Rezepte für sogenannte Wehencocktails mit Rizinusöl werden von Schwangeren untereinander weitergegeben und sogar von manchen Hebammen und Frauenärzten und Frauenärztinnen empfohlen, um bei Überschreitung des Geburtstermins die Wehen auf alternative Weise anzuregen. Über die Wirkung wird aber sehr unterschiedlich berichtet. Manche Frauen sollen rasch regelmässige Wehen ohne Durchfall bekommen, andere sollen stark erbrechen und massiven Durchfall und Kreislaufprobleme haben - ohne Wehen, insgesamt also eine schlechte körperliche Verfassung vor den Strapazen einer Geburt.
Rizinus-Öl wird in der Industrie als Gleit- und Schmiermittel benutzt und ist Bestandteil von vielen Kosmetika, v.a. Augenpflegemitteln. Die abführende Wirkung bei Einnahme ist seit langem bekannt. Es wirkt jedoch indirekt über die Aktivierung körpereigener abführender Substanzen (Histamine), die wiederum die Prostaglandinsynthese anregen und zu gesteigerter Darmbewegung und Gebärmutterkontraktionen führen. Ausserdem wird mehr Wasser durch den Darm aufgenommen und die Darmwand gereizt.
Rizinus (Rhizinus) darf deshalb keinesfalls bei Bauchbeschwerden wie entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Blinddarmreizung, Gallensteinen) oder Darmbewegungsstörungen (Ileus) genommen werden. Wenn Sie einen Rizinus-haltigen Cocktail einnehmen, sollte sicherheitshalber die Hilfe einer Hebamme oder eines Arztes abrufbereit sein.
Stand: 03/10, BH
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