Bei Knaben ist die Vorhaut des Penis in den ersten zwei Lebensjahren mit der Eichel verklebt, sodass sie sich noch nicht zurückschieben lässt. Gewaltsame Dehnungsversuche sind deshalb sinnlos und auch schädlich, können sie doch zu Verletzungen, Entzündungen und Vernarbungen (Narbenphimose) führen, welche die Vorhaut noch unelastischer machen.
Während des zweiten, spätestens dritten Lebensjahres ist das Zurückstreifen üblicherweise kein Problem mehr. Ist es dann aber nicht möglich oder zeigt sich über die Eichel ein Schnürring, liegt eine Vorhautverengung (Phimose oder Fimose) vor. Symptome einer Phimose können auch sein, wenn es zu Entzündungen durch die zu enge Vorhaut (Balanitis) kommt, der Urinstrahl dünn ist oder sich die Vorhaut beim Wasserlassen aufbläht. Bei manchen Knaben ist die Vorhautverengung auch der Grund fürs Bettnässen.
Ist die Vorhaut nicht hochgradig verengt, kann zunächst entweder mit einer östrogenhaltigen Hormonsalbe oder einer Kortisoncreme behandelt werden. Vier bis sechs Wochen lang zweimal täglich aufgetragen, hilft sie in 60 - 70 % der Fälle. Ist das erfolglos, muss operiert werden. Wie bei einer normalen Beschneidung (Zirkumzision) wird ein ringförmiger Teil der Vorhaut entfernt. Der Eingriff wird in Allgemeinnarkose durchgeführt, entweder ambulant oder mit ein bis zwei Tagen Krankenhausaufenthalt.
Bitte wenden Sie sich ggf. an Ihren Kinderarzt, der Ihnen nach einer Untersuchung sicherlich sagen kann, ob eine Salbentherapie auch für Ihr Kind in Frage kommen kann. Bis zum Eintritt in die Schule sollte die Vorhaut auf jeden Fall komplett zurückzuziehen sein.
Soforthilfe brauchen Jungen, die unter einer sogenannten Paraphimose leiden. Sie entsteht, wenn eine zu enge Vorhaut mit Gewalt zurückgestreift wird und sich dann nicht wieder nach vorn bewegen lässt, sondern hinter der Eichel festklemmt und das Gewebe wie ein enges Band abschnürt. In solchen Fällen muss ein Arzt die Vorhaut unter Betäubung wieder über die Eichel ziehen.
Stand: 10/11, BH
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