Heuschnupfen ist eine Überreaktion des Körpers auf Pollen von Blüten, Bäumen, Kräutern oder Gräsern. Wie bei jeder Allergie wittert der Organismus Feinde und schaltet auf Abwehr. Schon kleine Pollenmengen genügen, um die Bildung von Antikörpern in Gang zu setzen. Die wiederum führen zur Produktion des Botenstoffs Histamin, der den allergischen Schnupfen auslöst.
Weil die Pollen zu unterschiedlichen Zeiten im Jahr fliegen, können die Symptome über viele Monate auftreten. Im Frühjahr wird Heuschnupfen durch Baumpollen (Haselnuss, Eiche, Weide, Pappel, Erle, Ulme) ausgelöst, im Früh- und Hochsommer durch Gräser- und Getreidepollen (Roggen, Hafer, Weizen), im Spätsommer und Herbst durch Kräuterpollen (Beifuss, Gänsefuss). Die gefährlichsten Monate sind in der Regel Mai und Juni.
Die Veranlagung für Allergien wie Heuschnupfen ist angeboren. Bei 30 Prozent der Erwachsenen und bei 35 Prozent der Schulkinder soll die Anlage nachweisbar sein. Nicht immer bricht die Erkrankung dann aber auch wirklich aus. Die ersten Symptome der Pollenallergie zeigen sich meist in der Grundschulzeit, gelegentlich aber auch früher. Kinder leiden naturgemäss sehr unter dem Heuschnupfen, da sie während des Pollenflugs in ihrer Freizeitgestaltung stark eingeschränkt sind. Ausserdem reagieren sie auf starke Beschwerden unruhig und können sich auch in der Schule nur schwer konzentrieren. Das erfordert viel Verständnis von Lehrern und Eltern.
Die klassischen Heuschnupfensymptome sind meist nur lästig, wie Niesen und Augenjucken, laufende Nasen und verstopfte Ohren. Viele Kinder klagen darüber zusätzlich über Kopfschmerzen, ausgelöst durch angestauten Schleim in den Nebenhöhlen. Bei 20 bis 30 Prozent der Betroffenen kann es mit der Zeit aber zu einer gefährlichen Weiterentwicklung kommen, dem allergischen Asthma. Eltern sollten den Heuschnupfen ihres Kindes deshalb nicht auf die leichte Schulter nehmen und auf jeden Fall behandeln lassen. Bestätigt eine Blutuntersuchung durch den Kinderarzt, die Kinderärztin oder Allergologen den Verdacht, muss ermittelt werden, welche Pollenart(en) den Heuschnupfen auslösen. Das gelingt mit Hilfe des so genannten Prick-Test (von engl. to prick = piksen). Dabei werden die Reizstoffe der Pollen in Wasser gelöst auf kleine Kratzer am Unterarm aufgetragen. Jene Stellen, die nach etwa 20 Minuten gerötet oder angeschwollen sind oder jucken, zeigen die allergieauslösenden Pollen an.
Bei leichten Symptomen können schon antiallergische Nasensprays und Augentropfen hilfreich sein, schwere sind mit Medikamenten in der Regel in den Griff zu bekommen. Durch so genannte Antihistaminika lassen sich die allergischen Reaktionen zuverlässig unterdrücken. Allerdings rufen die Präparate unter Umständen Nebenwirkungen wie etwa Müdigkeit hervor. Auch homoöpathische Mittel können sehr wirkungsvoll sein.
Wenn Eltern wissen, auf welche Pollen ihr Kind allergisch reagiert, empfiehlt sich die Alltagsplanung nach dem Pollenflugkalender bzw. Pollenflugvorhersagen in den Tageszeitungen, Wetterberichten und auf Internetseiten. Am frühen Morgen sind die meisten Pollen unterwegs. Deshalb: Türen und Fenster während dieser Zeit geschlossen haltenn nur stosslüften oder Pollen- bzw. Fliegenschutzgitter verwenden. Auch im Auto können solche Pollenfilter montiert werden. Damit so wenig Pollen wie möglich ins Kinderzimmer gelangen, sollten kleine Allergiker ihre Sachen abends schon davor ausziehen und vor dem Schlafengehen duschen und die Haare waschen. Wäsche sollte nicht im Freien getrocknet werden. Vielen Kindern hilft es, draussen eine Sonnenbrille zu tragen.
Beste Aussichten, den Heuschnupfen wieder loszuwerden, bietet die so genannte Hyposensibilisierung. Bei dieser Art Schutzimpfung werden die Wirkstoffe der Pollen in regelmässigen Abständen und in stetig gesteigerter Dosis unter die Haut gespritzt, bis das Immunsystem gelernt hat, die Pollen nicht mehr als Feinde zu betrachten. Diese Behandlung ist zwar langwierig (sie dauert mindestens drei Jahre), ist aber bei 90 Prozent der Patienten erfolgreich und auf lange Sicht die Mühe wert. Kinder können ab etwa acht Jahren damit beginnen.
Wer gegen bestimmte Pollen allergisch ist, hat übrigens häufig auch Probleme mit verwandten Pflanzenarten. Manche Lebensmittel verschlimmern deshalb die Symptome noch (Kreuzallergie). Manche Mineralstoffe wiederum lindern allergische Reaktionen. Baumpollen-Allergiker haben häufig eine Kreuzallergie mit Äpfeln, Birnen, Aprikosen, Kirschen, Pfirsichen, Pflaumen, Tomaten, Erdnüssen, Haselnüssen, Mandeln, Paranüssen oder Walnüssen. Gräser- und Getreidepollen-Allergiker können Kreuzallergien haben mit Bohnen, Linsen, Erbsen, Soja, Erdnüssen, Getreidekörnern oder Mehl.
Stand: 04/12, BH
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