Sicheres Wohnen mit Kind
Besonders in den ersten beiden Lebensjahren lernen Kinder fast jeden Tag etwas Neues dazu. Die Eltern werden nicht selten vom nächsten Entwicklungsschritt überrascht. Sie rechnen nicht damit, dass das Kind den Wasserkocher erreicht, die Ofentür öffnet oder das heisse Wasser aufdrehen kann. Jedes Lebensalter eines Kindes ist für seine Eltern neu und aufregend, aber jeder Entwicklungsschritt birgt gleichzeitig die Gefahr, sich zu verletzen. Vorausschauendes Denken hilft, Unfälle zu vermeiden. Bei allen Präventionsmassnahmen, die ergriffen werden, sollten bereits die nächsten Entwicklungsschritte bedacht werden.
Am besten machen Sie Ihre Wohnung und speziell das Kinderzimmer gleich von Anfang an kindersicher. Dann ist die Gefahr kleiner, unliebsame Überraschungen zu erleben. Hundertprozentige Sicherheit ist leider niemals möglich, aber durch einige einfache Vorkehrungen können Sie das Unfallrisiko erheblich reduzieren.
Spätestens wenn Ihr Kind mobil wird, sollten Sie sich einmal in gleicher Höhe wie das Kind auf eine Entdeckungsreise durch die Wohnung begeben: Sie werden erstaunt sein, was plötzlich alles in Reichweite des Kindes ist.
Das sollten Sie beachten:
- Sichern Sie Treppen, Türen und Balkone durch ein Gitter (gibt es im Fachhandel). Es sollte mindesten 1,20 Meter hoch sein. Die Stäbe müssen so eng sein, dass das Kind den Kopf nicht hindurch stecken kann. Wenn Sie in einem alten Haus wohnen, sind wahrscheinlich die Stäbe im Treppenhaus zu weit auseinander!
- Kontrollieren Sie, ob die Fenster dicht sind, es nirgends zieht und – ganz wichtig – ob sie gut schliessen, damit Ihr Kind nicht herausfallen kann.
- Vermeiden Sie lose liegende Teppiche, Matten sowie Elektrokabel. Das sind Stolperfallen, ganz besonders in der Nacht bei geringer Beleuchtung.
- Verlegen Sie einen rutschfesten Boden, der sich gut reinigen lässt.
- Ihre Polstermöbel sollten aus nicht brennbarem Material sein.
- Stellen Sie die Matratze im Kinderbett so tief, dass Ihr Kind nicht herausfallen kann. Der Abstand zwischen dem Matratzenrost und der Oberkante des Gitterbettes sollte mindestens 60 cm betragen. Wenn sich das Kind eines Tages hochzieht, montieren Sie eventuell ein Bettschutzgitter. Verwenden Sie kein Kopfpolster und keine Bettdecke aus Federn. Das Kind könnte ersticken. Am Gitterbett sollten keine Schnüre, Gurte und Bänder vorhanden sein und der Abstand zwischen den Stäben sollte nicht grösser als 7 cm sein.
- Scharfe Tischkanten können mit Plastikaufsätzen "entschärft" werden.
- Lassen Sie Ihr Kind nie unbeaufsichtigt im Hochstuhl am Tisch sitzen (Kippgefahr).
- Kabel von Elektrogeräten sollten gut verstaut sein und nirgends herunterhängen.
- Steckdosen versehen Sie am besten mit Sicherungen, die inwendig angebracht werden oder verwenden Sie einen FI-Adapter.
- Hängen Sie Mobiles und andere bewegliche Gegenstände ausser Reichweite des Kindes auf.
- Achten Sie beim Spielzeug auf Knöpfe, Kleinteile, Murmeln usw. solch kleine Gegenstände - sie sind nichts für kleine Kinder.
- Zigaretten, Feuerzeuge und Streichhölzer unerreichbar aufbewahren. Aschenbecher immer sofort leeren.
- Lampen- und Duftöle sollten mit einem kindersicheren Verschluss versehen und in einem gesicherten Schrank aufbewahrt werden. Die Schälchen von Duftlampen auszutrinken, ist für das Kind eine grosse Versuchung.
- Putzchemikalien sollten Sie in obere Schränke räumen. Kleinkinder sind neugierig und räumen gern Schränke aus. Giftige und ätzende Mittel dürfen niemals in für Kinder vertraute Behälter wie z. B. Saftflaschen umgefüllt werden.
- Alkoholflaschen unerreichbar aufbewahren.
- Medikamente auf keinen Fall offen herumstehen oder auf dem Nachttisch liegen lassen. Sagen Sie ihrem Kind nie, dass notwendige Medizin gut schmeckt.
- Plastik- und Müllsäcke sind gefährlich, weil Kleinkinder sie sich gerne über den Kopf ziehen.
- Benutzen Sie nur ungiftige Farben und Lacke, die keine Schadstoffe wie Blei oder starke Lösungsmittel enthalten (besser wasserlösliche Farben).
- Giftige Zimmerpflanzen wie Weihnachtsstern, Alpenveilchen, Philodendron und Begonien ausser Reichweite des Kindes stellen oder an Freunde verschenken. Im Zweifelsfall im Geschäft fragen!
- Das Arbeitsfeld am Kochherd können Sie mit einem Spezialgitter schützen - bzw. Ihr Kind davor, das es sich verbrennt. Dasselbe gilt offene Cheminées und künstliche Feuerstellen. Kochen Sie möglichst auf den hinteren Kochplatten. Pfannen und Töpfe sollten mit den Griff nach hinten stehen.
- Ofentüren heizen sich beim Backen auf, auch hier drohen Brandverletzungen.
- Lieber keine Tischdecken verwenden oder die Decken besonders sichern. Sonst ziehen die Kinder möglicherweise Tassen mit heissen Getränken vom Tisch.
- Beim Bügeln sollte die elektrische Zuleitung stolperfrei und unerreichbar sein. Kinder fassen gegen heisse Bügeleisen, das führt zu schwersten Verletzungen der Handinnenfläche. Das Bügeleisen zum Auskühlen deshalb stets hochstellen.
- Messer, Schere, spitze Gegenstände und Werkzeug stellen eine weitere Gefahrenquelle dar. Sie sollten nur unter Aufsicht und mit Anleitung durch einen Erwachsenen von Kindern benutzt werden. Messer und Gabeln in der Geschirrwaschmaschine mit der spitzen Seite nach unten einsortieren.
- Gestalten Sie auch Ihren Garten kindersicher. Auch hier lohnt es sich, sich beim Fachmann über giftige Blumen- und Strauchsorten zu erkundigen.
- Ein Kleinkind niemals beim Baden und Planschen ohne Aufsicht lassen. Kinder können bereits in 10 cm tiefem Wasser ertrinken.
- So manches Kind ist schon unbemerkt in Kühlschrank und Gefriertruhe oder Waschmaschine geklettert. Wichtig ist, dass die Türen sich auch von innen öffnen lassen.
Weitere wichtige Informationen erhalten Sie bei der Schweizerischen Beratungsstelle für Unfallverhütung bfu, bfu-Kinderpost, Postfach 8236, 3001 Bern www.bfu.ch .
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