Die akute Mandelentzündung (Tonsillitis oder Angina tonsillaris) ist ein Krankheitsbild, das gerade in der kalten Jahreszeit bei Kindern häufig vorkommt. Die Tonsillen (Tonsillae palatinae oder Gaumenmandeln) sind im hinteren Abschnitt der Mundhöhle, links und rechts neben dem Zäpfchen zu finden. Sie sind stark eingefurcht, um ihre Funktion zu vergrössern, denn sie nehmen in den ersten Lebensjahren vor allem Abwehraufgaben wahr. Kommt der Mensch nun in Kontakt mit Viren oder Bakterien, müssen diese zuerst die Gaumenmandeln passieren. Dabei funktioniert die Mandel mit ihren Abwehrzellen als Frühwarnsystem für den menschlichen Körper.
Die Gaumenmandeln sind nicht das einzige Organ in der Mundhöhle, das diese Aufgabe übernimmt. Es gibt noch viele andere wie die Zungenmandel (Tonsilla lingualis), die Seitenstränge oder die Rachenmandel (Tonsilla pharyngea). Allerdings sind die Gaumentonsillen das am häufigsten erkrankte Organ dieser Gruppe.
Eine akute Tonsillitis zeichnet sich durch eine stark schmerzhafte Schwellung und Rötung der Tonsillen aus. Häufig finden sich auch eitrige Beläge. Das Kind hat Halsweh, Schluckbeschwerden und mitunter Mundgeruch. Häufig besteht Fieber. Eine solche Mandelentzündung verheilt in den allermeisten Fällen folgenlos, wenn sie gut behandelt wird. Eine einfache Tonsillitis ohne Fieber kann mit Halswickeln und schmerzstillenden Lutschtabletten gelindert werden. Sind allerdings Bakterien wie Streptokokken im Spiel, ist ein Antibiotikum angezeigt.
Tritt die akute Entzündung mehrmals im Jahr auf, so spricht man von einer chronischen Tonsillitis. Sie kann meist nicht mehr allein mit Medikamenten sondern nur noch durch die chirurgische Entfernung der Mandeln (Tonsillektomie) behandelt werden. Diese operative Entfernung ist vor allem dann zwingend erforderlich, wenn die Mandeln ständig vergrössert sind und somit zu Atem oder Schluckbeschwerden führen, wenn eine chronische Entzündung vorliegt oder mehr als drei Erkrankungen pro Jahr auftreten, oder wenn es durch die Streuung der Bakterien im Körper bereits zu einer Beteiligung von Herz, Nieren oder Gelenken gekommen ist.
Die Tonsillektomie ist für den HNO-Arzt eher ein kleinerer Eingriff, und Mandeloperationen gehören bei uns zu den häufigsten chirurgischen Massnahmen. So kurz die Operation aber auch dauern mag, in der Folgezeit ist sie bis zu mehrere Wochen sehr schmerzhaft. Ausserdem kommt es in 1-3% der Fälle zu einer Komplikation, meist Nachblutungen.
Aus diesen Gründen sollte die Entscheidung für eine Mandeloperation gut überlegt sein und mit dem Hals-Nasen-Ohren-Arzt ausführlich diskutiert werden. Insgesamt sind die Ärzte heute zurückhaltender geworden. Werden die Mandeln zu früh entfernt, kann das eine geschwächte Immunabwehr zur Folge haben. Die Operation wird vor dem vierten Lebensjahr meist nur vorgenommen, wenn ein medizinischer Grund (s.o.) vorliegt. Früher wurde auch zur Vorbeugung vor Folgeerkrankungen operiert.
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Rachenmandeln überlegt operieren
Stand: 06/11, BH
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