Das bei Entbindungen am häufigsten eingesetzte Mittel ist Pethidin, ein Opiat. Es dämpft das Schmerzempfinden im Gehirn, verursacht ein Gefühl der Gelassenheit und macht auch etwas schläfrig. Pethidin wird in die Muskulatur von Oberschenkel oder Gesäss injiziert oder als Infusion über die Armvene verabreicht. Die Wirkung tritt normalerweise nach etwa 20 Minuten, bei venöser Gabe schon nach wenigen Minuten ein und hält zwischen 2 und 4 Stunden an.
Pethidin wird heute nicht mehr so oft eingesetzt, da es eine Reihe nachteiliger Nebenwirkungen hat. Es kann die Austreibungsphase anstrengender machen, falls die Wirkung zu dem Zeitpunkt, bei dem Sie pressen müssen, noch nicht nachgelassen hat. Daneben kann es sich stark dämpfend auf Ihr Bewusstsein auswirken, Sie teilnahmslos machen oder sogar Ihre Erinnerung an die Geburt beeinträchtigen. Orientierungslosigkeit, Kontrollverlust und Verwirrtheit sind ebenfalls beobachtet worden. Selten kommt es sogar vor, dass Mütter unter dem Einfluss von Pethidin halluzinieren. Darüber hinaus verursacht Pethidin gelegentlich Übelkeit und Erbrechen, was aber mit einem gleichzeitig verabreichten Antiemetikum (einem Mittel gegen Erbrechen) behandelt werden kann.
Beim Neugeborenen, insbesondere bei Frühgeburten, kann Pethidin noch bis zu 3 Stunden nach der Entbindung die Atmung beeinträchtigen, weil es von der Plazenta über die Nabelschnur an das Kind weitergegeben wird. Dann muss dem Neugeborenen direkt nach der Geburt ein Gegenmittel (Naloxon) verabreicht werden. Pethidin kann auch in den ersten Tagen nach der Geburt Schläfrigkeit beim Kind verursachen und so das Stillen erschweren.
Auch Tramadolhydrochlorid, ein Opiat-Agonist, wird während der Geburt bei starken Schmerzen eingesetzt. Tramadolhydrochlorid beeinflusst – vor oder während der Geburt – die Kontraktionsfähigkeit des Uterus nicht. Beim Neugeborenen kann es zu in der Regel klinisch nicht relevanten Veränderungen der Atemfrequenz führen. Die Verabreichung erfolgt als Spritze in die Vene, in Tropfenform zum Einnehmen oder als Zäpfchen.
Krampflösende Medikamente (Spasmolytika) haben sich auch in der Geburtshilfe bewährt, z.B. Buscopan (Scopolaminbutylbromid). Sie werden meist als Zäpfchen (Suppositorium) verabreicht, in der Austreibungsphase kann Buscopan auch als Infusion verabreicht werden.
Beruhigungsmittel wie Diazepine (z.B. Valium) oder Barbiturate können v.a. beim Kind die Atmung einschränken und werden deshalb nur in besonderen Fällen und mit guter Beobachtung eingesetzt.
Stand: 04/11, BH/AS
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