Sind wir alles Rabenmütter, wenn wir einmal die Nerven verlieren oder gar wütend auf unsere Kinder sind? Diese Frage beschäftigt wohl die meisten Mamis, doch viele trauen sich gar nicht erst, darüber zu reden. Denn wer gibt schon gerne zu, dass mal die Sicherung durchbrennen kann, dass man hie und da überfordert ist im Alltag mit Kindern. Und oft ist es leider auch so, dass man im Umfeld auf wenig Verständnis stösst, wenn man sich trotzdem wagt, die eigene Überforderung auch nur anzudeuten. Denn wütende Mütter sind in der Erziehung ein Tabu-Thema. Dennoch, es gibt sie, die Mamis, die in einer Stresssituation die Nerven verlieren. Und zwar viel häufiger, als jemals zugegeben wird.
Dass Mütter wütend werden, ihre Kinder anschreien oder auch grob werden, ist pädagogisch ganz bestimmt nicht das sinnvollste Verhalten. Aber es ist auch nicht immer vermeidbar. Denn Mütter sind häufig mehrfach belastet. Und sie fühlen sich unsicher ob sie das Kind auch wirklich „richtig“ erziehen. Angst, etwas falsch zu machen, kann zum fast ständigen Begleiter einer Mutter werden, und das wiederum überfordert auch die stärkste Mutterseele. Aus Überforderung wird leicht Verunsicherung und Frust. Und das kann die Wut auslösen oder steigern. Häufig entstehen Wut und Aggression auch, wenn Mütter über viele Stunden und Tage mit ihrem Kind alleine sind und sich zunehmend isoliert fühlen. In solchen Situationen sollte man für Abwechslung sorgen, zum Beispiel mit anderen Müttern Kontakt aufnehmen oder sich mit Freundinnen verabreden.
Wut kann aber auch andere Ursachen haben. Unzufriedenheit ist ein guter Nährboden für Wut. Vielleicht hat das damit einen Zusammenhang, dass sich eine Mutter zum Beispiel vornimmt, die ersten Jahre ausschliesslich für ihr Kind da zu sein. Sie gibt ihre Tätigkeit auf – und spürt irgendwann, dass ihr der Austausch fehlt, die Abwechslung. Die Mutter sinkt zwar Abend für Abend todmüde ins Bett, spürt aber, dass sie irgendwie unzufrieden und unausgefüllt ist. Das macht reizbar – und kann wütende Reaktionen auslösen.
In manchen Fällen kann die Wut aufs Kind auch tiefer liegende, persönliche Gründe haben. Zum Beispiel dann, wenn man mit einer Eigenschaft des Kindes nicht klar kommt, wenn das Kind mit seinem Verhalten Dinge in den Müttern wachruft, welche sie an die eigene, vielleicht nicht als angenehm empfundene Erziehung erinnert. Spürt eine Mutter, dass die Wut auf ihr Kind latent vorhanden ist, ist es sinnvoll, professionelle Hilfe in Form einer Therapie zu holen.
Alle Mütter wissen wohl aus Erfahrung, dass gerade dann, wenn man vor Wut platzen könnte, selten eine Anlaufstelle da ist. Darum hilft es vielleicht, wenn man sich zumindest einige Regeln verinnerlicht, die sich in solchen Fällen als nützlich erweisen können:
Umfragen zeigen, dass die meisten Mütter ihr Kind auch schon einmal geschlagen haben. Das ist sicher kein Verhalten, das gut ist, aber es kann vorkommen. Wenn Sie aber bemerken, dass Sie Ihr Kind häufig schlagen, dann sollten Sie unbedingt eine Erziehungsberatung aufsuchen. Nur mit Hilfe gelingt es, sich aus einem Teufelskreis von Wut und Gewalt zu befreien!
Und nochmals: Wut ist ein Tabu in der Erziehung und Mütter fühlen sich häufig schuldig, wenn ihnen doch einmal der Kragen platzt. Wut ist aber auch ein Gefühl, das in vielen Situationen befreiend wirken kann. Wenn die Wut eine Mutter vielleicht dazu bringen kann, endlich mal das äussern, was sie seit Tagen oder Wochen schon stört, dann kann das alleine schon hilfreich sein und der persönlichen Entwicklung der Mutter zuträglich sein.
Stand:02/08, VZ
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