Der Blasensprung, also das Platzen der Fruchtblase, ereignet sich normalerweise erst kurz vor oder unter der Geburt. Manchmal muss die Fruchtblase sogar künstlich durch Anritzen während der Geburt eröffnet werden (Blasensprengung), weil sie nicht spontan einreisst - eine Massnahme, mit der auch die Wehen verstärkt werden können.
Wenn Ihre Fruchtblase sehr viel früher als in den allerletzten Wochen vor dem errechneten Termin platzt, sollten Sie sich auf das Einsetzen vorzeitiger Wehen bzw. einzelner Kontraktionen innerhalb der nächsten Tage oder Wochen einstellen. Ein solcher vorzeitiger Blasensprung, also vor Einsetzen der Wehen, kann durch eine Infektion am unteren Teil der Fruchtblase entstehen. Ein anderer Risikofaktor ist die starke Beanspruchung der Fruchtblase (z.B. bei Mehrlingen oder wenn zuviel Fruchtwasser vorhanden ist). Entsteht auch nur ein kleiner Defekt in der Fruchtblase, kann das schon zu einer Gebärmutterinfektion führen. Ob die Infektion gravierend ist und was Ihr Frauenarzt, Ihre Frauenärztin zur Behandlung der Wehen unternimmt, wird davon abhängen, wie weit Sie in Ihrer Schwangerschaft fortgeschritten sind. In der Regel werden Sie nach dem vorzeitigen Blasensprung in ein Krankenhaus überwiesen. Später können Sie unter Umständen nach Hause entlassen werden – normalerweise unter Antibiotikabehandlung – oder die Geburt wird eingeleitet.
Manchmal ist der Defekt in der Fruchtblase nur klein und weit oberhalb vom inneren Muttermund, dann kommt es zu einem so genannten Blasenriss oder hohen Blasensprung. Dieser Riss verschliesst sich gelegentlich von selbst, so dass kein weiteres Fruchtwasser austreten kann. In anderen Fällen sickern geringe Mengen Fruchtwasser nach und nach aus. Wenn genügend Fruchtwasser nachproduziert werden kann, fällt bei der Ultraschalluntersuchung nicht auf, dass weniger Fruchtwasser vorhanden ist. Allerdings kann es dann unbemerkt zu einer Infektion kommen, weil die Fruchtblase nicht mehr dicht abgeschlossen ist.
Bei Verdacht auf einen vorzeitigen Blasensprung versucht Ihr Frauenarzt, Ihre Frauenärztin, den Fruchtwasserabgang durch die Scheide nachzuweisen, was bei geringen Mengen nicht ganz einfach ist. Das grösste Problem ist oft die Unterscheidung zwischen Fruchtwasser und Urin, denn gerade in der Spätschwangerschaft ist unwillkürlicher Harnabgang bei Belastung der Bauchmuskulatur (Heben, Niesen etc.) recht häufig. Ein ziemlich sicherer Fruchtwassernachweis gelingt mit einem Schnelltest auf IgF-1 (ein fetales Eiweiss). Die ältere Methode, die Sie auch selbst zwischendurch durchführen können, verwendet Lackmuspapier (auch pH-Papier genannt), das mit Fruchtwasser blau (leicht basischer pH Wert) und mit Scheidensekret rot (schwach saurer pH Wert) reagiert. pH-Papier für den Bereich um pH 7 (ca. 4-9) bekommen Sie in jeder Apotheke.
Falls Sie tatsächlich Fruchtwasser verloren haben, wird Ihnen Ihr Frauenarzt, Ihre Frauenärztin Antibiotika verschreiben, die eine infektionsbedingte Frühgeburt verhindern sollen. Zusätzlich werden Sie wahrscheinlich Steroide (Cortison) einnehmen, damit die Lungenreifung des Kindes beschleunigt wird und Ihr Kind bessere Chancen hat, falls die Frühgeburt nicht zu vermeiden ist.
Stand: 11/08, BH/AS
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