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Haben Sie ein Schreibaby?

Manche Babys weinen und schreien so viel, dass sie die Nerven ihrer Eltern auf eine richtige Zerreissprobe stellen. Jedes zehnte Kind wird als "Schreibaby" bezeichnet. Das heisst, dass es mehr als drei Stunden am Tag aus vollem Hals brüllt, und dies mehr als drei Tage in der Woche und länger als drei Wochen. In einer solchen Situation fühlen sich junge Eltern, die doch alles besonders gut machen wollen, auf einmal völlig unfähig. Sie können ja ihr eigenes Baby, das sie lieben, nicht beruhigen! Das verursacht Stress, auch unter den Eltern, ein Gefühl von Abgelehntwerden und schliesslich handfeste Aggressionen. Schlafentzug tut ein Übriges...und macht den Teufelskreis erst recht perfekt, aus dem eine Mutter oder ein Vater kaum noch allein herausfindet.

Das Wichtigste vorweg: Schreibabys haben nichts mit elterlichen Fehlern im Umgang mit dem Baby zu tun! Eltern sollten sich also nicht von Vorwürfen ihrer Umgebung irritieren lassen, sie würden ihr Kind falsch behandeln. Die genaue Entstehung der Koliken ist nun einmal nicht bekannt. Aus Untersuchungen weiss man:

  • Das exzessive Schreien ist keine Zivilisationskrankheit, Schreibabys gibt es auch bei Naturvölkern.
  • Die Babys schreien nicht deshalb länger und häufiger, weil sie vielleicht zuviel herumgetragen worden sind. 
  • Schreiattacken sind bei gestillten Kindern und Flaschenkindern gleich häufig.
  • Die meisten betroffenen Babys sind gesund. Sie leiden später nicht häufiger unter Allergien oder anderen Krankheiten als andere Kinder.
  • Eine Allergie gegen Milcheiweiss oder eine Unverträglichkeit von Milchzucker steckt nur in sehr seltenen Fällen hinter dem übermässigen Schreien. Auch ein Rückfluss der Magensäure (Reflux) lässt sich nur selten als tatsächliche Ursache finden.

Hier sind die wichtigsten Regeln für den Umgang mit einem Schreibaby.

Die Hebamme Sue Schmid entwickelte zum "Pucken" (das Baby wird dabei eng eingewickelt) ein Schmetterlingstuch, dazu ihr persönlicher Bericht hier. An vielen grossen Kinderspitälern, auf jeden Fall an den Universitäts-Kinderspitälern, gibt es heute schon eine sogenannte Schreiambulanz. Hilfe gibt es auch bei der Fachstelle für Säuglingsfragen unter www.schreibaby.ch und bei der privaten Elterninitiative www.schreibabyhilfe.ch (mit Forum). Dorthin sollten Sie sich früh genug wenden - spätestens, wenn Sie Aggressionen gegen Ihr Kind spüren, z.B. wenn Sie es schütteln wollen, damit es endlich aufhört zu schreien. Viele weitere Informationen finden Sie zudem auf der Homepage des Basler Psychotherapeuten Franz Renggli.

In den letzten Jahren haben sich bei unerklärlichem Schreien und Unruhe immer häufiger die Osteopathie und die Craniosakral-Therapie als erfolgreiche und sanfte Behandlungsmethoden bewährt. Bitte lesen Sie zu diesem Thema den Erlebnisbericht einer betroffenen Mutter zur Kraniosakraltherapie.

Unsere Buchtipps: Wie Sie Ihr Schreibaby verstehen und beruhigen  Von Joachim Bensel 

Experten-Interviews zum Thema:
Brigitte Meissner: Craniosacral-Therapie bei der Behandlung von Schreibabys
Dr. med. René Glanzmann: Schreisprechstunde für Babys und Kleinkinder
Emanuel Donckels: Osteopathie - eine mögliche Therapie für Schreibabys
Christina Hurst-Prager: EFT - Aktive Schwangerschaftsbegleitung

Stand: 09/10, BH/AS

 



 

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