Stillen Sie Ihr Baby, wenn es Hunger hat. Man nennt dies „Füttern nach Bedarf“ oder "ad libitum". Ihr Kind wird Ihnen von selbst signalisieren, wann es hungrig ist. Und Sie werden sehr schnell heraushören, warum Ihr Baby schreit - ob aus Hunger oder aus anderen Gründen. Manchmal will es auch einfach nur Hautkontakt haben, kuscheln oder beschäftigt werden, oder es braucht eine frische Windel.
Vermeiden Sie ein Dauernuckeln oder Anlegen in sehr kurzen Abständen von weniger als zwei Stunden. Das erschöpft Sie nicht nur unnötig, sondern ist auch schlecht für die Milchproduktion, weil die Brust nie vollständig leer getrunken wird. So wird praktisch rückgemeldet: Das Kind braucht weniger Milch als vorhanden ist - und sofort geht die Produktion zurück! Ebenfalls ist es auch für das Kind wichtig, dass es sich nicht angewöhnt, immer nur sehr kleine Portionen zu sich zu nehmen und dadurch nie mehr längere Ruhezeiten hat.
Gestillte Babys verlangen in der Regel häufiger zu trinken als „Schoppenkinder“, da Muttermilch schneller und leichter absorbiert und verdaut wird als Fertigmilchprodukte. In den ersten Tagen, wenn die Neugeborenen Kolostrum zu sich nehmen, schlafen sie aber nicht selten mehrere Stunden zwischen den Mahlzeiten durch. Um den dritten Tag herum kommt dann oft eine Phase, in der Sie das Baby sehr viel häufiger anlegen müssen. Sobald dann die reife Muttermilch produziert wird, können Sie ca. alle 2 - 3 Stunden stillen. Und wenn die Milchbildung gut in Gang gekommen ist, nach etwa vier Wochen, kommen die meisten Babys mit 6 - 8 Mahlzeiten (einschliesslich der Nachtmahlzeit) zurecht. Die Nachtmahlzeit ist noch eine Weile wichtig für die Entspannung der Brust und als Anregung zur Milchbildung. Trotzdem kann es ganz schön anstrengend werden, wenn Sie Ihr Baby zweimal in der Nacht anlegen müssen. Viele Babys können aber im Alter von drei Monaten die Zeit von Mitternacht bis ca. 6 Uhr morgens durchschlafen.
Leider lassen sich kaum allgemein gültige Aussagen darüber treffen, wie oft ein Säugling gestillt werden sollte, da jedes Baby individuell seinen Rhythmus entwickelt, und sich die Milchproduktion der Mutter entsprechend darauf einstellt. Alle paar Wochen (typischerweise in der dritten bis vierten Lebenswoche und im dritten bis vierten Lebensmonat) kann es auch zu einer Veränderung des Stillrhythmus kommen. Ihr Baby scheint dann auf einmal nicht mehr satt zu werden und Sie sorgen sich, ob die Milchmenge noch ausreicht. Dabei hat es vielleicht nur einen Wachstumsschub! Dann müssen Sie auf einmal viel häufiger anlegen, um die Produktion anzukurbeln. Beruhigend ist jedenfalls, dass der Stillrhythmus durch Angebot und Nachfrage sich selbst in der Regel optimal reguliert und gestillte Kinder auch durch häufiges Anlegen nicht überfüttert werden können.
Für das Stillen nach Bedarf gibt es allerdings eine Ausnahme: Trinkmüde, schläfrige Babys (z.B. mit einer Neugeborenen-Gelbsucht) sind oft kaum zum Trinken zu ermuntern und schlafen während des Stillens sehr bald wieder ein. In diesem Fall dürfen Sie nicht nach Bedarf füttern, denn dann bekommt Ihr Baby zuwenig. Es braucht mindestens sechs Mahlzeiten in 24 Stunden. Wecken Sie es also ruhig zum Trinken auf. Müde Kinder sind mit häufigen kleinen Mahlzeiten meist besser bedient als mit grossen Portionen. Dasselbe gilt für Babys, die mit einem niedrigen Geburtsgewicht oder zu früh geboren wurden. Eine regelmässige Gewichtskontrolle bei der Mütterberatung ist in diesen Fällen unerlässlich und zeigt im Zweifelsfall, ob ein Kind genügend Milch erhält.
Je mehr Routine Sie beim Stillen bekommen, umso besser finden Sie die Zeiten heraus, die sowohl in Ihren eigenen Tagesablauf als auch in den Ihres Kindes am besten passen. Vertrauen Sie also darauf, dass sich ein gewisser Rhythmus von selbst einstellen wird.
Stand: 1/11, MR/BF
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