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Alles probiert – und das Baby schreit immer noch...

Wenn Sie nicht herausbekommen, warum Ihr Baby weint, versuchen Sie einfach, es zu trösten. Es gibt nicht immer einen Grund! Nehmen Sie es in den Arm, entweder aufrecht oder in der Wiegeposition. Manche Babys lieben es, wenn man sie über die Schultern legt oder in der Fliegerstellung (Bauch auf Ihrem Unterarm) hält. Schaukeln Sie es sanft. Massieren Sie das Bäuchlein oder Köpfchen. Wärmewickel und Kirschkernkissen können die Verspannung lösen. Sprechen oder flüstern Sie ihm ins Ohr oder singen Sie ihm etwas vor – versuchen Sie, es abzulenken. Sie können auch einen Spaziergang oder eine Fahrt mit dem Auto unternehmen. Auch Ihr kleiner Finger oder ein Nuggi zum Saugen kann helfen. Vergewissern Sie sich jedoch, dass er sauber ist und tauchen Sie ihn keinesfalls in Zucker oder Honig.

Wenn das Baby dann immer noch nicht zu weinen aufhört, kann es sein, dass Ihr Kind überstimuliert ist und sich selbst nicht mehr beruhigen kann. In solchen Situationen ist es manchmal die beste Lösung, das Baby ruhig im Arm zu halten oder es in sein Bettchen zu legen. Berühren Sie mit der einen Hand sein Köpfchen, die andere legen Sie ihm auf den Bauch. Nehmen Sie das schreiende Kind nicht sofort wieder hoch, auch wenn es Ihnen schwer fallen wird. Um Überstimulation zu vermeiden, sollten Sie in Zukunft Ihr Kind noch besser auf Zeichen von Müdigkeit beobachten. Wenn es gähnt, sich die Augen reibt, unruhig und quengelig wird oder den Blickkontakt zur Bezugsperson verliert, ist es Zeit zum Schlafen.

Manche Kinder fühlen sich wohler und schreien weniger, wenn sie eng in ein Tuch eingewickelt werden, "Pucken" genannt. Die Hebamme Sue Schmid entwickelte zu diesem Zweck ein Schmetterlingstuch. Ihren persönlichen Bericht finden Sie hier.

Als Schreibaby bezeichnet man ein Kind, das täglich mehr als drei Stunden, an mindestens drei Tagen pro Woche und mehr als drei Wochen lang schreit und seine Eltern - bei aller Liebe - an den Rand des Nervenzusammenbruchs bringt. Wenn Ihr Baby dazu gehört: Geben Sie sich nicht selbst die Schuld! Wenn Sie alles versucht haben, um es zu beruhigen und dabei keinen Erfolg hatten, haben Sie nicht zwangsläufig etwas falsch gemacht. Sie sind deshalb keine schlechtere Mutter als jede andere, deren Kind weniger schreit. Auch Ihr Kind kann nichts dafür – manche Babys schreien oder weinen einfach mehr als andere.

Versuchen Sie, ruhig zu bleiben. Auf keinen Fall dürfen Sie versuchen, Ihr Baby durch Schütteln zur Ruhe zu bringen. Ein lebensgefährliches Schütteltrauma kann die Folge sein! Wenn Sie sich erschöpft fühlen, bitten Sie Ihren Partner, Freunde oder Verwandte, zeitweilig nach dem Kind zu sehen. Wenn Sie allein mit dem Kind sind, legen Sie es in sein Kinderbettchen, vergewissern Sie sich, dass alle Gefahrenquellen ausserhalb seiner Reichweite sind, und gehen Sie in ein anderes Zimmer. Sie müssen Abstand gewinnen und sich etwas Erholung gönnen, das hat überhaupt nichts mit Vernachlässigung Ihrer Mutterpflichten zu tun! Hören Sie Musik, machen Sie sich einen Tee oder rufen Sie einen Freund oder eine Freundin an. Lassen Sie das Kind aber nicht lange allein – nur so lange es nötig ist, um wieder ein bisschen Kraft zu schöpfen. Wenn das Weinen einfach nicht aufhören will, sollten Sie eine Mütterberaterin oder einen Arzt/eine Ärztin konsultieren.

Wenn Sie sich als Eltern zunehmend überfordert fühlen und einfach nicht mehr weiter wissen, hilft es oft, sich einfach anonym aussprechen zu können. Für solche Fälle gibt es z.B. den 24-Stunden-Elternnotruf: 0848 35 45 55 zum normalen Festnetztarif, www.elternnotruf.ch. Hilfe gibt es auch bei der Fachstelle für Säuglingsfragen unter www.schreibaby.ch und bei der privaten Elterninitiative www.schreibabyhilfe.ch (mit Forum).

In den letzten Jahren hat sich bei unerklärlichem Schreien und Unruhe immer häufiger die Craniosakral-Therapie als erfolgreiche und sanfte Behandlungsmethode bewährt. Bitte lesen Sie zu diesem Thema das Experten-Interview mit Brigitte Meissner und den Erlebnisbericht einer betroffenen Mutter. Auch mittels Osteopathie kann Hilfe geboten werden, mehr Informationen dazu finden Sie im Experten-Interview mit Emanuel Donckels

Unser Buchtipp:
Das glücklichste Baby der Welt. So beruhigt sich Ihr schreiendes Kind - so schläft es besser. Von Harvey Karp 

Ein Faltblatt mit vielen Tipps "Hilfe! Mein Baby hört nicht auf zu schreien" kann unter Einsendung eines frankierten Rückantwortcouverts bei der Stiftung Kinder und Gewalt, Postfach 1235, 3110 Münsingen bestellt werden.

Beachten Sie dazu auch unser Experten-Interview von Dr. med René Glanzmann zum Thema Schreisprechstunde für Babys und Kleinkinder.

Stand: 09/11, BH/AS



 

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