Es ist allgemein bekannt, dass eine Geburt sehr schmerzhaft sein kann. Trotzdem erleben alle Gebärenden diesen Schmerz anders, unterschiedlich stark, unterschiedlich unangenehm. Ein Sechstel aller ohne Schmerzmittel Frischentbundenen sagt sogar, sie haben gar keine Schmerzen empfunden. Ist das möglich?
Einen Unterschied macht zunächst, ob es das erste Kind ist oder ein nachfolgendes Geschwisterkind. Oftmals ist die Geburt beim ersten Kind länger und auch schmerzhafter, da es auch für den Körper das erste Mal ist. Davon abgesehen sind die Intensität und Art der Wehen sowie des Geburtsschmerzes aber sehr individuell und werden von mehreren unterschiedlichen Einflussfaktoren beeinflusst: Persönliches Schmerzempfinden, Schmerz-Biografie, Dauer der Geburt, Umfeld, Begleitpersonen und Fachpersonen. Eine Wertung von Aussenstehenden über die persönliche Schmerzerfahrung während der Geburt und möglichen Wünschen nach Schmerzstillung ist nicht angebracht. Nur die Betroffenen selbst können in Zusammenarbeit mit den begleitenden Fachpersonen, wie Hebammen und Ärzte / Ärztinnen, über die passende Schmerzbewältigung entscheiden und urteilen.
Dass die Intensität des Geburtsschmerzes nach der Geburt meist sehr schnell vergessen geht, ist ein bekanntes Phänomen. Das liegt unter anderem an den Hormonen, denn das wehenstimulierende Oxytocin leitet die Geburt und sorgt für Liebes- und Glücks-Gefühle, Endorphine wirken gleichzeitig als wichtiges körpereigenes Schmerzmittel, hemmen die Angst und tragen auch zur Hochstimmung nach der Geburt bei. Von vielen Frauen wird dieses Gefühl "danach" mit dem Zustand nach einem Marathonlauf oder anderen Extremsportarten beschrieben.
Aus Furcht vor den Schmerzen und der unbekannten Situation sehen werdende Mütter dem Tag der Geburt mit ebenso grosser Ungeduld wie Angst und Unsicherheit entgegen. Sicher ist jedenfalls, dass Frauen ein positiveres Geburtserlebnis beschreiben, und folglich auch weniger Schmerzen bei der Geburt empfinden, wenn sie besser über den Geburtsvorgang Bescheid wissen. Informieren Sie sich daher so umfassend wie möglich über die verschiedenen Phasen der Wehen und der Geburt! Schwangerschafts- und Geburtsvorbereitungskurse können Ihnen dabei sehr helfen. Im Rahmen eines solchen Kurses werden Sie auf andere schwangere Frauen treffen, die ähnliche Fragen und Unsicherheiten im Bezug auf die Geburt und den Geburtsschmerz mit Ihnen teilen. Weiter ist es beispielsweise auch möglich, sich vorab die Gebärsäle und die Wöchnerinnenstation des Spitals anzusehen, falls Sie sich für eine Geburt im Spital entschieden haben. Das nimmt Ihnen die Angst vor der ungewohnten Umgebung und hilft auch, das für Sie richtige Spital auszuwählen, in dem Sie sich rundum gut betreut fühlen. Und schliesslich hilft vielen Schwangeren auch ein vertrauliches, intensives Gespräch mit ihrer eigenen Mutter über deren Geburtserlebnisse.
Machen Sie sich zusätzlich mit den verschiedenen Methoden der Schmerzlinderung vertraut und besprechen Sie diese mit Ihrer Hebamme oder Ihrer Ärztin / Ihrem Arzt. Informieren Sie sich welche Methoden der Schmerzlinderung in den für Sie in Frage kommenden Spitälern angewendet werden und welche die Hebammen im Geburtshaus oder bei einer Hausgeburt anwenden könnten. Informieren Sie sich über deren Wirkungsweisen und ihre Vor- und Nachteile und ob die von Ihnen gewünschte Methode für Sie geeignet ist. Wenn Sie dann Ihre eigene Schmerzgrenze einschätzen, können Sie eine informierte, individuelle Entscheidung über die für Sie beste Form der Schmerzlinderung fällen. Grundsätzlich gibt es folgende Möglichkeiten:
1. Natürliche Methoden der Schmerzlinderung:
2. Medikamentöse Methoden der Schmerzbekämpfung:
Normalerweise wird diese Entscheidung Ihnen überlassen, in manchen Fällen jedoch kann es aus medizinischen Gründen ratsam sein, bestimmte Arten der Schmerzlinderung oder -ausschaltung nicht anzuwenden. Beispielsweise ist bei Müttern mit Blutgerinnungsstörungen eine Epidural-Analgesie nicht angezeigt. In anderen Fällen dagegen, wie z.B. bei einer Mehrlingsschwangerschaft, einer Steisslage oder bei gewissen vorbestehenden mütterlichen Erkrankungen oder Schwangerschafts-Bluthochdruck (bzw. Präeklampsie) wird eine Epidural-Analgesie von Geburtshelfern durchaus empfohlen. Einschränkend gilt auch, dass nicht alle Methoden zu jeder Zeit sinnvoll sind. Einige Methoden können bereits in einem sehr frühen Wehenstadium angewandt werden, andere hingegen erst, wenn klar ist, dass die Wehentätigkeit voll eingesetzt hat.
Bitte lesen Sie zu diesem Thema auch unser Experten-Interview mit Prof. Dr. med. Helmut Gerber und zum Thema Schmerzerleichterung bei der Geburt durch Selbstbestimmung mit Hebamme Dominique Hochuli und Frau Dr. med. Pascale Stapfer.
Beachten sie auch zum Thema Hypnose während der Geburt unser Hebammen-Experteninterview hier.
Und wenn es Sie interessiert, wie andere Frauen die Geburt ihres Kindes erlebt haben, schauen Sie sich doch einmal die vielen Geburtsberichte im swissmom-Forum an!
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Stand: 10/11, BH/AS und das swissmom-Hebammenteam
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