swissmom_bei_facebook

swissmom_bei_twitter

Die Behandlung einer Epilepsie in der Schwangerschaft

Wenn Sie an einer Epilepsie leiden, werden Sie wahrscheinlich während der Schwangerschaft Ihre gewohnten Medikamente weiterhin einnehmen können, möglicherweise aber in einer anderen Dosis. Durch die grössere Blutmenge wird Konzentration des Medikaments soweit verdünnt, dass es seine therapeutische Wirkung verlieren kann. Aus diesem Grund muss bei vielen Epileptikerinnen die Medikamentendosis während der Schwangerschaft erhöht werden bzw. müssen einige Patientinnen auch auf andere Antiepileptika umsteigen.

Bestimmte Medikamente, die bei der Behandlung der Epilepsie eingesetzt werden, wie z.B. Valproat (Valproinsäure), Carbamazepin, Phenobarbital und Phenytoin, erhöhen das Risiko von angeborenen Fehlbildungen oder für Fehlgeburten von 1-2 % in der Normalbevölkerung auf 3-9 % bei Frauen, die Antiepileptika einnehmen. In der Medizin bezeichnet man solche Medikamente als teratogen. Sie können beispielsweise Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, Harnwegsanomalien und Herzfehler verursachen. Besonders kritisch sind diesbezüglich Kombinationen von Einzelsubstanzen.

Zudem hat man festgestellt, dass einige dieser Medikamente die Aufnahme von Folsäure beeinträchtigen, wodurch ebenfalls ein erhöhtes Risiko für bestimmte Entwicklungsstörungen besteht, insbesondere für einen Neuralrohrdefekt (z.B. offener Rücken). Eine erhöhte Folsäure-Substitution von 5 mg pro Tag wird daher empfohlen. Andererseits besteht ein solches Risiko bei Epileptikerinnen auch dann, wenn keine Medikamente eingenommen werden, da zu Beginn der Schwangerschaft auftretende epileptische Anfälle ebenfalls Entwicklungsstörungen des Kindes zur Folge haben können.

Einige Medikamente können durch eine Hemmung der Blutgerinnung Hirnblutungen beim Neugeborenen hervorrufen, weshalb dem Neugeborenen gleich nach der Geburt Vitamin K verabreicht wird.

Für die neueren Wirkstoffe wie Lamotrigin, Oxcarbazepin, Topiramat, Gabapentin und Levetiracetam ist das Risiko noch nicht so gut untersucht, scheint aber deutlich geringer zu sein, falls es überhaupt in den z.Zt. laufenden Langzeituntersuchungen vorhanden sein wird.

Es empfiehlt sich also eine sorgfältige Planung der Schwangerschaft, damit Ihr Körper Zeit hat, sich auf ein anderes Medikament oder eine niedrigere Dosis einzustellen. Auch sollte einer Einzelsubstanz immer der Vorzug gegenüber einer Kombination aus mehreren Antiepileptika gegeben werden, weil die Risiken für kindliche Fehlbildungen dann deutlich niedriger sind.

Ist dies nicht möglich, lässt sich grundsätzlich sagen, dass der plötzliche Abbruch einer medikamentösen Behandlung grössere Risiken birgt als deren Fortsetzung. Eine humangenetische Beratung über die Risiken spezieller Medikamente und möglicher Alternativen ist dann auf jeden Fall sinnvoll.

Bitte lesen Sie auch in unserem Bereich "Aktuelles":

Neue Daten zu Epilepsie und Schwangerschaft

Stand: 08/11, BH

 



 

info [at] swissmom.ch

Inhalt urheberrechtlich geschützt © 2003 Swissmom. Alle Rechte vorbehalten.
Die in www.swissmom.ch enthaltenen Informationen stellen keinen Ersatz dar für die Untersuchung, Diagnosestellung oder Behandlung durch medizinisch ausgebildete Fachleute.

Bitte lesen Sie unsere Nutzungsbedingungen

copyright swissmom.ch 2009

Newsletter
Anthrazit Siegel