swissmom_bei_facebook

Affektkrämpfe (Wutkrämpfe, Wegschreien, Schreikrampf)

Unter einem Affektkrampf versteht man eine starke gefühlsmässige Reaktion, die nicht mehr kontrolliert werden kann und sich in Wein-, Lach- oder Schreikrämpfen äussert. Etwa 5 % aller Kinder zwischen dem 6. und 18. Lebensmonat neigen zu so genannten respiratorischen Affektkrämpfen, manche nur selten pro Jahr, andere mehrmals am Tag. Besonders die willensstarken, lebhaften, vermehrt reizbaren Kleinkinder, Jungen mehr als Mädchen, stellen damit ihre Eltern auf eine harte Probe. Oft besteht eine familiäre Veranlagung zu übermässiger Erregbarkeit, zu Jähzorn und Angstzuständen. Bei etwa einem Viertel der betroffenen Kinder kommen Affektkrämpfe auch bei Geschwistern vor oder wurden in der Kindheit bei den Eltern gesehen.

Verursacht wird ein Affektkrampf durch einen negativen Reiz, häufig durch Schmerzen oder heftiges Erschrecken. Er ist auch bei Kindern zu beobachten, denen etwas verboten wird oder die sich über etwas ärgern. Sie steigern sich beim Schreien mitunter derartig in einen Anfall aus Wut, Trotz oder Angst hinein, dass sie nach dem Ausatmen sekundenlang den Atem anhalten. Die abnorme Erregung des Kindes bewirkt einen krampfartigen Verschluss der Stimmritze mit Atemstillstand. Der Blutdruck fällt ab, der Herzschlag wird langsamer. Der Körper versteift sich, das Gesicht wird blass, die Lippen oft bläulich ("zyanotisch"). Schliesslich verdreht das Kind die Augen, wird bewusstlos und fällt schlaff hin. Dies ist erschreckend, aber eine absolut sinnvolle Reaktion, weil das Kind in der Entspannung wieder richtig zu atmen beginnt. Nach einigen Sekunden bis Minuten kommt es wieder zu sich, ist dann meist erschöpft, gelegentlich schlafbedürftig.

Gelegentlich passiert es während der langen Ausatmung mit blaurotem Gesicht auch, dass das Kind einen kurzen Krampfanfall bekommt. Obschon ein solches Ereignis für Eltern erschreckend ist, besteht kein Grund zur Besorgnis. Es handelt sich hierbei nicht um ein Anfallsleiden (Epilepsie) oder um einen Fieberkrampf, sondern um Krämpfe, die durch den Sauerstoffmangel bedingt sind.

Was ist zu tun? Medizinisch gesehen sind diese Wutreaktionen relativ harmlos. Auch bei häufigerem Auftreten und längerer Dauer der Anfälle sind schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit des Kindes nicht zu befürchten. Sie sollten daher demonstrativ Ruhe bewahren und den sich aufschaukelnden Affekt so früh wie möglich unterbrechen, z.B. indem Sie die Aufmerksamkeit des Kindes auf eine andere Sache lenken, aus dem Fenster schauen o.ä. Will das Kind einen Anfall zum Durchsetzen seines Willens bewusst einsetzen, sollte man dies nicht beachten und den Raum verlassen.

Vorsorglich sollten Erwachsene versuchen, sich in die Bedürfnisse solcher junger Kleinkinder einzufühlen, um Anlässe zu Wut und Trotz zu vermeiden - soweit dies möglich und erzieherisch vertretbar erscheint. Die eigentliche Gefahr liegt darin, dass die verständlicherweise besorgten Erwachsenen falsch reagieren. Vor allem durch überbesorgtes Verhalten könnten die Abläufe gefestigt werden, so dass sich am Ende jedes Weinen bis zum Affektkrampf steigert.

Die Anfälle klingen mit zunehmendem Alter bald ab, weil das Kind durch eine bessere Bewegungskoordination und durch besseres Vorhersehen der Handlungsabläufe sicherer wird. Zu Ihrer eigenen Beruhigung sollten Sie jedoch beim nächsten Kinderarzt-Termin davon berichten, damit etwaige andere Krankheiten, z.B. der Lungen oder des Herzens, ausgeschlossen werden.

Stand: 09/10, BH



info [at] swissmom.ch

Inhalt urheberrechtlich geschützt © 2003 Swissmom. Alle Rechte vorbehalten.
Die in www.swissmom.ch enthaltenen Informationen stellen keinen Ersatz dar für die Untersuchung, Diagnosestellung oder Behandlung durch medizinisch ausgebildete Fachleute.

Bitte lesen Sie unsere Nutzungsbedingungen

copyright swissmom.ch 2009

Newsletter
Anthrazit Siegel