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Wochenbettdepression

Jede zehnte Frau leidet nach der Geburt unter stärkeren Depressionen und nicht nur unter dem harmlosen Baby-Blues. Man spricht hierbei von postnataler oder echter Wochenbett-Depression, die sich in verschiedenen Symptomen äussert: Traurigkeit, Gereiztheit, Ängstlichkeit, chronischer Erschöpfung oder Teilnahmslosigkeit. Die betroffenen Mütter kommen mit den einfachsten Dingen des täglichen Lebens nicht mehr zurecht. Vielleicht leiden sie auch unter Schlafstörungen, Schuldgefühlen oder Versagensangst, alles wächst über den Kopf. Diese hoffnungslose Situation verschärft sich möglicherweise noch durch mangelnden Appetit, Desinteresse an Dingen, die normalerweise Spass machen, sowie Konzentrationsmangel.

Eine solche Depression tritt normalerweise erst mehrere Wochen nach der Geburt auf, in manchen Fällen sogar erst Monate später. Als Ursachen werden eine Reihe von Faktoren genannt, zu denen nicht nur hormonelle Veränderungen wie der starke Abfall des Hormons Östrogen und Anstieg des Enzyms Monoamin-Oxidase nach der Geburt, sondern auch die genetische, emotionale und psychische Veranlagung zählen.

Allerdings sollten möglicherweise vorhandene körperliche Symptome wie die dauernde Erschöpfung, Schmerzen, Hauterscheinungen und Entzündungszeichen nicht automatisch auf psychische Ursachen geschoben werden. Eine fundierte Abklärung beim Hausarzt, v.a. auf Eisenmangel, eine Schilddrüsenstörung oder eine Autoimmunerkrankung ist unbedingt angezeigt, da diese gerade nach einer Geburt nicht selten zum ersten Mal auftreten.

Eine seltene und besonders schwere Form der Wochenbettdepression entwickelt sich schon kurz nach der Geburt: die Puerperalpsychose oder Wochenbett-Psychose. Sie ist gekennzeichnet durch Wahnvorstellungen und Halluzinationen und muss meist stationär mit einer intensiven Therapie behandelt werden. Im Allgemeinen erholen sich die Betroffenen jedoch vollständig von dieser Krankheit.

Wenn Sie an einer starken Depression leiden, müssen Sie unbedingt mit einer Vertrauensperson darüber sprechen. Die Unterstützung Ihrer Familie und Ihrer Freunde wird Ihnen bei einer Wochenbettdepression sehr helfen, aber es kann trotzdem sein, dass Sie auch einen Therapeuten bzw. Antidepressiva, also Medikamente benötigen. Eine postnatale Depression kann mit Medikamenten zwar erfolgreich behandelt werden; deren Wirkung tritt jedoch oft erst nach mehreren Tagen oder sogar Wochen ein. Schon allein aus diesem Grund ist die Früherkennung bei Depressionen so wichtig. Je früher Sie die Anzeichen einer Wochenbettdepression bemerken, desto früher kann man Ihnen helfen und umso wirksamer ist die Behandlung. Ihre Hebamme oder Ihr Frauenarzt, Ihre Frauenärztin wird Sie möglicherweise auch an einen Psychiater überweisen.

Haben Sie bereits bei einer früheren Schwangerschaft unter einer postnatalen Depression gelitten oder wurden Sie in der Vergangenheit wegen einer Depression behandelt, ist es eher wahrscheinlich, dass es nach der Geburt zu einer Wochenbettdepression kommt. In diesem Fall sollten Sie mit Ihrer Hebamme oder Ihrem Frauenarzt, Ihrer Frauenärztin frühzeitig während Ihrer Schwangerschaftsvorsorge darüber sprechen. Schon vor der Geburt kann der Besuch bei einem Psychiater hilfreich sein.

Lesen Sie zu diesem Thema auch unsere Experten-Interviews mit Frau Prof. Dr. med. Anita Riecher-Rössler , Prof. Dr. med. Konrad Michel und Anne Schlunegger. ../interviews/anne-schlunegger-erschoepfte-muetter-in-den-ersten-monaten-nach-einer-geburt.html

Weitere Informationen und Unterstützung: www.postnatale-depression.ch.

Rasche und zuverlässige Unterstützung im Notfall bietet in der Stadt Zürich das Schweizerische Rote Kreuz mit der Kinderbetreuung zu Hause.

Unser Buchtipp: Ich würde dich so gerne lieben. Über die grosse Traurigkeit nach der Geburt. Von Brooke Shields  2006  
Dieses Buch können Sie direkt online in unserem Buchshop bestellen.

Stand: 12/11, BH/AS

 



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