Die meisten Frauen geraten kurz nach der Entbindung in ein Gefühlschaos, in eine vorübergehende Niedergeschlagenheit. Ausgelöst wird er körperlich von der enormen Hormonumstellung nach der Geburt. Seelische Gründe können sein: Angst vor der immensen Verantwortung, die mit einem Kind kommt, Angst vor der Zukunft, auch in materieller Hinsicht, Befürchtungen, kein gute Mutter zu sein und schliesslich auch Unzufriedenheit darüber, dass einem ständig zum Heulen ist, man sich unverstanden und ungeliebt fühlt, wo man sich doch eigentlich gerade übers Baby freuen und glücklich sein müsste.
Norrmalerweise passiert an den Heultagen auch noch der Milcheinschuss, was viele Frauen als unangenehm empfinden. Manchmal schmerzt auch der Dammschnitt noch oder die Kaiserschnittnarbe. Alles in allem haben Mütter genug Gründe, ein paar Tage durchzuhängen. Der Zustand ist völlig normal. Glücklicherweise dauert er auch nicht lange und danach geht es mit der Stimmung schnell wieder aufwärts. Deshalb raten die meisten Fachleute auch dazu, sich nicht zusammenzureissen, sondern seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Aktive Zuwendung aus der Umgebung ist jetzt das Allerwichtigste.
Für Männer ist es aber oft gar nicht so einfach, richtig auf die Heultage ihrer Partnerin zu reagieren. Sie können die Verstimmungen nicht nachvollziehen und fühlen sich unsicher. Trotzdem ist es enorm wichtig, dass sie nicht ungeduldig oder nervös werden. Denn die Mutter hat meist nicht die Kraft, bei ihrem Mann die Zuwendung einzufordern, die sie braucht. Oder gar Erklärungen über ihren Zustand abzugeben. Sie wird doch selbst meist völlig davon überrollt und kann kaum verstehen, warum sie sich so niedergeschlagen fühlt.
Die so normalen Heultage können aber auch in eine Wochenbettdepression oder sogar Wochenbettpsychose übergehen, und dann ist professionelle Hilfe angebracht.
Lesen Sie zu diesem Thema auch unser Experten-Interview mit Frau Prof. Dr. med. Anita Riecher-Rössler. Informationen und Unterstützung gibt es im Internet z.B. unter www.mutterglueck.ch und www.postnatale-depression.ch.
Stand: 02/11, AS
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