Ulla Grob-Menges (61) ist vor vielen vielen Jahren aus Frankfurt/Main zu einem Gastsemester an die Limmat gekommen und leitet jetzt in Zürich die Geschäftsstelle des Verbandes Kindertagesstätten der Schweiz (KiTaS) (vormals Schweizerischer Krippenverband). Sie hat Soziologie studiert und lebte mit ihrem Mann mehrere Jahre in Paris und Gent. Nach der Rückkehr nach Zürich arbeitete sie 15 Jahre als Redaktorin und Journalistin. 1989 hat sie begonnen die Geschäftsstelle von KiTaS aufzubauen. Tochter und Sohn sind inzwischen erwachsen.

Externe Kinderbetreuung heute

swissmom: Was dürfen Eltern heute von einer Kinderkrippe erwarten?

Ulla Grob-Menges: Professionelle Betreuung in einem behördlich geprüften Rahmen. Konkret heisst das, die Kindergruppen sind übersichtlich, die Grösse ist auf etwa 10 anwesende Kinder beschränkt. Die verantwortliche Betreuerin ist einschlägig ausgebildet.

swissmom: Wann soll sich eine Frau in Erwartung um einen Krippenplatz bemühen, wenn sie nach der Geburt erwerbstätig bleiben will? 

Ulla Grob-Menges: Das ist schwer zu sagen. Da es in Städten und Agglomeration trotz massivem Ausbaus des Angebotes in den letzten Jahren immer noch zu Engpässen bei Baby-Plätzen kommt (also für Kinder unter 18 Monate), besteht die Tendenz der Eltern, sich an vielen Einrichtungen schon während der Schwangerschaft anzumelden. Das kann ins Geld laufen, wenn die Kitas Einschreibegebühren verlangen, und die Kitas stehen oft vor dem Problem, dass die Kinder auf der Warteliste nachher doch nicht in ihre Kita kommen. Das Problem ist nicht einfach zu lösen.  Wir propagieren deshalb ein Informationssystem wie es KISSNordwestschweiz bietet, das Eltern ermöglicht, sich über freie Plätze über das Internet zu informieren.

swissmom: Wo finden Eltern eine geeignete Kindertagesstätte in der Nähe ihres Arbeitsplatzes?

Ulla Grob-Menges: Wie ich schon sagte, die „Schnittstelle Eltern-Kita“ ist sehr unterschiedlich ausgestaltet. Z.T. gibt es gute Suchsysteme wie das erwähnte KISSNordwestschweiz (im Aargau heisst KibA – Kinderbetreuung Aargau). Andererseits sollten die Eltern sich auch bei ihrem Arbeitgeber melden und ihn bitten, sie bei der Suche zu unterstützen. Von dieser Seite wurde zwar in den vergangenen Jahren Einiges deklamatorisch getan, aber durch konkrete Nachfragen auf der Personalabteilung oder beim Chef wird erst klar, dass es auch diese Firma betrifft.

swissmom: Wann ist der ideale Zeitpunkt für ein Kind in eine Krippe/Kita einzutreten? 

Ulla Grob-Menges: Da  könnte lange diskutiert werden. Fakt ist jedoch, dass der Mutterschaftsurlaub nur 14 Wochen beträgt. Im Ausland, dort wo wir immer wieder hinschauen, wenn es um gute Angebote und familienfreundliche Systeme geht, wie Skandinavien oder Frankreich, stellen wir fest, dass sie alle den Elternurlaub kennen, der es Mutter und Vater erlaubt, doch mindestens ein Jahr pausieren zu können.

swissmom: Die Krippe ist nicht nur Kinderbetreuung, sondern auch ein Ort der Begegnung, ein Lebens- und Spielraum. Wie profitieren Kleinkinder in einer Krippe?

Ulla Grob-Menges: ...von anderen Kindern. Die Zeiten, dass Kinder mit einer ganzen Bande von Geschwistern aufgewachsen sind, als Kindergruppe das Quartier unsicher gemacht haben, sind vorbei. In der Kita haben Sie die Möglichkeit, nicht nur mit Kindern des gleichen und auch verschiedenen Alters zusammen zu sein, sondern auch mit Kindern unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft. Sie haben auch Spiel- und „Erforschungs“raum zur Verfügung, der auf die Bedürfnisse der Kinder Rücksicht nimmt.

swissmom: Die Kinder spielen in der Krippe in Gruppen, wo liegen die Chancen? Wann ist das Kind gefordert?

Ulla Grob-Menges: Die Gruppe ist für die Kinder wichtig. Lernen ist auch ein Gruppenerlebnis. Kinder spielen aber  auch mal alleine, denn sie haben die Möglichkeit, sich zurück zu ziehen. Neben einem geregelten Tagesablauf – ein Rahmen, der für viele Kinder heute wichtig ist – bemüht sich eine Kita um viel Individualität. Geschultes Personal „sieht“, was ein Kind wann braucht und unterstützt es. Der Austausch mit den Eltern ist hier auch sehr wichtig. Es geht ja nicht nur darum, jeden zweiten Tag einen schön beklebten Eierkarton mit nach Hause zu nehmen oder eine Nüdeli-Kette, sondern Eltern möchten oder sollten wissen, wie sich ihr Kind im Kita-Rahmen bewegt.

swissmom: Ist es auch möglich, dass Kinder nur tageweise die Krippe besuchen? Welches Teilzeitpensum in der Kita ist sinnvoll für das Kind? 

Ulla Grob-Menges: Da Kitas auch wirtschaftlich denken müssen – der Bezug öffentlicher Gelder ist meistens mit Auslastungsauflagen verknüpft – ist die Bereitschaft vorhanden, Kinder auch nur tageweise zu betreuen. Ausserdem wird ja der hohe Prozentsatz berufstätiger Mütter via Teilzeitarbeit erreicht. Wir befürworten aber eine Mindestpräsenzzeit von mindestens 2 Tagen (kann auch auf Halbtage aufgeteilt werden), da Kinder ja – und wir reden ja hier vor allem von kleinen Kindern - ein anderes Zeitgefühl haben und bei – sagen wir mal - einem halben Tag pro Woche nicht nur die Anwesenheit sehr kurz, sondern auch die Woche dazwischen sehr lang ist. Solche Kinder haben sehr viel Mühe, sich wirklich einzuleben.

swissmom: Was passiert, wenn das Kind krank ist? Wie müssen sich Eltern organisieren?

Ulla Grob-Menges: Kranke Kinder können nicht in die Kita gebracht werden. Eltern haben das Recht – und darauf sollten Chefs auch immer wieder hingewiesen werden – ein krankes Kind zuhause zu betreuen. Ansonsten bedeutet es natürlich für Eltern immer wieder ziemlichen Stress, wenn nicht Grosseltern oder jemand, bei dem sich das Kind sonst noch wohl fühlt, aufgeboten werden kann. Es  kommt dann schon mal vor, dass ein Kind morgens dank Zäpfchen „fieberfrei“ in die Kita gebracht wird. Das geht natürlich nicht, aber wir wären die letzten, die kein Verständnis dafür hätten, auch wenn wir dann doch am Mittag die Mutter anrufen müssen, sie solle das Kind jetzt abholen.

swissmom: Wie lange bleiben die Kinder in der Regel in der Krippe? Gibt es auch Institutionen für grössere Kinder ausser dem Mittagstisch?

Ulla Grob-Menges: Mit Ausnahme der so genannten Tagis (Tagesheime) in Basel, die Kinder vom Säuglings- bis ins Jugendlichenalter betreuen, bieten Kitas Betreuung bis und mit dem Kindergartenalter an, aber auch bis ins Schulalter hinein. Das hängt u.a. vom Angebot der schulergänzenden Betreuung in einer Gemeinde ab, ob Horte geführt werden oder nicht.
Bemerkung: Anlässlich der 100. Generalversammlung hat sich der Verband einen neuen Namen gegeben: Verband Kindertagesstätten Schweiz (KiTaS), www.kitas.ch.  Grund ist der enge Begriff Krippe, der oft nur an Kinder bis zum 3. Lebensjahr denken lässt und viele Mitglieder bieten ja Betreuung bis ins Kindergarten- resp. Schulalter an. Dann haftet dem Begriff die „Wohltätigkeit“ an und Kita bringt zum Ausdruck, dass wir meinen, Kinderbetreuung sollte altersübergreifend geplant und angeboten werden.

Bitte beachten Sie auch unsere Informationen zur Kita & CO in unserem Bereich Kind.

Nützliche Links: www.krippenverband.ch, www.kissnordwestschweiz.ch, www.kinderkrippen-online.ch

AS, 07/07

 

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