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Die Anregung der vorgeburtlichen Lungenreifung

Nach der Geburt werden die Lungenbläschen des Neugeborenen normalerweise durch den Surfactant-Faktor unter Spannung gehalten, damit genügend Luft einströmen kann und die Lungenbläschen beim Ausatmen nicht völlig zusammenfallen. Bei untergewichtigen Frühgeborenen, deren Lungen noch nicht voll entwickelt sind, und bei Kindern von Diabetikerinnen, deren Blutzuckerspiegel nicht optimal eingestellt war, ist dieser Surfactant-Faktor nicht ausreichend vorhanden. Es kommt nach der Geburt zum sogenannten Atemnotsyndrom. Bei diesen Neugeborenen ist eine intensivmedizinische Betreuung notwendig, bei der die Atemtätigkeit mehr oder weniger stark unterstützt und Surfactant-Faktor zugeführt wird.

Dank verbesserter Betreuung vor der Geburt und effizienteren Behandlungsmethoden nach der Geburt haben Babys mit Atemnotsyndrom heutzutage sehr gute Überlebenschancen. Eine wichtige Rolle spielt die Anregung der fetalen Lungenreife noch in der Gebärmutter, zwischen der 24. und 34. SSW, indem man der Schwangeren intramuskuläre Spritzen mit dem Nebennierenrinden-Hormon (z. B. Celestan, Wirkstoff Bethamethason, zweimal im Abstand von 24 Stunden) verabreicht. Bei Schwangeren mit Diabetes mellitus muss der Blutzucker nach der Kortikoid-Gabe engmaschig überwacht und gegebenenfalls mit Insulin gesenkt werden, denn durch Corticoide steigt der Blutzucker an.

Das Corticosteroid-Hormon reduziert das Risiko eines gefährlichen Atemnotsyndroms und von Gehirnblutungen beim Baby um die Hälfte, muss jedoch mindestens 24 und höchsten 7 Tage vor der Entbindung gegeben werden, um die volle Wirkung zu entfalten. Aus diesem Grunde muss der Zeitpunkt der Lungenreifung gut abgewogen werden, und eine "vorsorgliche" Stimulation der Lungenreifung ohne Frühgeburtsrisiko (z.B. bei Mehrlingen) ist nicht sinnvoll.

Angezeigt ist eine Anregung der Lungenreife durch Kortikosteroide bei

Gelingt es, die Gebärmutter ruhig zu stellen und die vorzeitigen Wehen einzudämmen, kann die Cortisongabe nach ca. 8-10 Tagen wiederholt werden. Allerdings ist nur bei Patientinnen vor der 28. SSW ein positiver Effekt der wiederholten Cortisongabe nachgewiesen worden.

Eine Behandlung mit Steroiden zur Anregung der Lungenreife gilt sowohl für das ungeborene Kind als auch für Sie als relativ ungefährlich.

Stand: 11/10, BH



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