen, ohne die Schwangerschaft zu stören. „Nicht invasiv“, nicht eindringend nennt man eine solche Technik. Die vielversprechendste ergibt sich aus einer einfachen Blutentnahme bei der werdenden Mutter. Denn im Blut der Schwangeren kreisen nicht nur vereinzelte Zellen des Feten (etwa eine Zelle unter 10 Millionen ist fetaler Herkunft). Im Blutplasma der Mutter findet man auch frei schwimmende Stücke der kindlichen Erbsubstanz, der DNA. Ab etwa der neunten Schwangerschaftswoche besteht rund ein Zehntel der ungebundenen DNA im Blutplasma aus Erbgutfragmenten des Fötus oder der genetisch identischen Plazenta. Es sind zum Teil auch Reste aus abgestorbenen Zellen des Kindes, die im Kreislauf der Mutter zirkulieren.

Gelingt es, eine solche Zelle oder ein solches Stück zu gewinnen, dann lässt es sich mit der Technik der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) tausendfach vermehren. Oder die fetalen Zellen aus dem Blut der Mutter werden isoliert und einzelne der Chromosomen mit fluoreszierenden Markern (die sog. FISH-Methode) sichtbar gemacht. Damit kann man dann überzählige Chromosomen wie bei der Trisomie 21 (dem Down-Syndrom) erkennen.

Seit dem 20. August 2012 ist in der Schweiz der „Praena-Test“ zugelassen, ein Bluttest, der mit einer einfachen Blutentnahme bei der Mutter eine ausreichend zuverlässige direkte Diagnose bezüglich des Down-Syndroms (Trisomie 21) beim Kind stellen kann. Dadurch könnten für das ungeborene Kind Risiken wie bei Fruchtwasseruntersuchungen vermieden werden. Der Test sei lt. Hersteller LifeCodexx eine Ergänzung zu anderen vorgeburtlichen Untersuchungen und Entscheidungshilfe für oder gegen eine invasive Diagnostik. In naher Zukunft sollen auch weitere Chromosomenstörungen wie Trisomie 13 und 18 diagnostizierbar sein. Der Test soll 1500 Franken kosten und wird von den Krankenkassen nicht vergütet.

Die Beobachtung fetaler Zellen im Blut der Mutter hat darüber hinaus unerwartete Einsichten in die möglichen Ursachen von gefürchteten Schwangerschaftskomplikationen gebracht, z.B. der Präeklampsie. Auffallend viele Zellen des Fetus, aber auch fetale DNA wurden im Blut von Patientinnen mit einer Präeklampsie gefunden. Daher vermutet man, dass aufgrund einer mangelhaften Versorgung des Ungeborenen vermehrt kindliche Zellen über die Plazenta in den mütterlichen Kreislauf eindringen und der mütterliche Organismus mit Entzündung und heftigen Immunreaktionen auf diese Fremdzellen antwortet. Auch eine Rhesus-Unverträglichkeit kann so sehr früh schon diagnostiziert werden.

Zu diesem Thema debattierten im August 2012 auf drs2 der Gynäkologe Prof. Dr. med. Daniel Surbek und die Medizinethikerin PD Dr. med. Tanja Krones.
Sendung hören oder als podcast downloaden >>>

Stand: 08/12, BH

info(at)swissmom.ch  I  copyright swissmom.ch 2013

Inhalt urheberrechtlich geschützt © 2013 Swissmom. Alle Rechte vorbehalten.
Die in www.swissmom.ch enthaltenen Informationen stellen keinen Ersatz dar für die Untersuchung, Diagnosestellung oder Behandlung durch medizinisch ausgebildete Fachleute.
Bitte lesen Sie unsere Nutzungsbedingungen.

Wissen

Newsticker

Mami-Kolumne

Mami-Kolumne

Ein ganz gewöhnlicher Wocheneinkauf

Slalom im Supermarkt um allerlei Versuchungen herum... und ein viel zu kleiner Einkaufswagen...> mehr

Interview

Baby- und KidsWasserWeekends in Lenzerheide

Kristina Pfister über ein attraktives Arrangement mit Spass im Wasser für die Kleinen und Erholung für die Eltern.> mehr

Schwangerschafts-Newsletter

Schwangerschafts-Newsletter

Persönlich & informativ

Am ersten Tag Ihrer neuen Schwangerschaftswoche erhalten Sie alle Infos per Mail.> mehr

Forum

Forum

Diskutieren Sie mit!

Haben Sie eine Frage, die Ihnen schon lange unter den Fingernägeln brennt? Vielleicht finden Sie eine Antwort in unserem Forum. Wir haben eine halbe Million Einträge, über 12'000 Themen und mehr als 7'000 Mitglieder > mehr